Anna Bieri
Was Mathematik und Politik gemeinsam haben

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«Wir sollten nicht vergessen, dass es auch unsere Aufgabe ist, die Begeisterung und Neugierde bei den jungen Menschen zu wecken.» (Bild: mir)

Noch immer ist die Meinung verbreitet, dass sich Junge zu wenig für Politik interessieren. CVP-Kantonsrätin und «Alt-Politikerin» Anna Bieri macht einen Erklärungsversuch. Und fordert von den Jungen mehr Interesse – ihnen dafür aber auch etwas zu geben.

In diesen Tagen schliessen meine beiden Maturaklassen ihre Ausbildung an der Kanti Zug ab. In nüchterner Ehrlichkeit muss ich mir gestehen, dass wohl viele nie mehr die ganze Klaviatur an mathematischen Tasten brauchen werden, die sie bei mir möglichst harmonisch zu spielen lernten. Ich hoffe jedoch sehr, dass ausnahmslos alle meine Schülerinnen und Schüler die Schönheit der Mathematik spüren konnten.

Natürlich löste meine Begeisterung für eine «hübsche» Formel oder einen «eleganten» Rechenweg bei der Klasse ein – so hoffe ich – wohlwollendes Schmunzeln aus. Doch ich bin sicher, dass meine Freude sie ansprechen konnte.

Leidenschaft Politik

Eine zweite Leidenschaft von mir ist die Politik. Politik und Mathematik erfreuen sich beide nicht einer Apriori-Beliebtheit. Albert Einstein hatte dabei klare Präferenzen: «Gleichungen sind wichtiger für mich, weil die Politik für die Gegenwart ist, aber eine Gleichung etwas für die Ewigkeit.»

Bei all meiner Begeisterung für Gleichungen kann ich Einstein und auch mangelndes Politinteresse nicht verstehen. Gerade junge Menschen sollten doch an der Gegenwart ein enormes Interesse haben. Das tun sie auch!

Ich meine, mit der Politik verhält es sich ähnlich wie mit der Mathematik. Das Spiel auf der mathematischen wie auch auf der politischen Klaviatur ist nicht ganz einfach. Um die ersten trockenen Lektionen zu meistern, braucht es Unterstützung und insbesondere braucht man ein Klavier.

«Holen wir das Potenzial der jungen Persönlichkeiten ab, deren Zukunft von den meisten politischen Entscheiden mehr tangiert werden wird als unsere Gegenwart.»

Ja zu Jugend und Politik

In der vergangenen Kantonsratssitzung unterstützte der Zuger Kantonsrat zu meinem grossen Erstaunen zwei Vorstösse von Thomas Lötscher und meiner JCVP-Kollegin Laura Dittli, welche Jugendpartizipation in der Politik fördern wollen. Es geht dabei weniger um die konkreten Forderungen der beiden als vielmehr um das politische Statement «Ja zu Jugend und Politik». Der Zuger Kantonsrat formulierte damit ein Bekenntnis zur Bedeutung, welche junge Menschen für die Politik haben.

In den letzten Tagen sorgte die Denkfabrik «Avenir Suisse» mit der Forderung eines «Kinderstimmrechts» für Schlagzeilen und bei mir für Schmunzeln. So weit müssen wir nicht gehen. Holen wir doch erstmal das Potenzial der jungen, gereiften Persönlichkeiten ab, deren Zukunft von den meisten politischen Entscheiden mehr tangiert werden wird als unsere Gegenwart. «Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben», erneut von Albert Einstein, sollte hier wegweisend sein.

«Mein Credo wäre: Wir verlangen Interesse von Jungen, zeigen aber auch Interesse an ihnen.»

Potenzial ausschöpfen

In den heutigen Sparzeiten sind kostenintensive Massnahmen, Junge für Politik zu interessieren, bereits dem Tode geweiht. Doch gerade in diesen Zeiten ist die Mitgestaltung der jungen Generation zwingend. Umso wichtiger ist es, dass sich die Politik kreativ zeigt, mit unterschwelligen, kostengünstigen Massnahmen, dieses Potenzial auszuschöpfen.

Wir können nicht nur zuwarten und verlangen, die Jungen sollen sich gefälligst etwas interessierter zeigen. So würde sich auch kaum eine meiner Schülerinnen oder Schüler für Mathematik begeistern. Da unsere Seite der Politik auch ein Interesse an den jungen Mensch hat oder haben muss, sollten wir ihnen die Möglichkeit zu einem erleichterten Zugang bauen. Mein Credo wäre: Wir verlangen Interesse von ihnen, zeigen aber auch Interesse an ihnen.

Begeisterung und Neugierde wecken

«Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig» – logisch von Einstein. Dass dies bereits ausreicht, sollte die erste Erfahrung sein, die ein junger Mensch in seinem politischen Werdegang macht.

So wortgewaltig und erfahren wir «Alt-Politiker» manchmal auftreten, sollten wir nicht vergessen, dass es auch unsere Aufgabe ist, diese Ehrlichkeit wie in Einsteins Zitat zu leben und die Begeisterung und Neugierde bei den jungen Menschen zu wecken.

In jungen Menschen einen Funken für ihre Gegenwart und Zukunft zu entzünden, kann nicht viel schwieriger sein, als sie von der Schönheit einer Gleichung zu überzeugen.

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