Rohstoffabbau: So nah und doch so fern
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Für Kiesabbau im Kanton Zug soll ein enormes Gebiet freigegeben werden. (Bild: pexels)

Kiesabbau im Kanton Zug Rohstoffabbau: So nah und doch so fern

4 min Lesezeit 22.10.2020, 10:55 Uhr

Eigentlich sind die Schweiz und der Kanton Zug nicht als Standort für Bodenschätze bekannt. Trotzdem diskutiert der Kantonsrat Ende Oktober über eine Erweiterung eines überdimensionierten Rohstoffabbaugebietes (Kies) inklusive Waldrodung. Gleichzeitig stimmen wir in der Schweiz Ende November über die Konzernverantwortungsinitiative ab, welche stark auf Verfehlungen von Rohstoffunternehmen fusst. Eine Suche nach Ähnlichkeiten und Unterschieden.

Ja, über die Konzernverantwortungsinitiative wurde schon viel geschrieben und die aufgewendeten Ressourcen der Pro- und Contra-Komitees sind immens. Dabei lässt sich die Initiative eigentlich ganz einfach erklären, denn sie verlangt das Selbstverständliche. Bei weltweiten Geschäftstätigkeiten sollen die gleichen Regeln wie in der Schweiz gelten.

Keine Verletzungen von Menschenrechten und etwa der Kinderrechtskonvention sowie keine Schädigung der Natur. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene negative Fälle aufgedeckt, immer wieder mit Beteiligung oder sogar in der Verantwortung von in der Schweiz ansässigen multinationalen Unternehmen. Fazit: Die Selbstregulierung greift nicht, es braucht ein Gesetz.

Kies: Die endliche Ressource der Schweiz gerät unter Druck

Wer in den heutigen Zeiten in unserem Kanton von Rohstoffabbau spricht, der nennt wohl gleich im nächsten Satz den Konzern Glencore und meint den Rohstoffabbau von Schweizer Unternehmen in oftmals fragilen Staaten im globalen Süden. Aber auch in der Schweiz wird seit Jahrzehnten kräftig gebuddelt, abgebaut, gewaschen, verwertet und anschliessend werden die Löcher mit Bauschutt wieder gefüllt.

Die Rede ist vom Kiesabbau, der aktuell für unsere Bautätigkeiten noch immer unabdingbar ist. Nun gehen die letzten Kiesreserven langsam zu Ende und eigentlich bräuchten wir schon länger tragfähige Alternativen. Der Staat und die Wirtschaft haben die Förderung von Alternativen in den vergangenen Jahren jedoch verschlafen, nun geraten die letzten Kiesgebiete unter Druck. Eine letzte solche Reserve befindet sich im Gebiet der Gemeinde Cham (Hatwil – Niederwil – Hagendorn – Kloster Frauental), zentralplus berichtete.

Ausstiegsstrategie und Förderung von Alternativen

Die eine Hälfte der vorberatenden Kommission für Raum, Umwelt und Verkehr will ein enormes Gebiet für den Kiesabbau auf einen Schlag freigeben und damit für mehrere Generationen unbenutzbar machen. Ich gehöre der anderen Hälfte an, welche nicht so verschwenderisch mit dieser Ressource umgehen will. Kiesabbau wird es auch in den kommenden Jahren brauchen, das schleckt keine Geiss weg.

Zum Autor

Andreas Lustenberger präsidiert die Alternative – die Grünen des Kantons Zug. Er ist seit 2013 Kantonsrat und ist im Vorstand der Grünen Schweiz. Der 35-jährige Geograf ist Leiter «Politik & Public Affairs» bei Caritas Schweiz. 

Aber zuerst brauchen wir vom Zuger Regierungsrat endlich eine klare Strategie, wie er sich die Zukunft in Bezug auf die endliche Ressource Kies vorstellt. Bis heute gibt der Regierungsrat eher das Bild des durch die Bauwirtschaft Getriebenen ab. Das ist der falsche Weg. Es braucht eine Ausstiegsstrategie, die einerseits aufzeigt, wie die noch vorhandenen Ressourcen möglichst lange gestreckt werden können, und eine Strategie, welche die Förderung von Alternativen klar und unabdingbar ins Zentrum rückt.

Kiesabbau in Zug – Rohstoffraubbau im globalen Süden

Unabhängig davon, ob sie zur Gruppe «maximaler und nicht nachhaltiger Kiesabbau» oder zur Gruppe «verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Kies» gehören, der Abbau in der Schweiz ist stark reguliert und demokratisch abgestützt. Bis ein Kiesabbaugebiet tatsächlich freigegeben wird, gibt es mehrere politische Runden. In der Kommission haben wir uns intensiv damit befasst und nun entscheidet der vom Volk gewählte Kantonsrat.

Beim Rohstoffabbau im globalen Süden sieht das anders aus. Korrupte Regierungen vergeben Abbaulizenzen an die Unternehmen, mit denen sie selber den grössten Profit machen. Sie und die jeweiligen Unternehmen sind damit verantwortlich dafür, dass die positive Entwicklung in diesen Ländern praktisch nicht vom Fleck kommt.

Stellen Sie sich vor, im Gebiet des Klosters Frauental würden auf einmal Kinder täglich zehn Stunden Kies abbauen. Stellen Sie sich vor, die Abgase der benötigten Maschinen und LKWs würden die Luft verpesten und Ihre Familie krank machen. Oder während des Abbaus würde auf einmal das Trinkwasser komplett verseucht werden.

Lange Geschichte ohne Zukunft

Der Abbau würde sofort gestoppt und die jeweiligen Unternehmen wären mit massiven Schadenersatzforderungen konfrontiert. Zum Thema Wasser so viel: Beim vorliegenden Kiesprojekt wird mit einer Senkung des Grundwasserspiegels gerechnet. Dies könnte insbesondere für die umliegende Landwirtschaft negative Folgen habe, da sie in Zukunft die Felder verstärkt bewässern muss.

Abschliessend lässt sich aus meiner Sicht festhalten, dass der Abbau von endlichen Ressourcen zwar eine lange Geschichte, aber keine Zukunft hat. Heute befinden wir uns in einer Übergangsphase, hin zu einer Kreislaufbewirtschaftung unserer Ressourcen. Unabhängig davon ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sowohl für den Rohstoffabbau wie auch für jegliche sonstigen globalen Tätigkeiten von Schweizer Unternehmen und Organisationen, die gleichen Standards wie bei uns gelten müssen.

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