Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wie man junge Wähler fördert – und wie man sie abschreckt
  • Blog
  • PolitBlog
Junge Wähler partizipieren zu selten an Wahlen. (Bild: Pixabay)

So werden Wahlen und Abstimmungen populärer Wie man junge Wähler fördert – und wie man sie abschreckt

4 min Lesezeit 2 Kommentare 28.11.2019, 11:07 Uhr

Junge Wählerinnen und Wähler gehen häufig nicht an die Urne, trotz der Klimadebatte. Die Ursachen reichen von Politikverdrossenheit bis zu grosser Zufriedenheit mit dem Staat. Welchen Mix braucht es also, um die Jugend von heute zu erreichen – und was schreckt sie eher ab?

Die kantonalen und nationalen Wahlen sind Geschichte, die kommunalen folgen noch. In diesem Jahr geballten Wahlkampfes, in dem immer wieder von Frauenwahl und «Helvetia ruft» die Rede war, drehte sich die Diskussion auch oft um die Beteiligung der «Klimajugend». Doch kann im Zusammenhang mit den kürzlich erfolgten Neubesetzungen von Parlamenten auch von einem «Jugendwahljahr» gesprochen werden?

Diese Frage zu beantworten bleibt vorerst noch schwierig, da entsprechende Auswertungen dazu so kurz nach dem nationalen Wahltermin noch fehlen (kantonal existieren ebenfalls keine Analysen). Angesichts der allgemein rückläufigen Wahlbeteiligung und der generellen Entwicklung der letzten Jahre bleibt eine explosionsartige Zunahme der Beteiligung wohl aber auch dieses Jahr ein Wunschtraum.

Unterstütze Zentralplus

Gemäss der Schweizer Wahlstudie Selects lag die Wahlbeteiligung auf nationaler Ebene 2015 unter den 18- bis 24-Jährigen bei 3 Prozent und damit tiefer als jene aller anderen Altersgruppen, heisst es in einem Artikel des Dachverbandes Schweizer Jugendparlamente).

Die Frage, wie man denn «die Jungen» bei Wahlen und Abstimmungen an die Urne bringt, bleibt also auch im Jahr des Klimastreiks aktuell. Doch was könnten dafür geeignete Massnahmen sein?

Wie man Jugendpartizipation fördern kann …

Befragt man Menschen allen Alters, die nicht regelmässig an Wahlen oder Abstimmungen teilnehmen, nach ihren Gründen, nennen viele die zu hohe Komplexität der diskutierten Sachverhalte. Gerade für Jugendliche existieren beispielsweise mit Easyvote Angebote, die diese Komplexität zu reduzieren versuchen und aktuelle Themen ver- ständlich erklären.

Ende letzten Jahres hat der Luzerner Kantonsrat einen Vorstoss für erheblich erklärt, wonach in Zukunft alle 18- bis 20-Jährigen Stimmbürgerinnen und -bürger des Kantons Easyvote-Broschüren kostenfrei erhalten. Damit wäre ein erster kleiner Schritt getan.

Zweitens sollte langfristig das Verstehen der komplexen Themen das Ziel sein. Hier kommt politische Bildung ins Spiel, die sich in Schweizer Schulen noch immer nur auf Nebenschauplätzen stattfindet. Aktuell ist im Kantonsrat ein Vorstoss hängig, der die Einführung eines Schulfachs für Politische Bildung im ganzen Kanton prüfen möchte.

Diese Massnahme wäre selbstverständlich nicht gratis, aber sie würde diesem Bildungsthema endlich den notwendigen Stellenwert einräumen.

Stimmrechtsalter 16?

Damit das in der Schule erlernte Wissen über Politik auch noch während der Ausbildungszeit in der Praxis angewendet werden kann, sollte drittens eine Senkung des (kantonalen) Stimmrechtsalters auf 16 Jahre geprüft werden (eine Einzelinitiative dazu ist aktuell ebenfalls im Kantonsrat in Diskussion).

Wie das Beispiel Österreich zeigt, kann damit die langfristige Partizipation von jungen Menschen erhöht werden, weil sie früher und mit pädagogischer Unterstützung in den politischen Prozess eingebunden werden.

Zum Autor

Der 19-jährige Jonas Ineichen präsidiert seit diesem Frühjahr die Juso Luzern. Der Student der Politikwissenschaften aus Emmenbrücke ist ausserdem Co-Präsident des Jugendparlamentes des Kantons Luzern.

Im Gegensatz zu älteren Menschen mangelt es viertens vielen jungen an Netzwerken und Plattformen, über die sie ihre Meinung präsentieren, festigen und ihre Interessen vertreten können. Jungparteien und parteiunabhängige Projekte wie Kinder- und Jugendparlamente helfen dabei, solche Plattformen zur Verfügung zu stellen.

Auch im Kanton Luzern existieren solche Angebote. Hier kann sich also eine gezielte Förderung durch die Allgemeinheit lohnen.

… und wie es wohl eher nicht funktioniert

Ein oft genanntes Allheilmittel soll erstens E-Voting sein. Man argumentiert damit, dass die jungen Generationen sehr digitalaffin seien und das digitale Wählen und Abstimmen wohl vermehrt nutzen würden. Eine Studie in Estland, wo seit 2005 ein landesweites E- Voting-System genutzt wird, konnte jedoch entgegen den Erwartungen bei keiner Altersgruppe eine erhöhte Beteiligung feststellen.

Menschen, die hier aufgewachsen sind, die Sprache beherrschen und Interesse zeigen, auszuschliessen oder lange warten zu lassen, weil sie den falschen Pass haben, ist ebenfalls keine gute Idee, um die langfristige Teilhabe an der Demokratie zu erhöhen.

Auch schlecht durchdachte Netz- und Social-Media-Kampagnen von etablierten Parteien kommen bei einer jüngeren Zielgruppe kaum an, wie ein Fall der CSU in Deutschland zeigt. Wer auf Teufel komm raus jung wirken möchte, erreicht meist nicht viel mehr als Spott und Hohn.

Und zu guter Letzt sollte man alternative Partizipationsformen wie Streiks und Demonstrationen nicht von Anfang an verunglimpfen, sondern den geäusserten Anliegen gegenüber offen sein und den Menschen zuhören.

Sonst zwingt man grosse Teile potenziell interessierter Gruppen zu extremeren und illegalen Handlungen, anstatt sie in die demokratische Diskussion einzubinden. Und das wollen wohl die wenigsten.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Kaufmann, 28.11.2019, 15:47 Uhr

    Die Jugendlichen wachsen schrittweise in die Erwachsenenwelt. Bei unseren Grosskindern haben andere Themen wie Schule, Sport, Musik oder Pfadi Priorität. Das ist gut so!

  2. Scherer Heidi, 28.11.2019, 13:00 Uhr

    Teilnahme an der Kantonalen Jugendsession Luzern ist auch hilfreich für die politische Sensibilisierung der Jugendlichen.