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Shoppingcenter legen sich quer zum Klimaschutz
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Viele Kunden tätigen ihre Einkäufe mit dem Auto. (Bild: Pixabay)

Einkaufen mit dem Auto nach wie vor beliebt Shoppingcenter legen sich quer zum Klimaschutz

3 min Lesezeit 3 Kommentare 14.11.2019, 15:00 Uhr

Die Mall of Switzerland senkt ihre Parkgebühren. Das Emmen Center, in welchem man gratis parkieren kann, hat derweil vor Gericht Recht bekommen und kann sich Kosten für die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sparen. Beides stösst Polit-Bloggerin Monique Frey, Fraktionschefin der Grünen im Kantonsrat, sauer auf.

Die Shoppingcenter verursachten in den letzten Wochen gleich mehrere für das Klima negative Schlagzeilen. Die Mall of Switzerland senkt die Parkgebühren und will ihr Parkplatzangebot erhöhen. Das Emmen Center wehrte sich erfolgreich gegen die ihm auferlegten Kosten für die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr.

Die Shoppingcenter könnten mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie auch sie weniger klimaschädigend wirtschaften; aber sie veröffentlichen Aktionen, die genau das Gegenteil bewirken. Sie fördern den Autoverkehr, mit den bekannten Folgen (klimaschädlicher CO2-Ausstoss, Lärm und Staus).

Aber wir Kunden haben es in der Hand, unser Einkaufsverhalten klimaschonend zu gestalten und andere Läden zu berücksichtigen. Das ist wohl die einzige Sprache, welche die Leitungen dieser Shoppingcenter verstehen.

Mall of Switzerland: Mehr Parkplätze, tiefere Parkgebühren

Auf einer in der Baubewilligung noch als Blumenwiese ausgeschiedenen Fläche will die Mall of Switzerland über 80 neue Parkplätze fest einrichten. Seit der Eröffnung der Mall lag dort ein Kiesplatz, der immer auch als Parkplatz genutzt wurde. Nun will die Mall dies für immer so handhaben, obwohl sie bereits über 1600 Parkplätze hat. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wer überwacht im Kanton, ob Baubewilligungen eingehalten werden und die in der Bewilligung aufgeführten Flächen wirklich auch so genutzt werden wie vorgeschrieben?

Nun setzt die Mall aber noch einen drauf: Sie hat klammheimlich die Gebühren für die Parkplätze gesenkt. Damit legt sie die Vereinbarung über das Fahrtenmodell – ein integrierender Bestandteil der Baubewilligung – nach ihrem Gutdünken aus. Sie täuscht so auch die Stimmberechtigten von Ebikon, die den Bebauungsplan mit Fahrtenmodell im Jahr 2005 genehmigten und hofften, so nicht vom motorisierten Individualverkehr überschwemmt zu werden.

Zur Person

Monique Frey ist Fraktionschefin der Grünen im Luzerner Kantonsrat, dem sie seit 2008 angehört. Die Agronomin arbeitet bei der Caritas als Fachberaterin im Bereich Ernährungssicherheit. Die 54-Jährige kandidierte 2018 für den Emmer Gemeinderat und 2019 für National- und Ständerat.

Trotz des über 100 Millionen teuren Rontalzubringers haben seit der Eröffnung der Mall im November 2017 die Staus jedoch weiter zugenommen und die Bewohnerinnen und Bewohner in der Nähe der Mall klagen über Parkplatzsuchverkehr. Die Mall ihrerseits überlegt sich keine Massnahmen, um diesen zu unterbinden. Ihre Antwort sind einzig mehr und billigere Parkplätze. Wir alle wissen, dass dies wiederum mehr Motorfahrzeugverkehr erzeugt.

Emmen Center: Kein Beitrag an öV-Angebot

Der Kantonsrat hat bei der Teilrevision des öV-Gesetzes beschlossen, dass grosse Shoppingcenter einen Beitrag an das öV-Angebot leisten. So wollte der Kanton den klimaschonenden öV auch bei den Shoppingcentern fördern. Dagegen ist das Emmen Center gerichtlich vorgegangen und muss nun diesen öV-Beitrag nicht bezahlen. Es betreibt für die Autofahrenden ein sehr grosses Parkhaus.

Das Emmen Center bezahlt den Unterhalt und die Erneuerungen selbst, da dieses gratis genutzt werden kann. Somit investiert das Emmen Center in den klimaschädlichen Autoverkehr, drückt sich aber vor Beiträgen an den öV und verhindert damit ein attraktives Angebot. Im Gegensatz zum Emmen Center zahlt die Mall an den öV. Wie lange noch? Hat dieses Gerichtsurteil Auswirkungen auf die Verträge der Mall mit dem VVL?

Ab dem 15. Dezember 2019 fährt die Trolleybuslinie 1 bis zu Mall. Eine grosse Investition des Kantons. Ich hoffe sehr, meine Befürchtungen, die Mall verabschiede sich aus den Verträgen zur Mitfinanzierung, sind unbegründet.

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3 Kommentare
  1. Medienstelle Mall of Switzerland, 15.11.2019, 12:39 Uhr

    Die Mall of Switzerland gehört mit ihrer hervorragenden Anbindung ans ÖV-Netz zweifelsfrei zu den Vorbildern der Schweizer Einkaufsdestinationen. Seit ihrer Eröffnung reisen über 50 Prozent der Besucherinnen und Besucher per Bus oder Bahn, mit dem Velo oder zu Fuss zur Mall. Mit substanziellen Fördermassnahmen, an denen sich die Mall langfristig beteiligt, soll der ÖV-Anteil künftig sogar noch gesteigert werden. Vor diesem Hintergrund halten die Verantwortlichen eine moderate Anpassung der Parkgebühren für vertretbar.

  2. Sebastian A., 14.11.2019, 21:47 Uhr

    Bitte zuerst informieren. Das Emmen Center muss diesen Beitrag nicht zahlen weill es ein altes Shoppingcenter ist. Per gesetz sind die Pioniere davon geschützt. Wenn den Grünen gewisse Gesetze nicht passen, sollen Sie sich dafür einsetzen dieses zu ändern. Halbwahrheiten in die Medienwelt rausposaunen ist unprofessionell und nicht demokratisch!

  3. mebinger, 14.11.2019, 16:47 Uhr

    Die Kritik greift viel zu kurz: es braucht diese Konsumtempel nivht und deshalb sollte man die Parkplätze völlig streichen. Das Dorfleben würde danken