Noch nie war die Lage so ernst Was, wenn in Zug die Lichter ausgehen?

07.10.2021, 10:58 Uhr 4 min Lesezeit
Was, wenn in Zug die Lichter ausgehen?
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Der Kanton Zug importiert 95 Prozent seines Stroms.

Nein, dies ist leider keine Schwarzmalerei. Stromausfälle werden zur Tagesordnung gehören, wenn wir die drohende Lage nicht ernst nehmen. Der Bundesrat selbst hat vor kurzem das Risiko einer Strommangellage als «grösstes Risiko» eingestuft und hat bereits zu Massnahmen aufgerufen. Doch das genügt nicht.

Lokale Stromunterbrüche oder regionale Blackouts haben eines gemeinsam: Es sind keine schweren Strommangellagen. Darum geht es auch nicht in diesem Artikel – kurzfristige Stromunterbrüche sind gut aushaltbar für unsere Gesellschaft und Wirtschaft, sofern sie nicht allzu oft vorkommen.

Eine Strommangellage bedeutet ein Ungleichgewicht von Stromangebot und Stromnachfrage über einen längeren Zeitraum. Die entstehende Angebotsverknappung kann von den Energieversorgungsunternehmen auf Basis der regulären Marktmechanismen nicht mehr verhindert werden. Solche Phasen können Wochen oder gar Monate dauern.

Der Kanton Zug importiert 95 Prozent seines Stroms

Im Winter produziert die Schweiz jetzt schon zu wenig Strom und ist auf Importstrom angewiesen. Der Kanton Zug bezieht seinen Strom zu 95 Prozent von ausserkantonalen Werken. Er ist also komplett abhängig von anderen Kantonen. Eine Strommangellage könnte zum Beispiel dann eintreten, wenn wir im Winter zu wenig Strom von unseren Nachbarn importieren könnten.

Bei einer Strommangellage handelt es sich um eine «schwere Mangellage» nach Art. 102 der Bundesverfassung, in welcher der Bund für die Vorbereitung und Durchführung von Massnahmen zur Sicherstellung der Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern wie Strom zuständig ist. So hat die Ostral (Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen) alle Grossunternehmen dazu aufgerufen, sich auf mögliche Strommangellagen vorzubereiten. Sie sollten sich überlegen beziehungsweise einen Plan ausarbeiten, was Sie tun können, um eine Stromkontingentierung gut zu überstehen.

Erneute Shutdowns dank Kontingentierung des Stroms?

Die durch die Ostral eingerichtete wirtschaftliche Landesversorgung hat das Ziel, die Gesellschaft in Mangellagen mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Dies geschieht in Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Bund, Kantonen und Gemeinden. So soll die Versorgung von Lebens- und Heilmitteln oder Dienstleistungen im Bereich der Kommunikationstechnologien oder der Logistik aufrechterhalten werden. Die restlichen Bereiche sollten in Strommangellagen keinen Strom beziehen dürfen und können. Anders und sehr kurz gesagt: Der Strom würde stark kontingentiert – ein Shutdown würde angeordnet.

Solche Situationen gilt es zu verhindern. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die Energiestrategie «Energieperspektiven 2050+» publiziert. Darin ist zu sehen, dass lediglich ein «Energiejahressaldo» von 0 erzielt werden sollte, langfristig. Dies bedeutet, dass unser Land im Sommer zu viel Strom produziert und diesen exportiert, aber im Winter weiterhin auf Stromimporte angewiesen ist.

Mögliche Stromlücken bedrohen die Klimaziele!

Zum Autor

Cédric Schmid (Jahrgang 1980) wurde am 5. Mai 2021 zum Präsidenten der FDP Kanton Zug gewählt, nachdem er zwei Jahre die Stadtpartei angeführt hatte. Beruflich führt er sein eigenes Treuhandunternehmen.

Gerade die Bewohner des Kantons Zug treiben die Dekarbonisierung massiv voran. Etliche Innovationen werden hier entwickelt oder weiterentwickelt und ebenso ist der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge bei Neuzulassungen nirgends in der Schweiz so hoch wie im Kanton Zug. Das Bild sieht im Gebäudebereich sehr ähnlich aus – gerade unser berühmter Circulago wird in der Zukunft grosse Teile der Stadt Zug mit Wärme oder Kälte versorgen.

Wenn wir diese wichtige Dekarbonisierung nicht unterbrechen und zudem die Klimaziele erreichen wollen, uns aber gleichzeitig auch der Atomausstieg gelingen soll, dann müssen wir alles daran setzen, eine lastgerechte, souveräne Stromproduktion aufzubauen.

Stromabkommen mit der EU ist in die Ferne gerückt

Mit dem institutionellen Rahmenabkommen wäre ein Stromabkommen mit der EU in naher Zukunft möglich gewesen. Dies hätte auch den Zugang zum Strommarkt als Partner auf Augenhöhe ermöglicht und die EU hätte uns selbst in einer Mangellage nicht «isoliert». Der guten Ordnung halber sei auch erwähnt, dass die EU selbst daran ist, massiv zu investieren, genügend Stromerzeugungskapazität aufzubauen, damit sie nicht in eine schwierige Lage gerät – also ganz zu schweigen vom «Wintermanko» der Schweiz.

Natürlich klingt es polemisch, davon zu sprechen, dass die Lichter in Zug ausgehen könnten: Aber die Lage war seit der Elektrifizierung noch nie so ernst. Wir sind gut beraten, eine komplett lastgerechte, souveräne Stromversorgung einzurichten. Aus diesem Grund hat die Zuger FDP eine nationale Initiative «JA zur sicheren Stromversorgung» lanciert, die fordert, dass die Schweiz bis 2050 ihre Elektrizitätsversorgung eigenständig sicherstellen kann.

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