Was Luzern gegen den drohenden Strommangel tun kann
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Die Energiestrategie 2050 basiert stark auf Solar- und Windenergie. (Bild: zvg)

Alternativen nach Ausstieg aus der Atomenergie Was Luzern gegen den drohenden Strommangel tun kann

4 min Lesezeit 3 Kommentare 06.08.2020, 10:56 Uhr

Rund drei Jahre ist es her, seit der Atomausstieg beschlossen wurde. Bis jetzt wurde noch wenig in die Produktion der Netze und Speicher investiert. Der Kanton Luzern soll daher mehr den Ausbau der Produktion und der Stromspeicherung vorantreiben. Politblogger Ramon Bisang setzt auf das Windenergieprojekt in Rickenbach sowie die Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, aber auch auf eine umstrittene Technologie.

2017 beschloss die Schweizer Bevölkerung mit der Energiestrategie 2050 (ES 2050) den Atomstromausstieg. Atomstrom liefert konstant die Bandenergie unseres bisherigen Energiemixes. Zuweilen wurden als Ersatz Gaskombikraftwerke diskutiert. Doch mit der Klimabewegung ist auch dies vom Tisch. Wenn wir die Versorgungssicherheit wahren wollen, müssen wir rasch handeln.

Problem Versorgungssicherheit

Versorgungssicherheit bedeutet, dass in über 99 Prozent der Zeit Strom fliesst. Diese Verlässlichkeit ermöglicht der Wirtschaft, ihre Ressourcen effizient einzusetzen. Doch auch wir Privaten profitieren, indem wir ohne nachzudenken unsere elektronischen Geräte benutzen können.

Eine Strommangellage ist gemäss BABS (Bundesamt für Bevölkerungsschutz) eines der teuersten (gemessen am potenziellen Schaden) und wahrscheinlichsten Gefährdungsszenarien für die Schweiz. Die wirtschaftlichen Schäden und die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios werden höher eingeschätzt, als bei einer Pandemie.

Eine stabile Produktion, wie sie in den Laufwasserkraftwerken in den Flüssen und in den Atomkraftwerken zu finden ist, trägt zur Versorgungssicherheit bei. Die Versorgung durch Fotovoltaik und Wind schwankt dazu im Vergleich sehr stark.

Wir benötigen zusätzliche Speicherkapazität

Um trotzdem eine stabile Energieversorgung herzustellen, setzen andere Staaten auf Gaskombikraftwerke, welche innert Kürze aktiviert werden können. In Anbetracht des Klimawandels ist dies eine suboptimale Lösung. Der Nachteil ist, dass andere Speichermittel im Vergleich zum jetzigen System sehr ineffizient sind. So könnte man zwar mehr Pumpspeicherkraftwerke bauen, doch diese werden wiederum oft von Umweltverbänden bekämpft.

Andere Technologien wie Wasserstoff haben (momentan) einen sehr tiefen Wirkungsgrad. Da die ES 2050 stark auf Solar- und Windenergie basiert, muss zusätzliche Speicherkapazität gebaut werden, um den zeitlichen Unterschied zwischen Angebot und Bedarf zu decken, was wiederum den Preis erhöht.

Die letzte Alternative wäre die stärkere Anbindung ans internationale Stromnetz. Da jedoch Österreich und Italien Nettoimporteure sind, Frankreich mit Atomstrom produziert und Deutschland ungefähr 60 Prozent seiner Stromproduktion ersetzen muss, fallen diverse mögliche Länder weg.

Lösungsideen für den Kanton Luzern

Obwohl ich damals Gegner der ES 2050 war, plädiere ich als überzeugter Direktdemokrat für die klare Umsetzung dieses Gesetzes. Dies wird leider den Strompreis erhöhen, was unsere Industrie negativ beeinflussen wird. Der Staat hat aber noch Spielraum, welcher dringend genutzt werden muss, um die negativen Folgen zu vermeiden.

