Kreativität für Erholungsraum in Luzern gefordert
Mehr Mut und Esprit für eine charismatische Reuss

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Die Reuss würde viel Potenzial für mehr Naherholungsgebiete bieten. (Bild: jal)

Luzern besitzt, wovon viele andere Ortschaften träumen – einen See und einen Fluss. Diese natürlichen Quellen inmitten der Urbanität prägen nicht nur das Stadtbild. Sie dienen ausserdem der Bevölkerung und den Tieren als wichtiger Erholungs- und Lebensraum. Doch könnte Luzern mehr daraus machen.

Mit der «Ufschötti», dem Wagner oder dem Seebad haben wir am See einige äusserst beliebte Bade- und Vergnügungsräume. Ob Flanieren entlang des Quais, spielen auf der Hundewiese bei der Seeburg oder ein erfrischendes Getränk auf dem Inseli – die Bevölkerung mag es, sich am See aufzuhalten. In den letzten immer heisseren Sommern sind viele Plätze so populär geworden, dass die idyllische Entspannung nicht mehr derart geniessbar ist. Bei der nötigen Dezentralisierung kommt unsere zum Zug.

Nebst dem Nordpol und wenigen Einstiegstreppen gibt es an der Reuss keinen entspannenden Freiraum. Die Betonverbauungen halten die Reuss vielmehr auf Distanz. Dabei könnte man entlang der Ufer einen nachhaltigen Naherholungsraum generieren, der Mensch und Umwelt dient.

Naturnahe lokale Freiräume sind vielfältig und bringen bioklimatische, psychohygienische, lokalwirtschaftliche und kulturelle Vorteile. Sie tragen auch eine ästhetisch-stadtgestalterische Funktion in sich, welcher sich Luzern dynamischer, frecher und innovativer annehmen darf. Pragmatismus und mutige Visionen sind keine Antonyme.

Luzern, habe Mut zu Innovation und Kreativität

Andere Städte zeigen, dass am Wasser verschiedene innovative Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden können. Beim Zürcher Schanzengraben hat man eine wassernahe Promenade errichtet und beim Wipkingerpark gelangt man über einen breiten, abgetreppten Zugang in die Limmat. In Bern bietet sich die Aare mit Steinstränden beim Elfenau oder beim Marzili an.

Entlang der Arve in der Genfer Agglomeration führt ein Radweg in wenigen Minuten aus der Stadt in eine andere Welt. Auf der Seine in Paris, in Kopenhagen oder in Rotterdam gibt es teils bewegliche Inseln im Wasser und grüne Gärten. Bereits 1516 beschrieb Thomas Morus mit seinem Idealstaat «Utopia» einen Freiraum, der mit öffentlichen Gärten zum Nutzen und Vergnügen der Bürgerinnen beitragen soll.

Bestehenden Raum umnutzen

Luzern muss bei der kreativen Gestaltung nicht mit Projekten in KKL-Dimension trumpfen – die Devise «klein, aber oho» reicht. Vevey beispielsweise hat am See im ansonsten unzugänglichen Steinufer mehrere Stühle installiert. Ein Reussweg könnte man mit Balkonen oder weiten Hängematten über dem Fluss ergänzen. Zur Verflechtung mit der Natur können kleine spielerische Deltas errichtet oder es könnte mit einem Kanal ein Wasserspielplatz gebaut werden.

Bestehender Raum muss auch umgenutzt werden. Wieso nicht unterhalb des Lehnen-Viadukts den brachliegenden Raum für Gewerbe und Ateliers nutzen, wie es das Projekt «Stadt am Wasser» längst visualisiert hatte? Oder die A2-Brücke überdachen und so ein Urban Gardening schaffen, welches als Verbindung zwischen St. Karli und Kasernenplatz dient?

In die Projekte können auch lokalhistorische und -kulturelle Aspekte einfliessen. Den Reusssporn des ehemaligen «Mississippi-Dampfers» wieder zu einer Mole umwandeln oder das Inseli mit einem Kanal wieder zu einer echten Insel machen.

Kein 08/15-Freiraum

Von diesen Ideen behaupte ich keine allgemeine Umsetzbarkeit. Die Kritik zielt auf die 08/15-Haltung der bisherigen Stadtplanung. Ideen, welche neuartig für Luzern gewesen wären, wurden oft im Vorhinein weggestrichen, ohne diese eingehender geprüft zu haben. Die planerische Ergebnisoffenheit Luzerns muss als solche gelten und somit aussergewöhnliche und visionäre Ideen ernst nehmen und weiterverfolgen. Luzern ist kein langweiliges Provinzstädtchen und kann mehr!

Denn durch einen einzigartig attraktiven Freiraum an der Reuss profitiert das lokale Gewerbe aufgrund vermehrter Laufkundschaft und der Luzerner Tourismus, der mit dem Charisma der Reuss einen weiteren Pull-Faktor hat. Anwohner und Quartiere können sich vernetzen und entwickeln. Trassen für Fussgängerinnen und Velofahrer am Wasser verbinden Luzern mit der Agglomeration und fördern die nachhaltige Mobilität. Schliesslich verteilen sich im Sommer die Menschen in der Stadt besser, der See wird entlastet und das Stadtleben aus einem anderen Winkel betrachtet.

Kosten und potenzielle Gefahren

Dass solche Projekte von Steuern getragen werden, ist unumgänglich. Gehören aber nicht gerade solche Umsetzungen für die Allgemeinheit in den Fokus einer Finanzierung durch Steuern? Alle tragen ihren Anteil bei, alle können vom öffentlichen Resultat profitieren. Gemeinsam tragen Luzernerinnen die vielfältige Entwicklung ihrer Stadt.

Eine Gefahr, welche durch solche Bestrebungen der aber besteht, ist eine Gentrifizierung der betroffenen Region. Negative Auswirkungen könnten lokal steigende Mietpreise sein und die Homogenisierung der Anwohner. Dem gilt es Einhalt zu gebieten, beispielsweise durch einen unkommerziellen Fokus und eine starke Partizipation der hiesigen Bevölkerung, damit verschiedene Interessengruppen gemeinsam die Reuss zur Oase gestalten und diese Jung und Alt dient.

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1 Kommentare
  1. Wave, 05.05.2022, 22:23 Uhr

    Da auch die Stadt, nicht nur der Kanton eine reich gefüllte Kasse haben ist zu erwarten, dass gute Lösungen finanziell kaum ein Problem sein sollten.
    Ideenoffenheit ist also gefragt!

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