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Spange Nord: Ein Autobahnzubringer zerschneidet die Stadt
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Die Spange Nord soll die Innenstadt dereinst vom Verkehr entlasten, der Tunnel-Bypass den Durchgangsverkehr aus der Stadt fernhalten. (Bild: zvg Kanton Luzern)

Monique Frey Spange Nord: Ein Autobahnzubringer zerschneidet die Stadt

4 min Lesezeit 01.12.2016, 09:09 Uhr

Das Megaprojekt am Luzerner Verkehrsnetz wird kontrovers diskutiert. Monique Frey, Co-Präsidentin der Grünen Luzern, sieht in der Spange Nord keine sinnvolle Lösung. Sie bemängelt die «fahrlässige Planung».

Die Vernehmlassungsunterlagen für das Vorprojekt «Spange Nord optimiert» sind im Internet aufgeschaltet. Der Kanton lädt für die Vernehmlassung allerdings nur die Gemeinden Luzern und Kriens sowie den Bund ein. Wir sind aber gut beraten, wenn wir uns auch als Einzelpersonen zu diesem Projekt verlauten lassen. und zwar nicht nur als Einwohner von Kriens oder Luzern, sondern überhaupt als Steuerzahler im Kanton.

Bypass verdrängt Durchgangsbahnhof

Denn es ist ein Mega-Strassenprojekt in Planung. Ein 2×2-spuriger Autobahn-Bypass soll Luzern umfahren. Parallel dazu wird die Stadtautobahn mit dem Reussport- und Sonnenbergtunnel bestehen bleiben. Die anschliessenden Autobahnabschnitte, ab Buchrain und bis Horw, sollen auf je 3 Spuren ausgebaut werden. Dieses knapp zwei Milliarden Franken teure Projekt wird der Bund planen und bezahlen. Der Bundesrat hat kürzlich für die weiteren Planungsschritte eine Zusage gemacht (zentralplus berichtete).

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«Es ist klar, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis klein ist.»

Unklar ist im Moment, ob dadurch der Durchgangsbahnhof überhaupt noch in den nächsten Ausbauschritt für die Bahninfrastruktur kommt (zentralplus berichtete). Dieses Thema wurde im Politik-Blog von Damian Müller kürzlich ausführlich dargestellt. Es wird sich zeigen, ob die Bundesparlamentarier bereit sind, in den nächsten 20 Jahren vier Milliarden in Luzern zu investieren. Dass wir den Durchgangsbahnhof brauchen, ist allen klar. Bei Bypass und Spange Nord waren die Zweifel von Anfang an da (zentralplus berichtete).

Kosten-Nutzen-Verhältnis

Denn seit Beginn der Planung des Bypasses ist klar, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis klein ist. Nur 20 Prozent des Verkehrs auf der A2 und A14 sind Durchgangsverkehr. Der Bund forderte deshalb den Kanton auf, einen Autobahnzubringer zur Stadtautobahn zu planen. Damit soll Mehrverkehr auf die Autobahn geleitet werden.

Dieser Autobahnzubringer, die Spange Nord, führt mitten durch Wohnquartiere vom Schlossberg entlang der Friedentalstrasse zum Lochhof und über die Reuss zur Fluhmühle. Damit will man die Autofahrenden zwingen, statt über die Seebrücke ans andere Ufer zu fahren, die Stadt über die Spange Nord und die Stadtautobahn zu umfahren.

Freie Fahrt für 28’000 Autos

Obwohl die betroffenen Quartiere in der Vernehmlassung zum Vorprojekt im 2014 einen Tunnel ab Schlossberg Richtung Lochhof forderten, ist das optimierte Vorprojekt sogar noch stärker auf die Autos ausgerichtet. Der Kanton hat sich bereits entschieden, auf einen Tunnel im Gebiet Rosenberg zu verzichten.

Über die Reuss wird mittlerweile eine vierspurige Brücke geplant, welche etliche Häuser und das Fluhmühle-Pärkli opfert. Für die Velofahrenden und zu Fuss Gehenden gibt es dafür nur einen gemeinsam in beide Richtungen zu nutzenden Rad- und Gehweg. Auch entlang der Friedentalstrasse gibt es etliche Abschnitte, wo ein kombinierter Rad- und Gehweg vorgesehen ist, für die Autos aber drei Spuren zur Verfügung stehen. So wird freie Fahrt für 28’000 Autos pro Tag geschaffen.

«Ob die Triage in der Haldenstrasse und Baselstrasse funktioniert, ist fraglich.»

Begrüssenswert ist, dass vom Pilatusplatz bis zum Schweizerhof, also auch über die Seebrücke, je eine Fahrspur nur noch für Busse genutzt werden soll. Ob allerdings die Triage in der Haldenstrasse und Baselstrasse funktioniert, ist fraglich. Der Platz für eine separate Busspur ist dort knapp.

Fahrlässige Planung

In der ganzen Planung gänzlich vergessen worden sind die E-Bikes. Wie oben erwähnt werden die Radfahrenden entlang der Spange Nord oft zusammen mit den Fussgängern auf einem kombinierten Rad- und Gehweg geführt. Dies ist fahrlässig angesichts des Wissens, dass bereits heute jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike ist. Auf einer zukünftigen Spange Nord müssen diese zur Sicherheit aller einen eigenen Radstreifen separat von Fussgängern und MIV haben.

Die Kostenberechnung für das 200-Millionen-Projekt ist nicht öffentlich. Es ist also unbekannt, wie viel für Beton und wie viel für die Verkehrslenkung in der Innenstadt ausgegeben werden soll.

Verunreinigung und Spaltung von Quartieren

Auf Grund dieser Ausgangslage sehe ich kaum eine sinnvolle Verkehrsführung für die Spange Nord. Der Kanton ist nicht bereit, die Quartiere entlang der Spange Nord vor zusätzlichen Immissionen zu schützen. Es sind keine Massnahmen geplant, welche eine Zerschneidung der Quartiere verhindern würden. Ohne Tunnellösung sind auch keine sicheren Fusswegbeziehungen für die Schulkinder mehr da.

Einmal mehr ist für mich klar, dass zukünftige Lösungen nur in Richtung Verkehrslenkung hin zu mehr öV, Rad- und Fussverkehr ausgestaltet werden müssen und zusätzliche Strassen einzig Mehrverkehr generieren und der Stau weiter vorprogrammiert ist.

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