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Freiwilliges Engagement: die tragende Säule unserer Gesellschaft

Zwischen Recht und Richtig

(Bild: Adobe Stock)

Insbesondere in der Weihnachtszeit wird uns Menschen oftmals verstärkt bewusst, wie wichtig gegenseitiger Respekt und Solidarität sind. So finden auch dieses Jahr an Heiligabend wiederum öffentliche Weihnachtsfeiern statt für alle jene, die sonst alleine wären. Aber auch unter dem Jahr setzen sich viele Zugerinnen und Zuger ehrenamtlich für eine solidarische Gemeinschaft ein.

Der Einsatz erfolgt etwa, indem sie älteren, vereinsamten Menschen Zeit schenken. Oder indem sie sich um Kinder kümmern, die zu Hause oder in der Schule gewisse Schwierigkeiten haben. Aber auch im Bereich der Integration werden unzählige ehrenamtliche Stunden investiert. Ohne das grosse Engagement der Freiwilligen würde vieles weniger gut oder gar nicht funktionieren. Sie sind die tragende Säule in unserer Gemeinschaft, dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Fragen nach sozialer Ungleichheit drängen sich auf

Wer Menschen in schwierigen Zeit hilft, ist auch mit anspruchsvollen Situationen konfrontiert. Fragen nach sozialer Ungleichheit und Gerechtigkeit beschäftigen einen verstärkt und es ist nicht immer einfach, zwischen Recht und Unrecht unterscheiden zu können. Das Spannungsfeld zwischen Recht und richtig hat in jüngster Vergangenheit auch die Justiz beschäftigt.

Anfang dieser Adventszeit, am 10. Dezember 2018, wurde die 72-jährige Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz vom Bezirksgericht Brig (VS) verurteilt, und zwar wegen Erleichterung der illegalen Einreise. Dies, weil sie einem jungen Afghanen half, der aufgrund der Dublin-Verordnung nach Italien zurückgeschafft wurde. Trotz ärztlicher Gutachten, die gegen eine Rückführung sprachen, auch trotz mehrerer Suizidversuche. Anni Lanz erfuhr, dass der junge Mann in Domodossola (I) bei –10 Grad draussen übernachten muss. Sie wollte ihn zurück in die Schweiz holen, wurde aber an der Grenze angehalten.

Kriminalisierung der Retter

In Europa, jenem Kontinent, der 2012 den Friedensnobelpreis erhalten hat, ist es leider Usus geworden, dass Personen, die Menschen auf der Flucht helfen, immer wieder kriminalisiert werden. So geschehen zum Beispiel mit den Rettungsbooten auf dem Mittelmeer, wo Hilfsorganisationen Personen vor dem sicheren Tod durch Ertrinken retten. Das heutige Rechtssystem und die souveräne Staatengemeinschaft müssen sich der Frage stellen, ob sie sich in ihrer Entscheidungsfindung nicht voreilig durch künstlich erzeugten nationalistischen und populistischen Druck beeinflussen lässt.

Drehen wir das Rad um 80 Jahre zurück. Nachdem 1938 das Deutsche Reich Österreich annektiert hatte, schloss die Schweiz ihre Grenzen für Menschen mit jüdischer Religionszugehörigkeit. 20’000 Flüchtlinge wurden zurückgewiesen. Paul Grüninger, Polizeihauptmann und Verantwortlicher für die Schweizer Grenzen am Bodensee, widersetzte sich. Er drückte bei falschen Dokumenten beide Augen zu, fälschte gar Visa, um über 3’000 Jüdinnen und Juden die Einreise zu ermöglichen. Im Frühling 1939 wurde er verraten, schliesslich seines Amtes enthoben und zu einer schweren Strafe verurteilt; ausserdem verlor er seinen Rentenanspruch.

Bis zu seinem Lebensende betonte er stets, dass er wieder genau gleich handeln würde. Erst 23 Jahre später wurde das Urteil aufgehoben und seine Familie entschädigt. Seit vergangenem Jahr ist eine Strasse im Nordosten von Jerusalem nach ihm benannt. 

Im Unrecht richtig handeln

In der Geschichte der Menschheit gibt es unzählige Personen, die das geltende Recht strapaziert oder sogar gebrochen haben, um anderen Menschen zu helfen. Passend dazu erinnere ich an die Weihnachtsgeschichte: König Herodes befahl den drei Sterndeutern, auf ihrem Rückweg wieder nach Jerusalem zu kommen und ihm den Aufenthaltsort von Jesus bekannt zu geben. Die drei Sterndeuter missachteten diesen Befehl und gingen auf einem anderen Weg nach Hause. So konnten Josef, Maria und das Christuskind unbehelligt nach Ägypten fliehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine sinnliche Adventszeit und wünsche mir, dass der solidarische Einsatz für die Menschheit von der Politik, den Behörden und der Gesellschaft wieder verstärkt hochgehalten wird.

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Dieser Blog soll den Politikerinnen und Politikern aus den Kantonen Zug und Luzern Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es wird wöchentlich Bezug genommen zur aktuellen politischen Landschaft Zentralschweiz. Die Meinung von Bloggern und Gastautoren muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
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