Philipp Federer zur Einkaufs-Mall in Ebikon
Wahnsinniges Bauvorhaben

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Benötigen wir wirklich eine weitere Einkaufs-Mall in der Region Luzern? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wofür brauchen wir eine weitere Einkaufs-Mall in der Region Luzern? Dies fragt sich der ehemalige parteilose Grossstadtrat, Philipp Federer. Seiner Meinung nach ist das zweitgrösste Einkaufszenter der Schweiz, welches in Ebikon realisiert werden soll, Grössenwahnsinn pur.

… und fast alle klatschen, Politiker lavieren und die Medien schweigen oder zelebrieren den Wachstumsfortschritt. Das Klatschen wird ihnen vergehen, wenn das zweitgrösste Einkaufszenter der Schweiz in Ebikon einmal stehen wird. Die Mall of Switzerland, das Nachfolgeprojekt von Ebisquare, ist Grössenwahnsinn pur.

Grenzen des Wachstums, ein wissenschaftlich anerkanntes Diskussionsthema, wird in den Zentralschweiz mehr als verdrängt. Wer meint, die Gesellschaft und die Politiker reagieren rational, irrt sich.

Raumplanerisch ein Unding

Die Mall of Switzerland ist als zweitgrösstes Einkaufszentrum nach dem «Shoppi Tivoli» in Spreitenbach aufgegleist. In der Schweiz besteht ein Überangebot an grossen Einkaufszentren. Der neu erstellte Pilatusmarkt kämpft mit der Auslastung und der Rentabillität. Ein noch grösseres Zentrum für die begrenzte Innerschweiz, widerspricht sowohl ökonomischen als auch raumplanerischen Gesetzen. Die hehren Grundsätze einer nachhaltigen Raumplanung sind nur für geduldiges Papier. Die Politiker setzen sie nie und nimmer um. Cash und nochmals cash und zur Beruhigung der Bevölkerung ein paar Ablenkungsfloskeln der Raumplanung. Jede sinnvolle Verkehrsplanung wird mit diesen verkehrsfördernden Projekten ad absurdum geführt.

Auf Kosten der Steuerzahler

Der Kanton baute die Infrastruktur für Schindlers listigen Einkaufstempel, respektive zukünftig für den Staatsfonds der Scheichs. Der errechnete Mehrverkehr von bis 19’000 Fahrten täglich benötigte diese Vorinvestition Rontalzubringer. Das kleine Strassenbauprojekt kostete den Kanton vorerst 100 Millionen. Die flankierenden Massnahmen weitere 22-97 Millionen. Der Bund zahlte zusätzlich Steuergelder für Anpassungen am Autobahnanschluss. Die Abrechnung des Rontalzubringers war ein Skandal. Die Kosten liefen aus dem Ruder und waren mehrmals Gegenstand von Diskussionen im Kantonsparlament. Als Investor würde ich mir die Hände reiben. Die nötige Infrastruktur bezahlt die Allgemeinheit.

Kannibalisierung

Die Mega-Mall kann eigentlich nicht rentieren infolge des Überangebotes. Ausser, und das ist worauf die Investoren gemäss ihrer Wirtschaftslehre setzen, sie verdrängen andere Player. Der Pilatusmarkt und das Shoppingcenter Emmen werden dies massiv zu spüren bekommen.
Ein Multiplex-Kino mit 12 Sälen ist in Zeiten sinkender Kinobesuche eine Fehlplanung oder die kalkulierte Kannibalisierung der Konkurrenz. Für die städtischen Kinos und den Kinokomplex in Emmen wird dies Folgen haben.
Das Erlebnisbad, in Anlehnung an das Alpamare, konkurrenziert die Hallenbäder in Luzern und Emmen. Notabene zwei Hallenbäder, die von der öffentlichen Hand getragen werden. Erhöhte Verluste dieser Betreiber zahlen nochmals die Steuerzahler.

Unkritische Medien

Die «Neue Luzerner Zeitung» kommentiert die Pläne seit Jahren unkritisch. Am 31.5.2014 schreibt der Titelkommentator Rickenbach: «Kein Grund für Ängste». Für ihn sind ausländische Investoren okay, weil sie wie Schweizer Investoren agieren. Der ganze Kommentar bespricht nur dies. Er schreibt von guten Zeichen, wenn ausländische Anleger investieren und aktiv werden. Wofür investiert wird, ob dies nachhaltig und wertvermehrend ist, diskutiert er nicht. «Kein Grund für Ängste», ja die Profite haben sie auf sicher! Katarer müssen sich nicht ängstigen. Doch es gibt genügend Gründe, sich zu ängstigen. Wir sind meilenweit davon entfernt, keinen Grund zu haben!

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1 Kommentare
  1. Supermilli, 09.06.2014, 13:25 Uhr

    Danke für diese absolut richtige Einschätzung. Seit Jahren schon fällt auf, dass sich einige Exponenten Denkmäler auf Kosten der Allgemeinheit setzen möchten. Während in anderen Weltgegenden bereits über nachhaltige Wirtschaftsmodelle nachgedacht wird, scheinen bei uns viele Lobby-Vertreter geistig in den Neunziger steckengeblieben zu sein. Kleinkarierte Provinzmagnate schwelgen im Grössenwahn – dagegen sind Schildbürger wahre Intellektuelle.

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