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Scheitert die «Energiestrategie 2050»?
Stromversorgung ohne Abhängigkeit vom Ausland sichern

Strom aus ausländischen Kohlekraftwerken importieren? Das ist nicht erstrebenswert.
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Strom aus ausländischen Kohlekraftwerken importieren? Das ist nicht erstrebenswert. (Bild: Symbolbild: pixabay)

Vor vier Jahren wurde über das Energiegesetz abgestimmt – Verzicht auf fossile Brennstoffe und Förderung der nachhaltigen Energie sind die Ziele. Dadurch will man den CO2-Ausstoss deutlich reduzieren und den Klimaschutz vorantreiben. Eine Rechnung, die bereits jetzt nicht mehr aufgeht, meint der Luzerner Nationalrat Franz Grüter in seinem Blogpost.

Wer den Tatsachen nicht ins Auge schaut, den bestraft das Leben. Die «Energiestrategie 2050» tönte wunderbar: Wir verzichten auf fossile Brennstoffe und steigen um auf Elektroautos und Wärmepumpen. Dekarbonisierung lautet das Schlagwort. Statt Gas, Benzin und Öl setzen wir auf Solarstrom und Windenergie. Die Kernkraftwerke lassen wir auslaufen. Und das Ganze kostet einen vierköpfigen Haushalt nur 40 Franken mehr pro Jahr … Dies versprach die damalige Bundesrätin Doris Leuthard vor der Abstimmung zum Energiegesetz.

Das war 2017 und schon vier Jahre später muss man sagen: Die «Energiestrategie 2050» kann nicht wie angekündigt umgesetzt werden. Die Schweizer Stimmbevölkerung wurde offensichtlich mit falschen Zahlen und Versprechungen in die Irre geführt.

Ernsthaftes Stromversorgungsproblem

Komplett falsche Prognosen auch beim Energieverbrauch: Jede Ölheizung weniger, jedes Elektroauto mehr bedeutet zusätzlichen Strombedarf. Ich habe in meinem privaten Umfeld in den letzten Jahren quasi alles dekarbonisiert. Das ist gut für die CO2-Reduktion.

Aber es führt generell zu einer unweigerlichen Verlagerung hin zu einem höheren Stromverbrauch. Dazu kommt das weiterhin sehr starke Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Alleine letztes Jahr ein weiteres Nettowachstum von 61’390 Personen.

Der Schweiz droht der Strom auszugehen. Das ist kein politischer Alarmismus, sondern eine Tatsache. Eine Risikoanalyse des Bundesamts für Bevölkerungsschutz zeigt auf, dass wir schon im Jahr 2025 mit einem ernsthaften Stromversorgungsproblem konfrontiert werden. Insbesondere in den Wintermonaten. Es könnte sogar mehrere Tage lang der Strom ausfallen. Man stelle sich das Chaos und die immensen Schäden vor.

Für jeden Einzelnen, aber auch für den Wirtschaftsstandort Schweiz insgesamt. Bereits werden in einzelnen Kantonen Unternehmen durch die öffentliche Hand angeschrieben und es wird auf die Risiken einer möglichen Strommangellage hingewiesen.

Versorgungssicherheit gefärdet

Ich will Ihnen ein persönliches Beispiel geben. Ich habe mitgeholfen, ein führendes Unternehmen im Bereich Datencenter und IT-Lösungen aufzubauen. Das heisst: Arbeitsplätze und Investitionen in der Schweiz. Ein wichtiger Faktor für uns und unsere (weltweiten) Kunden ist die Stromstabilität. Aber der aktuelle ökologische Blindflug gefährdet die Versorgungssicherheit und das Vertrauen in unser Land.

Nochmals: Wer den Tatsachen nicht ins Auge schaut, den bestraft das Leben. Die ETH hat bereits 2019 vorgerechnet, dass durch die Energiewende und die anhaltende Zuwanderung eine Stromlücke von 40 Terawattstunden (TWh) entstehen wird. Das entspricht 5-mal der Stromproduktion des Kernkraftwerk Gösgen. Und was tut die zuständige Energievorsteherin? Sie hält an der gescheiterten Energiestrategie fest und will sogar noch die bestehenden Kernkraftwerke abstellen.

Abhängigkeit vom Ausland

Zum Autor

Franz Grüter ist seit 2015 Nationalrat der SVP Luzern und seit 2016 in der Parteileitung der SVP Schweiz, zuständig für den Bereich Finanzen und Steuern. Von 2012 bis 2017 führte er die SVP Kanton Luzern. Neben seiner politischen Tätigkeit ist er Verwaltungsratspräsident des IT-Unternehmens Green. Grüter ist ausserdem unter anderem Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank, Beirat des FC Luzern, Delegierter des TCS Sektion Waldstätte und Beirat der Hochschule Luzern HSLU Informatikdepartement.

