Bezahlbarer Wohnraum – Grundrecht oder Luxus?
Wohnungsmangel in Zug: Echte Taten fehlen

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Im Kanton Zug gibt es nicht genügend bezahlbaren Wohnraum, findet Anna Spescha. Deshalb sollen 2000 Wohnungen geschaffen werden. (Bild: Andreas Busslinger)

Obwohl es immer wieder heisst, man wolle im mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, herrscht nach wie vor ein Mangel an preisgünstigen Wohnungen. Und dies ist bereits seit den 1970er-Jahren der Fall. Der Kanton tut zu wenig, findet SP-Politikerin Anna Spescha.

In Artikel 41 der Bundesverfassung heisst es: «Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative dafür ein, dass (…) Wohnungssuchende für sich und ihre Familie eine angemessene Wohnung zu tragbaren Bedingungen finden können.» Ein toller Satz, als Sozialziel deklariert. Wer kann ihn nicht unterschreiben?

Wohnungsmangel seit den 1970er-Jahren

Nur, die Wirklichkeit ist eine andere, besonders im . Eine angemessene Wohnung zu zahlbaren Preisen zu bekommen ist für Personen und Familien mit tiefen und mittleren Einkommen eine Illusion. Und das nicht erst seit heute. Der Mangel an preisgünstigen Wohnungen und damit die Verdrängung von Personen mit geringerem Budget begann schon in den 1970er-Jahren.

Die SP der Stadt Zug hat dies 1980 mit der Initiative für 400 städtische Wohnungen erstmals zu einem Thema gemacht, über das abgestimmt werden konnte. Das Resultat war klar. In zwei Abstimmungen (1981 und 1987) wurde die Initiative angenommen. Aber noch heute braucht es besondere Rechenkünste, um zu zeigen, dass es diese 400 städtischen Wohnungen tatsächlich gibt.

Der Kanton Zug tut nichts für bezahlbaren Wohnraum

Immerhin will der Stadtrat auch etwas tun. Im Mai – rechtzeitig im Hinblick auf die Wahlen – hat er angekündigt, in den nächsten Jahren 800 preisgünstige Wohnungen zu schaffen (zentralplus berichtete). Dies genügt nicht. Deshalb sammelt die SP Unterschriften für die Initiative «2000 Wohnungen für den Zuger Mittelstand».

Eigentlich sollte die Umsetzung des Verfassungsauftrags ein Zusammenwirken von Bund, Kantonen und Gemeinden sein. Während einzelne Gemeinden sich doch vereinzelt bemühen, mit lokalen Genossenschaften ein paar zahlbare Wohnungen zu verwirklichen, sind beim Kanton keine ernsthaften Bemühungen in diese Richtung erkennbar. Die Umsetzung der Vorgabe des Bundes bei der Abschöpfung von Mehrwerten beim Bauland erfolgte auf die minimalste mögliche Art und Weise. Auch hier ist die SP dran, mittels der Mehrwert-Initiative eine Korrektur zu schaffen.

Es ist offensichtlich: Die grosse bürgerliche Mehrheit in Zug ist nicht wirklich daran interessiert, am Mangel an preisgünstigen Wohnungen etwas zu ändern. Zwar gibt es viele Lippenbekenntnisse, echte Taten fehlen jedoch.

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6 Kommentare
  1. Albus, 25.08.2022, 19:57 Uhr

    In die Höhe, fertig, los!

    Ohne mehr Wohnungen zu bauen wird es halt zu wenig Wohnungen geben.

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    1. Esther Ambuehl, 26.08.2022, 17:35 Uhr

      Verdichtet bauen heisst nicht zwingend Hochhäuser zu bauen, Mit Hochhäusern ist es auch sehr schwierig preisgünstig zu bauen (zusätzliche Erschliessung, Erdbebensicherheit etc.). Bauliche Verdichtung darf nur mit verbindlichen Qualitätsvorgaben und Anteil von wirklich preisgünstigen Wohnungen erfolgen.

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      1. Albus, 26.08.2022, 20:23 Uhr

        Ja Genau wegen solchen Forderungen hat niemand Lust zu bauen, ergo hat es zu wenig Wohnungen.

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    2. Esther Ambuehl, 26.08.2022, 17:36 Uhr

      Verdichtet bauen heisst nicht Hochhäuser zu bauen, Mit Hochhäusern ist es auch sehr schwierig preisgünstig zu bauen (zusätzliche Erschliessung, Erdbebensicherheit etc.). Bauliche Verdichtung darf nur mit verbindlichen Qualitätsvorgaben und Anteil von wirklich preisgünstigen Wohnungen erfolgen.

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  2. David Meyer, 25.08.2022, 19:13 Uhr

    Gut gebrüllt Löwe. Nur war die Autorin des Artikels eine kurze Zeit im GGR der Stadt Zug, bevor sie in den Kantonsrat nachrutschte und während der Legislatur auch dort austrat. Sie war in zwei Räten wo sie sich für das Anliegen des bezahlbaren Wohnraums ernsthaft hätte einsetzen können. Doch im politischen Tagesgeschäft sperrt sich die SP gegen jedes Projekt, das mehr Wohnraum erstellen würde: gegen das höher bauen (Hochhausreglement), gegen das Neubauen in der Bauzone (Unterfeld) oder gegen verdichtetes Bauen (Güterbahnhof) und gegen das Instandstellen von gealtertem Wohnraum (St. Johannesstrasse). Man wartet gespannt auf praktikable Lösungsvorschläge der SP.

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    1. Andrej Markovic, 27.08.2022, 14:15 Uhr

      Die gesuchten praktikablen Vorschläge der SP finden Sie in Anna Speschas Blogbeitrag: Wir haben zwei Initiativen lanciert. Weshalb? Weil das Bevölkerungswachstum weiterhin gross ist, bezahlbare Wohnungen weiterhin Mangelware sind und die Absicht, Planungsgewinne angemessen abzuschöpfen, weiterhin gering ausgeprägt ist. Ein echter Richtungswechsel muss her.

      Wenig zielführend erscheint es hingegen, von diesem Richtungswechsel abzusehen und stattdessen, und wie von Ihnen nahegelegt, der grundbesitzerfreundlichen Entkernung eines massvollen Entwurfs des Stadtrats zuzustimmen («Hochhausreglement») oder ausgeprägte Zweifel an der Plausibilität des Versprochenen in den Wind zu schlagen («Unterfeld»). Gegen die gelungene Verdichtung spricht sich die SP nicht aus, regelt unsere Initiative doch den Umgang mit den städtischen Verdichtungsgebieten. Und zur Kündigung jahrzehntealter Mietverhältnisse nachzufragen, ist angezeigt angesichts der Zahl der direkt Betroffenen, des besorgten Interesses vieler Zuger:innen und der generellen Herausforderung einer sozialverträglichen Sanierung des in Wachstumsjahren Erbauten.

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