Züchten Zuger Eltern kriminelle und ungebildete Monster?
  • Blog
  • PolitBlog
Fremdbetreute Kinder sollen weniger kriminell werden – so der Bericht des Zuger Regierungsrats. (Bild: Symbolbild: pexels)

Fremdbetreuung besser als Erziehung durch Eltern? Züchten Zuger Eltern kriminelle und ungebildete Monster?

4 min Lesezeit 2 Kommentare 17.06.2021, 10:56 Uhr

Drei Jahre arbeitete die Zuger Regierung an einer Vorlage für familien- und schulergänzende Betreuungsangebote. Aus Sicht von Politblogger Beni Riedi fiel diese oberflächlich und einseitig aus. Ausserdem behaupte die Regierung, dass fremdbetreute Kinder später weniger häufig kriminell oder von der Sozialhilfe abhängig würden als andere.

Mittels Motion wurde der Zuger Regierungsrat beauftragt, dem Kantonsrat eine Vorlage zu unterbreiten, die im Kanton Zug für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten sorgt. Knapp drei Jahre arbeitete die Direktion des Innern an der Ausarbeitung dieses Berichts und Antrags. Das Thema bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzender Betreuung ist wichtig und verdient es auch, genau analysiert und im Detail betrachtet zu werden. Es ist ein Thema, das unbedingt auch wegen seiner gesellschaftspolitischen Brisanz mit grösstmöglicher Genauigkeit und mit Fingerspitzengefühl erörtert werden muss.

Fremdbetreuung wird angepriesen

Ich war erstaunt, wie oberflächlich und einseitig der Bericht und Antrag der Regierung nach dreijähriger Ausarbeitung ausgefallen ist. In diesem Bericht wurden unbelegte Behauptungen als Fakten und Argumente verwendet, was meines Erachtens einer Zuger Regierung nicht würdig ist und korrigiert werden sollte. Ohne Fakten zu präsentieren, erwähnt die Regierung in ihrem Bericht und Antrag, dass durch frühe Fremdbetreuung die Bildungschancen der Kinder verbessert würden. Weiter behauptet sie, dass Kinder, die fremdbetreut werden, später in ihrem Leben seltener von der Sozialhilfe abhängig werden, und dass fremdbetreute Kinder später weniger kriminell werden als andere.

Zum Autor

Beni Riedi ist seit 2010 Mitglied des Zuger Kantonsrates und gehört der SVP-Fraktion an. Der Betriebswirtschafter ist ausserdem seit 2010 Vorstandsmitglied der SVP Baar. Beni Riedi ist Vater von zwei Kindern.

Ich bin der Meinung, dass wir von der Direktion des Innern mehr Qualität und Fingerspitzengefühl erwarten dürfen als eine solch saloppe Aussage, dass Eltern, die sich noch selber um ihre Kinder kümmern, ungebildete, kriminelle Sozialhilfeempfänger züchten. Ohne Zahlen zu nennen wird behauptet, dass die Staatsfinanzen langfristig von dieser Investition profitieren würden und dass die Wirtschaft nicht länger auf beide Elternteile als wertvolle Fachkräfte verzichten könne. Beim Lesen dieser Passage des Berichts glaubte ich zuerst, von meinen eigenen Augen belogen zu werden.

Eltern sollen arbeiten anstatt ihre Kinder zu betreuen

Unsere Regierung schreibt doch tatsächlich, dass die Eltern nicht in erster Linie ihre Kinder erziehen, sondern dass sie arbeiten und ihre Kinder fremdbetreuen lassen sollen, damit die Wirtschaft keine Arbeitskräfte verliert und die Kinder durch ihre Eltern nicht zu ungebildeten, kriminellen Sozialhilfeempfängern verzogen werden. Diese Aussage muss man erst mal verdauen, es ist doch eine Beleidigung, ja ein Schlag ins Gesicht aller Eltern, die ihre Kinder noch ohne fremde Hilfe erziehen, Eltern, die ihre Kinder vor ihre eigene Karriere stellen, Eltern, die sich noch Zeit nehmen, für ihre Kinder täglich ihr Bestes geben und sich für ihre Kinder einsetzen.

Als SVP-Kantonsrat und zweifacher Familienvater verweigere ich mich sicher nicht der Diskussion zu familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten. Ich verlange aber von der Regierung, einen sauberen, sachlichen und auf Zahlen und Fakten basierenden Bericht und Antrag zu präsentieren, ohne die Eltern zu verurteilen, die eigenverantwortlich ihre Kinder erziehen und sie nicht einfach der staatlich finanzierten Betreuung überlassen. Allgemein stört es mich, dass der Staat und die Politik sich immer mehr in private Angelegenheiten einmischen. So wird seit längerer Zeit die Drittbetreuung einseitig durch die Politik gefördert.

Kinderbetreuung ist Eigenverantwortung der einzelnen Familien

Die SVP misst der Eigenbetreuung der Kinder den gleichen Stellenwert wie der Drittbetreuung zu. Es liegt in der persönlichen Eigenverantwortung und Entscheidung jeder einzelnen Familie, wie sie ihre Kinder betreuen will. Die Betreuung der eigenen Kinder ist eine gesellschaftlich wertvolle Aufgabe und dementsprechend auf Augenhöhe mit der Kinderdrittbetreuung zu behandeln. Dies gilt auch für die Steuerpolitik. Eine staatliche Bevorzugung der Drittbetreuung ist demzufolge abzulehnen. Aus diesem Grund hat meine Partei eine Motion betreffend Erhöhung des Eigenbetreuungskostenabzuges eingereicht.

Gleiches gilt auch für die kantonale Schaffung von Tagesschulen. Die Gemeinden wissen selber am besten, wie gross der Bedarf an Fremdbetreuung im eigenen Dorf ist. Deshalb darf ihnen doch nicht durch den Kanton ein je nachdem unverhältnismässiges Angebot aufs Auge gedrückt werden. Der Kantonsrat darf nicht über die Köpfe der Gemeinden hinweg beschliessen, was sie künftig anzubieten und auch noch selber zu bezahlen haben.

Du bist noch kein Möglichmacher? Als Möglichmacherin kannst Du zentralplus unterstützen. Mehr erfahren.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 17.06.2021, 15:46 Uhr

    Grundsätzlich können Eltern selbst bestimmen, ob sie ihre Kinder selbst- oder fremdbetreuen wollen. Working-Poor-Eltern und Alleinerziehende haben eine eingeschränkte Wahl. Sie sind meist gezwungen, voll zu arbeiten, damit sie die überteuerte Wohnung bezahlen können. Die Wahl heisst dann: kostspielige Fremdbetreuung oder Schlüsselkinder? Hier ist die Fremdbetreuung sicher die bessere Wahl. Konsequenterweise müsste sich Herr Riedi für kostengünstige Betreuungsangebote und zahlbare Wohnungen einsetzen, wenn ihm das «einfache» Volk tatsächlich am Herzen liegt.

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
    1. Marc Mingard, 18.06.2021, 06:30 Uhr

      Hr. Roth es gäbe eine noch naheliegendere Variante: faire Entlöhnung.
      Durch übermässige Fremdbetreuung lernen die Kinder vor allem eines: dass wir (Eltern) nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen und man sich dieses fehlende Verantwortungsbewusstsein jederzeit mit Geld wegkaufen kann. Ablasshandel im 21. Jhdt.

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
×
×
jährlich monatlich
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
CHF60.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
CHF180.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
CHF360.00 / Jahr
zentralplus unterstützen