Zuger Mobilitätspolitik lässt zu wünschen übrig
Stockender Kolonnenverkehr in der Zuger Verkehrspolitik

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Der Fokus einer zukünftigen Mobilität liegt auf einem starken ÖV. (Bild: Andreas Busslinger)

Die Mobilität ist ein wichtiger Pfeiler, wenn wir über die Bekämpfung des Klimawandels sprechen. Im Kanton Zug steckt die Verkehrspolitik in einer Sackgasse. Es ist deshalb dringend notwendig, den stockenden Kolonnenverkehr in der Zuger Mobilitätspolitik aufzulösen.

Der Kanton Zug belegt nicht nur beim Steuerfuss einen Spitzenplatz, sondern auch wenn es um die Anzahl Autos pro Kopf geht. Dass diese beiden Themen korrelieren, ist nicht überraschend. Es weckt bei mir jedoch auch Unverständnis, bietet doch gerade die kleinräumige Struktur in Zug die idealen Bedingungen für eine nachhaltige Mobilität.

Als positives Leuchtturmprojekt aus den 00er-Jahren kann hier die Zuger Stadtbahn hervorgehoben werden. Aufgegleist wurde diese noch im letzten Jahrtausend. Seitdem stockt es mit innovativen Verkehrsvorhaben. Stattdessen sieht man Politikerinnen vornehmlich bei Spatenstichen für neue Strassen oder bei deren feierlichen Einweihungsfestivitäten.

Das versprochene Mobilitätskonzept fehlt

Vor neun Jahren sagte die Schweiz ja zum revidierten Raumplanungsgesetz. Dieses setzte es sich zum Ziel, die Zersiedelung zu bremsen und brachliegendes Bauland effizient zu nutzen. Alle Kantone mussten anschliessend ihre Richtpläne anpassen und ihr Bevölkerungswachstum für die kommenden Jahre abschätzen. Die möglichen Szenarien – tief, mittel, hoch – führten zur dafür benötigten Landfläche. In gewissen Kantonen musste Bauland sogar wieder ausgezont werden. Die Mehrheit im Zuger Kantonsrat plädierte für ein mittleres Szenario, was in Zahlen einem Bevölkerungswachstum von 40‘000 Personen in den nächsten 30 Jahren gleichkommt (heute
130‘000 Einwohner).

Aus ökologischen Kreisen monierten wir vergeblich für eine tiefere Wachstumsrate und machten insbesondere darauf aufmerksam, dass wir in der Mobilität vor enormen Herausforderungen stehen. Die Regierung liess sich jedoch nicht davon abbringen und vertröstete uns im Jahr 2018 mit einem umfassenden Mobilitätskonzept, welches den Kanton Zug verkehrstechnisch in die Zukunft führen sollte. Heute, vier Jahre später, besteht ein erster Entwurf, welcher bei den Zuger Parteien jedoch auf wenig Gegenliebe stiess (zentralplus berichtete).

Der Vorschlag genügte den Ansprüchen der heutigen ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Herausforderung nicht und ging deshalb zurück zur Überarbeitung (zentralplus berichtete). Die Folgen dieser faktischen Arbeitsverweigerung sind frappant. Aktuell sind alle elf Zuger Gemeinden dran, ihre Ortsplanung und damit einhergehend auch die Verkehrsplanung zu revidieren. Eine übergeordnete Strategie und klare Zielvorgaben für den gesamten Kanton fehlen jedoch.

Ideen für die zukünftige Mobilität

Dass die Zukunft der Mobilität nicht auf überdimensionierte Privatwagen setzen kann, ist allen klar. Für gewisse Strecken wird es weiterhin das Auto brauchen und auch verschiedene Branchen benötigen für ihre Arbeit Autos und Lastwagen. Der Fokus einer zukünftigen Mobilität liegt jedoch auf einem starken ÖV, einem ausgebauten Velonetz und einer guten Infrastruktur für Fussgängerinnen. Insbesondere das Velonetz im Kanton Zug steckt noch in den Kinderschuhen.

Von vielen Verantwortlichen wird das Velo weiterhin als Freizeitgerät gesehen, welches sich gut und gerne einen Weg mit Rössern, Hunden, Joggerinnen und Kleinkindern teilen kann. Hier braucht es ein Umdenken, wie es auch die kantonale Zuger Velonetz-Initiative fordert.

Mit dem Velo werden heute viel längere Strecke zurückgelegt. Ich pendle in den warmen Monaten oft mit dem Rennrad zu meinem Arbeitsort in Luzern. Es braucht aber weitere visionäre Ideen: Früher fuhr eine Strassenbahn ins Ägerital. Wieso sollten solche und ähnliche Ideen nicht wieder aufs Tapet kommen? Stattdessen dominiert in der Zuger Politik weiterhin ein Betonfetisch. Es wird gerne auf neue Strassen angestossen wird und schon am nächsten Tag guckt man in die Röhre, wie die erneute Wiederaufnahme der Idee eines Stadttunnels zeigt.

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