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Päpstliche Betteltour stoppen

Luzerner sollen dem Vatikan gleich doppelt Geld schicken

Nicht nur die Katholische Kirche, auch die Luzerner Regierung will dem Vatikan Geld schicken. (Bild: pixabay)

Luzerner unterstützen den Vatikan scheinbar nicht nur mit ihren Kirchensteuern, denn nun soll auch noch die Luzerner Kantonsregierung einwilligen, Geld nach Rom zu schicken – ein Skandal, findet SP-Kantonsrat David Roth.

«Kein Franken an den Vatikan.» Das ist nicht etwa der Slogan der Atheistenvereinigung, sondern das Versprechen der katholischen Kirche des Kantons Luzern – jedenfalls bis im Mai 2021. Im März 2021 haben die Mitglieder des Syndolarats (die «Kantonsregierung» der Luzerner Katholiken) eine Kampagne gegen Kirchenaustritte gestartet. Sandra Huber, Synodalrätin versicherte im Regionaljournal Zentralschweiz: «Viele fragen sich: Warum soll ich Kirchensteuern bezahlen? Die fliessen sowieso nach Rom. In Wirklichkeit fliesst aber gar nichts nach Rom.»

Es ist dieses Versprechen, welches mich und wohl viele andere in der katholischen Kirche gehalten hat – trotz allen widrigen Positionen, welche gewisse ferne Kirchenobrigkeiten vertreten. Aber die vielen positiven Aktivitäten haben viele überzeugt, die nicht unwesentliche Kirchensteuer zu bezahlen.

Den Geldhahn zudrehen

Nun musste ich feststellen, dass die katholische Landeskirche des Kantons Luzern nicht weniger verlogen ist als die scharlachroten Eminenzen in Rom. Und ich war wohl entweder zu naiv oder zu gutgläubig. Denn bereits zwei Monate nach dem vollmundigen Versprechen wurde eine Viertelmillion Franken nach Rom geschickt. Ein Beitrag zur Sanierung der Kaserne der sogenannten Schweizergarde. Diese sind de facto der private Sicherheitsdienst der paar Hundert obersten Funktionäre der katholischen Kirche.

Es gibt so viel zu tun auf der Welt, da muss man priorisieren. Eine Institution, welche den dringendsten Unterstützungsbedarf bei den Schlafgelegenheiten und Fitnessräumen der Gottespolizisten sieht, hat offensichtlich zu viel Geld. Dann kann man ihr aber auch getrost den Geldhahn zudrehen. Anders als beim Staat kann das jeder Einzelne tun – mit einem Austritt.

Der noch grössere Skandal

Und damit wären wir beim noch grösseren Skandal. Denn aus dem Kanton Luzern auszutreten, wäre dann doch mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden. Doch auch die Regierung des Kantons Luzern will dem schuldenfreien Vatikan einen ordentlichen Batzen überweisen. Geld, das von Katholikinnen, Reformierten, Buddhistinnen, Muslimen oder Konfessionslosen eingetrieben wurde, um die kantonalen Aufgaben zu erfüllen. Und jetzt wird es in den Opferstock des Vatikans geworfen. Die päpstliche Betteltour wird orchestriert von ehemaligen CVP-Amtsträgerinnen, angeführt von der Alt-Bundesrätin Doris Leuthard.

Zum Autor

David Roth ist seit 2011 im Luzerner Kantonsrat und präsidiert die SP Kanton Luzern seit 2015. Zuvor war er Luzerner Grossstadtrat, präsidierte die Juso Schweiz (2011 bis 2014) und amtete als Vizepräsident der SP Schweiz (2011 bis 2015). Ausserdem ist er Zentralsekretär bei Syndicom, der Gewerkschaft für Medien und Kommunikation.

Die wohl selbst nicht gerade kirchenmausarmen Katholiken möchten auch aus der Luzerner Staatskasse 400'000 Franken. Der Heilige Stuhl will Geld, das mit Kürzungen von Prämienverbilligungen und Stipendien zuvor den Ärmsten weggenommen wurde. Und die Luzerner Kantonsregierung, welche bereits zwei Jahre zuvor einen sechsstelligen Betrag für einen Apero im Vatikan aufwarf, will das Geld bereitwillig hergeben (zentralplus berichtete). Unterstützung findet sie erwartungsgemäss bei der ehemaligen CVP, der SVP und überraschenderweise sogar bei der FDP. Jener Partei, deren Gründerväter wie Jakob Robert Steiger sich noch vehement gegen den Einfluss der Kirche auf den Staat gewehrt haben. Da dürften einige Gräber ins Rotieren kommen.

Die letzten Liberalen von Luzern, die Luzerner Sozialdemokratinnen, werden sich dagegen wehren.

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Dieser Blog soll den Politikerinnen und Politikern aus den Kantonen Zug und Luzern Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es wird wöchentlich Bezug genommen zur aktuellen politischen Landschaft Zentralschweiz. Die Meinung von Bloggern und Gastautoren muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
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