Wie Wachstum clever gesteuert werden kann
Ob Politik oder Natur – bei Wildwuchs braucht’s einen sauberen Schnitt

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Dass bei Wachstum die richtige Pflege wichtig sei, zeige sich am Beispiel der Natur. (Bild: Pixabay)

«Das Wachstum bei Arbeitsplätzen, Einkommen, Strassen, Verkehr, Wohnraum und Freizeitaktivitäten ist als solches in unseren Breitengraden in Verruf geraten», schreibt der Zuger FDP-Präsident Andreas Hostettler. Dabei sei Wachstum völlig natürlich. Dass es dazu aber die richtige Pflege brauche, zeige sich am Beispiel der Natur.

Wachstum gilt als ungesund, unverträglich für Natur und Mensch, nicht zielführend und per se zu bekämpfen. Bei der Beobachtung der Natur selbst stelle ich jedoch fest: Alles ist auf Wachstum, Ausbreitung und Fortpflanzung ausgerichtet. Eine Pflanze, die nicht wächst, stirbt und verschwindet. Mit dem letzten Schnee im April 2017 habe ich als Liegenschaftsverwalter eine spannende Erfahrung gemacht. Was war geschehen? Der späte und sehr nasse Schnee war für die bereits im frischen Laub stehenden Bäume zu viel gewesen. Grosse Äste waren abgebrochen, ganze Baumkronen zerstört und drohten auf die Kantonsstrasse abzustürzen.

In einer Notaktion wurde die Strasse gesperrt, Baumkletterer angefordert und mittels eines grossen Lkw-Kranes die Äste, Baumkronen und ganze Bäume geschnitten und gefällt. Der grosse Schaden an gesunden und starken Bäumen hat mich schon etwas erstaunt. Die Erklärung vom Fachmann dazu war relativ einfach und simpel: Die Bäume waren über Jahre nicht geschnitten worden und sind so gewachsen, wie sie geraden wollten. Ohne fachliche Pflege wären die Bäume in der freien Wildnis in den nächsten Jahren eingegangen.

Bild: Andreas Hostettler

Ein Baumkletterer pflegt einen Baum, Bild: Andreas Hostettler

Hier schliesst sich für mich nun der Kreis. Auch der Mensch ist, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, in seinen Genen auf Weiterentwicklung, Fortschritt und Vorankommen programmiert. Das ist auch gut so, hat die Menschheit vor dem Aussterben bewahrt und hat dazu geführt, dass die wenigsten Menschen heute noch in einer Höhle wohnen.

In Anlehnung an die Natur wehre ich mich dezidiert gegen die generelle Verteufelung und Verurteilung von Wachstum. Zutiefst gehört das Vorwärtsstreben zum Menschsein. Das Erlebnis mit den Laubbäumen im Schnee veranschaulicht sehr bildhaft die ungewollten Folgen, wenn wie im Dschungel einfach drauflos gewachsen wird.

Bei Wildwuchs sind mutige Schritte gefragt

Der Mensch ist auf Wachstum ausgelegt, dies zu verhindern ist dumm. Damit gesundes Wachstum geschieht, braucht es gute Rahmenbedingungen und Pflege, welche auch einmal ein Zurückschneiden von Auswüchsen oder ein Fällen von alten Zöpfen bedeutet.

Damit sind wir schon bei der Politik. Von uns Parlamentariern, Regierungs- und Gemeinderäten erwarte ich, dass wir weitsichtig und clever das Wachstum planen, pflegen und unterstützen. Jedoch bei Wildwuchs den Mut haben, auch einmal einen sauberen Schnitt zu machen.

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2 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 07.06.2018, 23:42 Uhr

    Du meine Güte, Andreas Hostettler! Wie kommen Sie auf die abstruse Idee, das Wachstum in der Natur mit dem krebsartigen Wachstum der spätkapitalistischen Wirtschaft zu vergleichen? Die Natur wächst ohne menschliches Einwirken harmonisch und bringt sich nicht selbst in Gefahr. Das wirtschaftliche Wachstum im weltweiten Kapitalismus hingegen treibt die Menschheit in die Katastrophe. Jetzt wo Ihre Kollegen Ivo Romer und Martin Neese Opfer ihrer Wachstumseuphorie geworden sind, sollten doch auch Ihnen die Ohren läuten?

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  2. cela, 07.06.2018, 14:01 Uhr

    wer getraut sich denn schon wachstum zu kritisieren??? es wird politisch forciert, angebetet und wie hier als «normalität/ natur-lich» taxiert. in d. gibt es ein wirtschaftswachstumsbeschleunigungsgesetz (unwort des milleniums). sowas gibt es in der natur nicht – krebs hat NUR ein exponentielles zellwachstum – nicht die beschleunigung der exponentiellen zerstörung – wie dieses kranke d. ‹gesetz›.
    ich hab nichts gegen wachstum – wohl aber gegen wachstums-erpressung: das bip MUSS wachsen – sonst… die wirtschaft ist da für die bedürfnisse der menschen – nicht um mit «immer mehr- zwang» die lebensgrundlagen zu zerstören. genau dies wird aber von uns LEIDer geduldet, um dem mammon alles zu opfern: nebenwirkung: earth-overshoot-day: 1. august (wir verbrauchen pro jahr 1.7 planeten – haben aber nur einen). herzlichen glückwunsch…

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