Offener Brief an die Verwaltungsräte AG für die Neue Zürcher Zeitung und RMH Regionalmedien AG
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Zug, 8. Mai 2020 Offener Brief an die Verwaltungsräte AG für die Neue Zürcher Zeitung und RMH Regionalmedien AG

3 min Lesezeit 12.05.2020, 14:01 Uhr

Sehr geehrter Herr Jornod
Sehr geehrter Herr Graf
Sehr geehrte Damen und Herren

Wie seit bald zwei Jahrzehnten fast schon üblich, will der Verwaltungsrat der RMH Regionalmedien AG (bis 2018 LZ Medien Holding AG) deutlich mehr als die im vergangenen Jahr erarbeiteten Mittel als Dividenden ausschütten, zu 97 Prozent an die Hauptaktionärin NZZ.

Die der Generalversammlung der Aktionärinnen und Aktionäre vom 14. Mai 2020 beantragten 13.42 Millionen Franken Dividende entsprechen bei einem ausgewiesenen Gewinn unserer Gesellschaft von 1.88 Milionen Franken, der RMH Regionalmedien AG, einer Ausschüttungsquote von sage und schreibe 714 Prozent.* Dieser «Transfer nach Zürich» – entspricht gleichzeitig mehr als dem 1.6-fachen der von der AG für die Neue Zürcher Zeitung Ende April 2020 ausgeschütteten Dividende von total 8 Millionen Franken.

Bereits an der GV 2019 der RMH hat der Unterzeichnete gefordert, auf die Ausrichtung einer Sonderdividende zu verzichten – und die entspre- chenden Millionen allenfalls der NZZ oder der CH Media als Darlehen zur Verfügung zu stellen, je nachdem, welches Haus damit das bessere publizistische Projekt zu finanzieren verspreche; schon eine Abstimmung über den Antrag wurde grossmehrheitlich abgelehnt.

In den letzten fünfzehn Jahren haben die jahrelang gut rentierenden NZZ-Töchter in der Ost- und Zentralschweiz von der Konzernzentrale auferlegte Dividenden-Transfers in dreistelliger Millionenhöhe leisten müssen.

Natürlich, sie hatten (und haben) Reserven. Aber dazu kommt, dass die NZZ ihren Zeitungstöchtern schon vor dem Schröpfen via «Schlussrechnung» Jahr für Jahr systematisch Skalenerträge vorenthält, das heisst, überteuerte Systemdienstleistungen und Overhead-Kosten verrechnet. Die fadenscheinige Begründung einer «Dividendenzahlung als Abbild des letztjährigen Erfolgs» geniesst 2020, bei beantragten Dividenden in mehrfacher Höhe des Jahresgewinns, keinerlei Glaubwürdigkeit.

Dabei profitier(t)en die Redaktionen der NZZ offen- sichtlich nicht von der jahrzehntelangen «Dividenden-Abzüglete aus der Provinz nach Zürich». Vielmehr finanzierten und finanzieren diese Transfers die gerade unter dem gegenwärtigen NZZ-Verwaltungsratspräsidenten häufig wechselnden Spitzenmanager samt ihrem akkumulierten Sammelsurium «elektronischer Ventures» – die wiederkehrenden Wertberichtigungen und Goodwill-Abschreibungen in den NZZ-Geschäftsberichten lassen grüssen!

Die CH Media, zu 50 Prozent eine Tochter unserer Gesellschaft, musste im April 2020 Kurzarbeit verfügen und steckt ertragsmässig in einer kritischen Situation. Jeder, schon gar ein wie vorliegend «unanständiger» Entzug von Mitteln ist deshalb nicht «nur» ein Affront für die Mitarbeitenden der Zeitungs-, Radio-, TV- sowie Druck- und Verlagstöchter der RMH beziehungsweise der CH Media. Er gefährdet ebenso die Unterstützung der Öffentlichkeit für eine grosszügigere Subvention der Zeitungs(früh)zustellung durch den Bund.

Regionalzeitungen, welche für seriöse Berichterstattung und eine offene Diskussionskultur in ihrem Erscheinungsgebiet sorgen, sind system- relevant. Und spätestens seit der zweiten Hälfte 2019 ist ihr Geschäftsmodell gefährdet, seit März 2020 mit der COVID-19-Krise sogar erschüttert. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass der Verleger der AZ-Mediengruppe, welche die andere Hälfte an CH Media hält, im Sinne kaufmännischer Vorsicht und sozialer Verantwortung – kurz der Zukunftssicherung – schon vor Wochen dafür plädierte, dass die Schweizer Medienbranche 2020 auf die Ausrichtung von Dividenden verzichten solle.

Fast schon ritualmässig haben die Vorsitzenden der LZ Medien Holding (heute RMH) jeweils am Schluss der Generalversammlungen der letzten zehn Jahre das Engagement für die regionale Berichterstattung und die Verankerung daselbst in Erinnerung gerufen sowie versprochen, diese als Verpflichtung in die Zukunft zu tragen. Jetzt ist die Zeit, diesen Worten Taten folgen zu lassen.

Auch wenn wir Publikumsaktionärinnen und Publikumsaktionäre am 14. Mai an der Maihofstrasse 74/76 nicht anwesend sein dürfen: Sie wissen, dass Ihnen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in der Zentral- und Ostchweiz gewiss ist.

Sehr geehrter Herr Jornod, sehr geehrter Herr Graf, es liegt nun (fast) an Ihnen allein, Verantwortung zu übernehmen und die fehlgeleiteten Anträge betreffend Dividendenausschüttung («reguläre» Dividende 6.71 Milionen Franken und Sonderdividende 6.71 Milionen Franken) der RMH Regionalmedien AG zurückzuziehen beziehungsweise abzulehnen.

Mit freundlichen Grüssen

PS: Die Publikation dieses Inserats wurde von CH Media, Txmedia und NZZ abgelehnt.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

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