Saftige Blumenwiesen – vom harten Beton überbaut
  • Blog
  • PolitBlog
Damit solche Idylle nicht verloren geht! (Bild: pixabay)

Luzerner Kulturlandschaft soll bewahrt werden Saftige Blumenwiesen – vom harten Beton überbaut

3 min Lesezeit 12.11.2020, 11:03 Uhr

Die Konzernverantwortungs- und die Kriegsgeschäfteinitiative sind die omnipräsenten Vorlagen des kommenden Urnenganges vom 29. November. Jedoch stimmt die Luzerner Bevölkerung auch über die kantonale Kulturlandschafts-Initiative ab. Sie knüpft an vorangegangene Begehren an, Kulturland vor Zersiedelung zu schützen.

Vorneweg eine kurze Erläuterung des Begriffs «Kulturlandschaft»: Dieser beschreibt nicht bloss Agrarflächen, sondern das Aussehen der Luzerner Landschaft insgesamt – im Spannungsfeld zwischen Siedlungen und Natur. Und ebendieses Kulturland soll durch eine Verfassungs- und Gesetzesinitiative stärker geschützt werden.

Dabei zielt die Initiative einerseits auf die Verfassung ab: Der Schutz und die haushälterische Nutzung des Bodens sowie das Eindämmen fortschreitender Überbauung sollen darin festgeschrieben werden.

Detaillierter ist die Gesetzesvorlage, die den konkreten Vollzug reglementieren und das kantonale Planungs- und Baugesetz ergänzen soll. Anhand raumplanerischer Massnahmen sollen Siedlungsgebiete festgelegt werden, um Kulturland zu erhalten, die Biodiversität aufrechtzuerhalten und die Nutzflächen qualitativ und quantitativ zu schützen.

Siedlungsbau und Naturräume müssen neu gedacht werden

Unsinnigen Bodenverschiebungen muss Einhalt geboten werden. Solche kommen aber vor, wenn Agrarfläche überbaut, deren Boden abgetragen und auf weniger wertvollen Flächen ausgetragen wird. Obschon die Anzahl solcher Fruchtfolgeflächen pro Kanton bereits vom Bund vorgeschrieben ist, sind Verschiebungen dennoch möglich. Sie verändern zwar die Statistik nicht, mindern die Bodenqualität aber deutlich.

Grundsätzlich verlangt das Komitee – bestehend aus einer Mitte-Links-Koalition und Tier- und Umweltorganisationen – nichts, was noch nicht in einem übergeordneten Recht festgelegt ist. Das Problem liegt beim fehlenden Fokus auf die Luzerner Zersiedlungsproblematik und den vernachlässigten Anliegen der Agrarwirtschaft und der Umwelt.

Es darf nicht mehr sein, dass masslos in das Grün hinausgebaut wird. Das Siedlungswachstum muss anhand verdichtetem Bauen fortschreiten, ohne die umliegende Natur zu beeinträchtigen.

Die breitflächige Zersiedelung ist eine stetige Problematik

Der Blick auf vergangene, ähnliche Begehren sprach für die Lancierung zweier Initiativen: Im Kanton Zürich wurde 2012 die Kulturlandinitiative angenommen. Jedoch wurde die Umsetzung verweigert. Damit dies nicht auch in Luzern geschieht, bedarf es einer Erweiterung des Gesetzes.

Zum Autor

Léon Schulthess studiert in Bern Osteuropa-Studien und Theaterwissenschaft und ist seit Oktober 2020 Co-Präsident der JUSO Luzern.

Auch die im Februar 2019 an der Urne abgelehnte nationale Zersiedelungsinitiative untermalt die Dringlichkeit, wertvollen Boden vor Überbauungen schützen zu müssen. Im Kanton Thurgau wurden 2017 zwei Gegenvorschläge zu der Verfassungs- und Gesetzesinitiative «Ja zu einer intakten Thurgauer Kulturlandschaft» angenommen.

Ein ungenügender Gegenvorschlag der Regierung

Auch dieses Mal gibt es einen Gegenvorschlag. Der Vorschlag der Regierung, welchen die hauptsächlich bürgerlichen Gegner befürworten, soll das Ziel der Initiativen nicht verhindern, es aber gemässigter verfolgen. Das Hauptargument ist die Einschränkung der Raumplanung und der wirtschaftliche Aspekt der Gewerbe.

Mit dem Gegenvorschlag wird aber keine einzige Fruchtfolgefläche oder landwirtschaftliche Nutzfläche geschützt. Der Kulturlandverlust ginge ungebremst weiter. Jedes Jahr verschwinden 200 Hektar Kulturland.

Mit dieser Fläche könnten 800 Menschen mit lokalen und klimafreundlichen Lebensmitteln versorgt werden. Gleichzeitig verschwinden reizvolle Landschaften und Naturräume für einheimische Pflanzen und Tiere.

Somit wird am 29. November über eine Verfassungs- und Gesetzesinitiative wie auch über den Gegenvorschlag abgestimmt und der Schutz unserer Luzerner Kulturlandschaft und Biodiversität in massgebliche Bahnen geleitet.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.