Philip C. Brunner
Sommer 2045 im Altersheim: Rückblick auf den Juni ’15

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Sie gedenken dem Sommer vor 30 Jahren, wo es hätte anderst ausgehen können. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Es war der entscheidende Tag für den Kanton Zug, damals vor 30 Jahren, dieser 14. Juni 2015.

Es war der entscheidende Tag für den Kanton Zug, damals vor 30 Jahren, dieser 14. Juni 2015. Ein wunderschöner Sommertag, wie wenn sich Stadt und Kanton für diesen speziellen Abstimmungstag mit der Sonntagstracht herausgeputzt hätten. Der See, die Altstadt, das wunderbare Ägerital, die nahen Berge, die noch sattgrünen Wiesen und Wälder. Ein wunderbares Paradies, als Wohnort, als Arbeitsort, als Heimat. Und ein höchst erfolgreicher Wirtschaftsplatz sowieso: Ein finanziell potenter städtischer Hauptort mit langjährigen loyalen Steuerzahlern, einer tiefen Sozialhilfequote, funktionierender Schule und Verwaltung, breit aufgestellt, um die Zukunft zu bewältigen.

Nun sitzen wir im Jahre 2045 in der veralteten Cafeteria Frauensteinmatt zusammen, ein paar alte, längst pensionierte Politiker und besorgte Seniorinnen. Wir erinnern uns zurück, vor 30 Jahren im Sommer 2015 haben Stadt und Kanton Zug den Stadttunnel zwar knapp, aber leider doch abgelehnt. Damals starb das von der noch siebenköpfigen Regierung und dem Stadtrat einstimmig befürwortete Projekt einer Stadtumfahrung definitiv. Wenig später trat der Baudirektor zurück und wechselte in die Privatwirtschaft, wo er weiter von sich reden machte. Man realisierte erst später, was er Wegweisendes im Kanton und darüber hinaus geleistet hatte. Sehr viele Einwohner erkannten damals zwar die Bedeutung des gewichtigen Zukunftsentscheides – aber die von den Jahren des Aufstieges von Zug verwöhnte satte Wohlstandsgesellschaft glaubte den Zukunftsvisionen von ein paar wenigen falschen Propheten.

Die Realität war schlimmer

Es kam dann ganz anders, noch viel schlimmer als es damals die grössten Pessimisten für möglich gehalten hätten, der Entscheid war ein Fanal und der Beginn des Niedergangs. Heute, 2045, ist für solche Projekte kein Geld mehr da, man muss schon froh sein, wenn man die Löhne der Staatsangestellten pünktlich bezahlen kann. Jetzt, Jahre später, kann man die Folgen dieses Fehlentscheides drastisch sehen, aber es ist zu spät. Die Altstadt versank schon einige Jahre nach der Abstimmung in Stagnation und Resignation – viele Gewerbebetriebe verliessen das Zentrum.

Kein Wunder ist das frühere Geschäftszentrum nur mit allergrösstem zeitlichen Aufwand erreichbar und auch nicht passierbar. Heute ist die Stadt Zug mit ihren Finanzproblemen mittlerweile das ganz grosse kantonale Problem: Bis über beide Ohren verschuldet, weil die besten natürlichen Steuerzahler weggezogen sind und es den Politikern nicht gelang, die zu hohen Ansprüche der Einwohner zurückzuweisen. Die Steuern mussten aufgrund von vielen Faktoren, auch durch Dummheiten der nationalen Politik – vorallem aber durch die Annahme der USR III, einem für Zug weitern Debakel – massiv erhöht werden. Und weil die Verkehrssituation sich im früher belebten Zentrum derart katastrophal entwickelt hatte, dass dies weder Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten zugemutet werden konnte, sind die Firmen weggezogen. Aus der Schweiz, in den fernen Osten, an erfolgreiche Staaten ohne Steuerbelastungen, welche erfolgreich sich darum foutieren, dass Europa zum grössten Problem der Welt von 2045 geworden ist. Weil die Stadt ihre früheren Verpflichtungen beim ZFA nicht mehr einhalten kann, mussten auch die meisten Gemeinden, vorallem die kleineren und wirtschaftlich schwächeren, ihre Steuern so wie im Nachbarkanton Schwyz massiv erhöhen.

Am Ende

Damit verlor Zug schleichend seinen 7. Platz im Steuerwettbewerb der Schweiz und ist auf die hinteren Ränge zurückgefallen. Weil man in guten Zeiten, damals 2015 auf ein paar einzelne unverantwortliche, populistische Politiker aus allen Lagern und Parteien gehört hat, die von zu hohen Kosten und einer zu hohen Motorfahrzeugsteuern geredet haben. Die Runde der Senioren lacht heiser und traurig. Ginge es der Stadt und dem Kanton besser, wäre auch verschiedenes in diesem verlotterten Pflegeheim besser – aber eben – man muss sparen und sich einschränken, weil der Staat immer weniger Einnahmen hat. Hätte man doch 2015 etwas weiter gedacht – nun ist es aber zu spät – und in diesem Jahrhundert kommt die Chance kaum mehr.

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