Die Konsequenzen dieses ökologischen Blindflugs: Wir müssen mehr Strom importieren und werden noch abhängiger vom Ausland. Und erpressbar: Der neue EU-Kommissar Maros Sefcovic hat bereits entsprechende Drohungen gegenüber der Schweiz geäussert. Zudem hat die EU selber ein Versorgungsproblem und es wäre ziemlich naiv zu glauben, dass die EU-Staaten in Krisenzeiten nicht zuerst für sich schauen würden. Das haben uns die blockierten Maskenlieferungen am Anfang der Corona-Pandemie drastisch vor Augen geführt. Übrigens: Doris Leuthard versprach 2017, das neue Energiegesetz reduziere die «Abhängigkeit vom Ausland» …

Noch absurder wird es, wenn wichtige Projekte für die Energiewende zunehmend von den gleichen Kreisen blockiert werden, die für die grosse Wende plädieren. «Ausgerechnet Linke und Grüne wehren sich regelmässig gegen Ökostromprojekte», berichtete der Blick unlängst.

Der Umweltverband Aquaviva hat auf Jahre hinaus den Ausbau des Grimsel-Stausees blockiert. Im Patronatskomitee von Aquavia sitzen fast ausschliesslich Politiker der SP, Grünen und Grünliberalen.

Stromversorgung langfristig sichern

Was ist zu tun? Wir müssen die Energiepolitik auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Dafür braucht es jetzt ein klares Bekenntnis von Bundesrätin Sommaruga. Die Sicherstellung der Stromversorgung (im Sommer und im Winter) hat oberste Priorität. Es darf keine Tabus und keine ideologischen Scheuklappen geben: Kernkraftwerke produzieren verlässlich Strom, fast ohne CO2-Ausstoss. Wer ernsthaft Klimaschutz will, kann nicht einfach die Kernkraftwerke abstellen und gleichzeitig noch den Ausbau der Wasserkraft behindern.

Vor allem braucht es jetzt einen klaren Auftrag an die Vorsteherin des Energiedepartements: Die Schweiz muss alles tun, um die Stromversorgung langfristig und ohne Abhängigkeit vom Ausland sicherzustellen. Sonst droht den Menschen in der Schweiz ein Versorgungschaos. Und dies hätte fatale Folgen für die Bevölkerung, die Wirtschaft und den Wohlstand in unserem Land.

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3 Kommentare
  1. U.S.Krüger, 03.12.2021, 08:47 Uhr

    «Funktioniert alles nicht» hört man heute viel zu oft. Bedenkenträger überall.
    (I) Warum haben wir die letzten Jahre nicht genutzt um die Schweizer Dächer ambitioniert mit Photovoltaik auszurüsten? Ich sehe auch hier bei uns im Dorf fast nichts.
    (II)Und warum können wir nicht wie zum Beispiel Singapur im Wirklich grossen Stil Solarstrom aus dem Süden importieren? Singapur baut nun in Australien ein 15-20 Gigawatt Solarkraftwerk (Das entspricht ca. 4 Atomkraftwerken) welches mit einem 4500 km (!!!) langen Unterseekabel die Energie nach Singapur liefert. Auch Grossbritannien schliesst sich jetzt an Solarkraftwerke in Marokko an. Die Schweiz tut erstmal lange nichts….

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  2. Realist, 02.12.2021, 16:45 Uhr

    Solarstrom wird als einer der grössten Hoax in die Geschichte eingehen. Seit Wochen jetzt kaum Sonne, dafür viel Nebel und max. 8 Std. Tageslicht. Und so wird es noch monatelang weitergehen. Die tägliche Ausbeute an Solarstrom reicht vielleicht knapp für eine warme Mahlzeit. Kommt hinzu, dass niemand weiss, wie die Panels nach 20-25 J. entsorgt werden sollen. Bis dann wird man hoffentlich schlauer sein und aufhören, Hunderte Millionen Fördergelder zu verschleudern.

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    1. outremont, 02.12.2021, 20:31 Uhr

      Das Problem mit dem erhöhten Strombedarf im Winter ist gemäss meinem Wissenstand sehr wohl nicht gelöst und ich bin sehr gespannt, wie es gelöst werden kann. Aber: – Weder mit der alten Strategie noch mit den aktuellen Technologien hatte die Schweiz im Winter genügend Strom. Denn die AKWs wurde nicht explizit benützt, um im Winter mehr Strom als im Sommer zu machen. Einzig die Wartungsarbeiten wurden, glaube ich, jeweils auf den Sommer gelegt. Man sieht in der «Fig. 10» von der «Schweizerische Elektrizitätsstatistik» des bfe sehr gut, dass im Winter meisten zu wenig Strom produziert wurde. Und wir suchen seit 52 Jahren nach einer Lösung, um den Atommüll zu begraben, das wurde glaube ich, auch etwas unterschätzt.

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