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Wie sich die Luzerner Finanzierungslücke stopfen lässt

öV: Von Aufbruchstimmung ist nichts mehr zu spüren

 

 

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Von der Aufbruchstimmung beim öffentlichen Verkehr, welche in Luzern einst herrschte, ist kaum noch etwas zu spüren. 14 Jahre nach dem Projekt AggloMobil dümpelt der öV wieder vor sich hin. Laut Kantonsrätin Monique Frey muss ein Fonds eingerichtet werden, um die fehlenden 29 Millionen Franken zu decken.

Im Dezember 2004 startete AggloMobil uno, das grösste Umbauprojekt des öV-Systems in der Stadt und Agglomeration Luzern seit der Umstellung vom Tram- auf den Trolleybusbetrieb. Mit Agglomobil due wurden Ergänzungen geplant, die Taktfrequenz erhöht und mehr Einwohner stiegen vom Auto auf den öV um. Der Modalsplit zu Gunsten des öV nahm endlich auch in der Agglomeration zu.

Doch auch der öV wird durch die Finanzmisere des Kantons Luzern ausgehebelt. Zwar wurde im Rahmen der Umgestaltung des Seetalplatzes in Emmen ein neuer Bushub eingerichtet. Aber dieser überzeugt nicht wirklich, da die Gelder vor allem in die Strasseninfrastruktur geflossen sind. Die umsteigenden Buspassagiere müssen einen langen Weg vom Bahnhof Emmenbrücke zum Bushub unter die Füsse nehmen. Dieser führt quer über die Busfahrspuren und hohe Trottoirkanten: Für ältere Personen, Familien mit Kinderwagen und Kindern und Geh- und Sehbehinderte eine Herausforderung.

Einmal bei den neuen Busperrons angekommen, wäre man froh, schnell in den nächsten Bus einsteigen zu können, denn es gibt kaum Witterungsschutz. Die Perrons sind gegen beide Seiten offen, ein geschlossenes Wartehäuschen wie etwa auf den Bahnperrons gibt es nicht: Man hat weder Wind- noch Regenschutz. Doch die schlanken Anschlüsse lassen auf sich warten.

Kein Gegensteuer in Sicht

Auch viele weitere Massnahmen haben die öV-Nutzerinnen frustriert, wie etwa die gekappten Direktverbindungen aus den Gemeinden nördlich von Emmen zum Bahnhof Luzern. Die neusten Modalsplitzahlen zeigen für die Agglomeration wieder einen Rückgang beim öV. Aber statt Gegensteuer zu geben, präsentiert die Regierung im Planungsbericht öV 2018-2021 eine zu knappe Finanzierung (rund 50 Millionen Franken jährlich) und damit eine immer grösser werdende Finanzierungslücke für den nötigen Ausbau. Für die geplanten Ausbauten fehlen rund 29 Millionen Franken.

Ein Fonds könnte Abhilfe schaffen

Damit diese Planung zeitgerecht umgesetzt werden kann, muss deshalb der am nächsten Montag im Kantonsrat zu behandelnden öV-Initiative zugestimmt werden. Diese fordert die Schaffung eines Fonds für eine kontinuierliche Finanzierung. Damit kann ein gutes öV-Angebot unabhängig von kurzfristigen politischen Entscheiden bereitgestellt werden. Und das ist dringend nötig.

Da die Mobilität ständig zunimmt, muss der öV ausgebaut und das Umsteigen vom MIV auf den öV gefördert werden, damit der knappe Strassenraum nicht alle Mobilität abwürgt. Mit dem von der Initiative geforderten Fonds und einer jährlichen Einlage von 60 Millionen Franken könnte die Finanzierungslücke im öV-Planungsbericht gedeckt und die vorgeschlagene Umsetzung garantiert werden. Und dieses Angebot ist kein Luxusprojekt, sondern garantiert mehr oder weniger den Status quo. Von der öV-Aufbruchstimmung, welche vor 14 Jahren herrschte, ist heute kaum noch etwas zu spüren und der öV dümpelt wieder vor sich hin.

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Dieser Blog soll den Politikerinnen und Politikern aus den Kantonen Zug und Luzern Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es wird wöchentlich Bezug genommen zur aktuellen politischen Landschaft Zentralschweiz. Die Meinung von Bloggern und Gastautoren muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
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