Wo bleibt der Spielerschutz in Schweizer Casinos?
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Nein zum GSG, nein zur Netzzensur. (Bild: Pixabay)

Lügen haben kurze Beine Wo bleibt der Spielerschutz in Schweizer Casinos?

4 min Lesezeit 18.06.2020, 11:00 Uhr

Offensive Werbeanzeigen für Schweizer Casinos schiessen seit einigen Monaten wie Pilze aus dem Boden. Was das mit dem Geldspielgesetz (GSG) und mit Spielerschutz zu tun hat und was nicht.

Mit welchen Begriffen assoziiert man «Geldspiel»? Verlockung, Abhängigkeit, Abzocke, Casinolobby und Sucht. Alles Negative auf einem Haufen. Wieso also soll ein Gesetz, das Geldspiel regeln soll, schlechte Absichten verfolgen? Auf solche Fragen traf ich ununterbrochen auf der Strasse, beim Sammeln der Unterschriften für das Referendum gegen das GSG 2018.

Ich erklärte immer wieder die Gefahren des Internets, dass das Gesetz eine Netzsperre einführen möchte und weder den versprochenen Schutz bietet noch das eigentliche Hauptanliegen der Schweizer Casinolobby darstellt. Ich traf auf viele junge Stimmen, die mich sofort unterstützten und das Anliegen ohne Wenn und Aber unterschrieben.

Doch bei unserer älteren Garde musste ich viel Unwissenheit feststellen. Sie waren sich oftmals nicht bewusst, wie einfach Online-Sperren umgangen werden können.

Jung gegen Alt

Online-Geldspiele gibt’s bereits sehr lange auf dem Markt. Jeder, der sich ab und zu im Internet bewegt, ist schon mal auf eine entsprechende Werbeanzeige getroffen. Die Schweizer Casinos haben den Startschuss aber verpasst, den Start in die Online-Spielewelt. Aus allen Ländern der Welt wurden Geldspiele online angeboten, in der Schweiz existierte dies aber nicht.

Deshalb besuchten im Laufe der Jahre immer weniger die Schweizer Casinos. Statt durch Wettbewerb und aufgrund des Drucks, ebenfalls eigenständig online durchzustarten, versuchte die Casinolobby die Konkurrenz auszuschalten. Deshalb kam das Geldspielgesetz vors Parlament und wurde von diesem angenommen. Dies auf der Basis für mich unbegreiflicher Argumente.

Wir Jungen liessen dies nicht auf uns sitzen und starteten ein nationales Referendum. Die Jungfreisinnigen Luzern starteten die Kampagne in Luzern gemeinsam mit JUSO, JGLP, JSVP und den Jungen Grünen. Die Jungen von links bis rechts wollten dadurch ihren Altparteien die wahren Probleme auf den Tisch legen.

Unbedachte Argumente

Das Hauptargument für das GSG war der Spielerschutz. Die Schweiz hätte direkte Möglichkeiten, den Süchtigen Hilfe zu bieten und faire Bedingungen zu schaffen. Ausserdem würden so auch die Steuereinnahmen nicht ins Ausland abfliessen. Eine Netzsperre für ausländische Anbieter sollte dies bewirken.

Alles für die Spieler, den Suchtschutz und die Steuereinnahmen. Wer eins und eins zusammenzählt, wird das von uns angesprochene Problem sofort erkennen: das Internet. Eine vom Bund veranlasste Online-Sperre kann auf sehr simple Art von jedem Benutzer umgangen werden. Das Gesetz erreicht somit das angestrebte Ziel nicht.

Die grossen Geldspielanbieter aus dem Ausland wollten einen Deal eingehen. Sie wären bereit gewesen, sich an die Schweizer Auflagen und Abgaben zu halten. Stattdessen wollte die Schweizer Casino-Lobby ihre Konkurrenz ausschalten, auf eine Art, die unbedachter nicht sein kann.

Eine solch durchlässige Barriere kann ganz einfach umgangen werden, mit wenigen Klicks. 

Doch mit der akzeptierten Begründung des Spielerschutzes gelang es ihnen, die Mehrheit zu überzeugen und die Volksabstimmung zu gewinnen.

Wo bleibt der versprochene Schutz?

Wie erwartet starteten die Schweizer Casinos mit Vollgas in ihre Online-Werbeschlacht. Überall, im Bus, in Online-Anzeigen, Werbevideos und auch mit Plakaten im öffentlichen Raum wird auf das neue Angebot aufmerksam gemacht.

Einen Schutz sehe ich nicht. Hingegen, dass meine drei minderjährigen Geschwister mit SwissCasino-Werbung auf jeglichen Social-Media-Kanälen konfrontiert werden. Auf die super Angebote und die vielen Möglichkeiten, schnell an Geld zukommen. Wie ich auch in der NZZ von erfahrenen professionellen Spielern gelesen habe, ist der Spielerschutz nicht sichtbar. Obwohl die Pflicht bestünde, durch das Spielerbankengesetz Süchtige zu sperren, passiert in dieser Hinsicht nichts.

Die Wut in mir kann ich gar nicht beschreiben. Ich nenne es eine Lüge. Versprechen, die nicht gehalten werden. Wo ist der genannte Schutz? Ob nun ein ausländischer Anbieter sein Angebot präsentiert und sich an die Bundesauflagen hält, Abgaben leistet und den Schutz gewährleistet oder eine Schweizer Lobby – wo ist hier der Unterschied?

Ich möchte damit sagen, alle Spieler, die ich kenne, nutzen diese Provokation sehr gerne, um die Netzsperren zu umgehen und SwissCasino aufzuzeigen, wie einfach es ist. Mit wenigen Klicks.

Staatliches Monopol mit Privilegien

Das ist wohl noch nicht genug. Auch in der jetzigen Coronazeit wird die Situation von den Schweizer Casinos gerne ausgenutzt. Während alle Gastrobetriebe mit den strikten Sperrstunden um Mitternacht kämpfen müssen, geniessen die Casinos ihre «Extrawurst»: Sie dürfen den Betrieb mit Getränken und Snacks bis drei, vier oder auch sieben Uhr morgens weiterführen.

Ich nenne das Ganze gerne fraglich bzw. nicht begründbar, genau wie das GSG.

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