Stromproduktion ist in der Schweiz wegen der Versorgungssicherheit stark staatlich beeinflusst. Um die Versorgungssicherheit in der Schweiz zu stärken, können der Kanton und die Gemeinden Luzerns weniger Abgaben verlangen und mit ihren eigenen Stromwerken einen höheren Beitrag leisten.

Zur Person

Ramon Bisang ist Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Luzern. Der Luzerner arbeitet zurzeit an seinem Masterabschluss in Buchhaltung und Finanzen an der Universität St. Gallen.

Zuallererst muss die Stromproduktion stark erhöht werden. Projekte wie die Windenergie in Rickenbach müssen gefördert werden, indem bürokratische Hürden möglichst tief gehalten werden und die Gemeinden proaktiv mitarbeiten. Bezüglich Photovoltaik sollten die Gebäude der öffentlichen Hand stärker auch zur Produktion genutzt werden.

Dabei könnten Dachflächen zu einem Tiefzins vermietet werden. Die vielen Flachdächer könnten so noch effizienter genutzt werden. Ein tiefer Mietzins würde die finanzielle Attraktivität solch einer Investition verbessern.

Der Kanton Waadt als Pionier in der Geothermie

Schliesslich soll aber neben dem volatilen Strom von Fotovoltaik und Wind, auch die Geothermie ausgebaut werden, da sie eine bessere Grundlage für Bandstrom liefern kann. Die Waadt agiert hier als Pionier und plant in niedrigen Tiefen, Tests für die Produktion zuzulassen.

Dabei sollen Erdbeben, wie in Basel und St. Gallen, vermieden werden. Der Kanton Luzern sollte dies proaktiv mit einer ähnlichen gesetzlichen Anpassung unterstützen und als Möglichkeit den Stromkonzernen anbieten.

Mehr Investitionen in Produktion, Netz und Speicher

Gerade um grössere finanzielle Mittel für den Produktionsausbau und den Bau von Speichern zu ermöglichen, sollte der Kanton und die Stadt Luzern Dividendenverzichte ihrer Kraftwerke in Betracht ziehen. Zeitgleich sollten sie ihre Aufsicht als Aktionäre wahrnehmen und verhindern, dass die Betriebe den Ausbau der erneuerbaren Energien, so wie die BKW, zu Teilen im Ausland vollziehen.

Als Liberaler sehe ich insofern privatrechtliche Unternehmen in der Pflicht, den Ausbau von Produktion und Speicher voranzutreiben. Der Kanton und die Gemeinden sollen den Anreiz für mehr Investitionen durch attraktive Rahmenbedingungen schaffen.

Die Versorgungssicherheit ist langfristig nicht gewährleistet. Es braucht mehr Investitionen in Produktion, Netz und Speicher. Der Kanton und die Gemeinden sollen ihr Potenzial als aktive Aktionäre nutzen und der Bevölkerung ein attraktives Umfeld für Investitionen in die Stromproduktion liefern.

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3 Kommentare
  1. Kaufmann, 08.08.2020, 17:38 Uhr

    „Geissen“-Peter ist allenfalls entschuldigt.
    Auf der Alp gibt es Info-Lücken.

  2. Andreas Peter, 06.08.2020, 12:15 Uhr

    Ja, oder jetzt wo die „Schweizer Bevölkerung“ so langsam aus den linksgrünen Träumli erwacht, könnte man einfach auch den AKW Ausstieg nochmals überdenken und dort in „state-of-the-art“ Technologie investieren, statt neuen Unsinn anzuzetteln.

    1. lulu, 06.08.2020, 15:42 Uhr

      … und weiterhin dreck (atomaren abfall) produzieren, der auch in hunderttausenden von jahren noch strahlt und unsere nachkommen belastet. dies ist kein „grünes träumli“, sondern ein albtraum für jeden, der sich in der sache etwas auskennt….

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