Ziele für eine nachhaltige Entwicklung
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Die Akteure im Kanton Zug können auf lokaler Ebene den globalen Problemen begegnen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Region Zug ist herausgefordert Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

5 min Lesezeit 09.01.2020, 10:56 Uhr

Anfang Januar sind sie jeweils allgegenwärtig: Die guten Vorsätze und die Ziele fürs neue Jahr. Aber jedes Ziel ist nur so viel wert wie die daraus resultierende Massnahme und der Weg bis zu seiner Umsetzung. Im vergangenen Jahrzehnt wurden viele internationale Ziele gefasst, jetzt braucht es ein Jahrzehnt der Umsetzung; dazu braucht es jede und jeden Einzelnen.

Vorsätze und Ziele werden zwar gerade über den Jahreswechsel oftmals von Privatpersonen gefasst. Dabei handelt es sich zumindest bei der Hälfte meiner Vorsätze oft eher um Wünsche oder sogar um Wunschdenken. Dies wird zumindest dann jeweils ersichtlich, wenn ich Ende Jahr den Gang auf die Waage wage. In unserem beruflichen Alltag hingegen sind Wirkungsanalysen, Ziele, Massnahmen etc. nicht wegzudenken. Sie sind unsere Leitlinien, wenn es darum geht, unternehmerisch zu handeln, ein neues Produkt zu entwickeln oder eine neue Marketingstrategie zu implementieren.

Aber auch in der Politik und in der Welt der Verbände und Organisationen werden immer wieder Ziele definiert. Seit ungefähr zehn Jahren bin ich politisch aktiv. Wenn ich all die Ziele, mit denen ich in dieser Zeit in Berührung kam, aufstapeln würde, sie würden wohl das höchste Gebäude übertreffen. 

Klimaabkommen – Umsetzung auf lokaler Ebene

Der rasante Klimawandel hat viele negative Folgen für uns Menschen, aber auch für die Tier- und Pflanzenwelt. Die Treibhausgase sind seit Jahren als Ursache erkannt und trotzdem schaffen wir es derzeit nicht, unsere Emissionen genügend zu verringern. 2015 hat die internationale Staatengemeinschaft es nach langem Hin und Her geschafft, sich auf ein gemeinsames Ziel festzulegen. Die Erderwärmung soll nicht mehr als 1,5 Grad betragen. Dieses Ziel war ein Meilenstein und kann als erster Durchbruch einer über eine lange Zeit in sich gefangenen Politik gewertet werden.

Zum Autor

Andreas Lustenberger präsidiert die Alternative – die Grünen des Kantons Zug. Er ist seit 2013 Kantonsrat und ist im Vorstand der Grünen Schweiz. Der 33-Jährige Geograph ist Leiter von youngCaritas Schweiz.

Die Folge-Konferenzen, wie zum Beispiel vergangenen Dezember in Madrid, haben aber auch gezeigt, dass die gemeinsame Umsetzung auf internationaler Ebene hapert. Anstatt auf die eierlegende Wollmilchsau zu warten, muss schnellstmöglich auf nationaler und lokaler Ebene gehandelt werden. Gerade im Bereich der Gebäudepolitik, der Raumplanung und auch der Mobilität können Kantone und Gemeinden einen grossen Einfluss haben.

Kanton Zug verfügt über Potenzial

Im Kanton Zug besteht noch grosser Handlungsbedarf. Damit die ökologische Wende Tatsache wird, haben die Fraktion der Alternative – die Grünen und auch die SP-Fraktion bereits mehrere Vorstösse lanciert. Es liegt nun am Regierungsrat und den bürgerlichen Parteien, für einen effektiven Klimaschutz Hand zu bieten. Die notwendigen finanziellen Mittel sind im Kanton Zug vorhanden. Als Meilenstein erachte ich das Zuger Mobilitätskonzept. Von der Regierung erwarte ich hier innovative und zukunftsorientierte Ideen, wie die Mobilität ökologisch gestaltet werden kann.

Gleichzeitig sind im Kanton Zug mehrere Unternehmen tätig, deren Gewinne immer noch auf fossilen Energien fussen. Die Politik muss deshalb mit einem guten Beispiel vorangehen, komplett auf erneuerbare Energien umsteigen und die Unternehmen motivieren, ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.

17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Als weiterer grosser Meilenstein im Jahrzehnt der Zielvereinbarung werte ich die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030. Die sogenannten SDG (Sustainable Development Goals) sind die Nachfolgeziele der UNO Milleniumgoals und traten am 1. Januar 2016 in Kraft. Ziele wie zum Beispiel die komplette Eliminierung von Hunger und Armut. Aber auch die Stärkung der Bildung, Frieden oder der Schutz unserer Gewässer sind darin enthalten. Der Name Agenda 2030 kommt nicht von ungefähr, sondern beinhaltet das Jahr, bis wann diese Ziele erreicht werden sollen. In den vergangenen vier Jahren wurden zwar teilweise schon erste Schritte eingeleitet, aber damit die Ziele zum Schluss nicht einfach Makulatur bleiben, braucht es noch einen grossen Effort.

Als wohlhabende Schweiz müssen wir wieder verstärkt die Ideen einer solidarischen, friedlichen und freiheitlichen Welt in den Mittelpunkt stellen. Es gibt weltweit sehr viele Konflikte; viele Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Solange noch Waffen produziert werden, dürfen diese nicht in Krisengebiete exportiert werden. Für die Einhaltung der Menschenrechte in rohstoffreichen Ländern wird die Annahme der Konzernverantwortungsinitiative zentral sein. Insbesondere der Kanton Zug mit seinen vielen internationalen Firmen muss hier mehr Verantwortung übernehmen.

Die Schweiz darf sich weiter verbessern

Auch in der Schweiz gibt es noch einige Baustellen auf dem Weg zu einer solidarischen Gesellschaft. Leider gibt es immer noch physische und psychische Gewalt gegen Schwule, Lesben und Personen mit einem anderen Geschlecht. Es ist deshalb wichtig, dass am 9. Februar Homophobie in das Strafgesetzbuch aufgenommen wird. An diesem Tag stimmen wir zudem über die Initiative für mehr bezahlbare Wohnungen ab, gerade für den Kanton Zug eine wichtige Vorlage. Es braucht in den kommenden Jahren wirksame Massnahmen gegen die Armut in der Schweiz.

Für alle Menschen, unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion, braucht es die gleichen Chancen und Möglichkeiten. Deshalb muss auch im Kanton Zug die Gleichstellung stärker gefördert werden. 

Ziele erreicht man gemeinsam

Ich bin überzeugt, dass wir all diese Ziele nur dann erreichen werden, wenn die Zivilgesellschaft, die Politik und die Wirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Eine gesunde Umwelt und eine Gesellschaft, in der es allen gutgeht, bringen uns alle weiter. Ich glaube fest daran, dass wir dies schaffen können. Ich freue mich deshalb aufs kommende Jahrzehnt der konkreten Umsetzung.

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