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Stickstoffwerte im Kanton Luzern überschreiten Grenzwerte

Luzern verpasst Umweltziele deutlich

Durch erhöhte Stickstoffwerte im Waldboden verlieren unsere Bäume ihre Widerstandsfähigkeit.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Monique Frey, Kantonsrätin Grüne in Luzern, prophezeit ökologische Desaster für unsere Folgegenerationen. Grund: Massnahmen gegen die Nährstoffverarmung der Luzerner Böden wurden mit dem KP17-Sparprogramm versenkt.

Reduzieren an der Quelle

Unser Waldboden enthält zu viel Stickstoff. Das hat der Bundesrat im Februar 2017 im Bericht «Optionen zur Kompensation der Versauerung von Waldböden und zur Verbesserung der Nährstoffsituation von Wäldern» präsentiert. Dies führt zu einer Versauerung und zu einer Nährstoffverarmung des Bodens, was zu einer ungenügenden Nährstoffversorgung der Pflanzen führt. Bäume werden dadurch anfälliger gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Pilzen, auch können sie Blätter oder Nadeln verlieren. Ihr Wurzelwachstum ist eingeschränkt, sodass sie einem Sturm weniger gut standhalten können und weniger widerstandsfähig sind gegenüber Trockenheit.

Vor allem auch in der Zentralschweiz sind die Werte im Oberboden kritisch.

Der Prozess ist schleichend und wird seit Längerem beobachtet. Der Stickstoff stammt im Schweizer Durchschnitt zu zwei Dritteln aus der Landwirtschaft, insbesondere der Viehhaltung. Im Kanton Luzern beträgt dieser Anteil als Folge der intensiven Tierhaltung gar gegen 90 Prozent. Der Rest stammt vor allem aus dem Verkehr. Da sich der Stickstoff über die Zeit akkumuliert, verschärft sich das Problem. Höchste Priorität hätte die Reduktion der Stickstoffemissionen an der Quelle. Dies insbesondere, weil damit die grösste Wirkung erzielt und zukünftige Schäden vermieden werden können.

Massnahmenplan scheitert

Der Bund fordert die Kantone auf, den Vollzug des Umweltrechts zu verbessern und die Massnahmen im Bereich Landwirtschaft konsequent umzusetzen. Der Kanton Luzern hat im Jahr 2007 einen Massnahmenplan Luft, Teilplan Ammoniak, erarbeitet, der in den Jahren 2015 und 2016 evaluiert wurde. Die Fakten im Evaluationsbericht sind niederschmetternd:

  • Die Ziele des Massnahmenplans 2007 – eine Emissionsreduktion von 20 Prozent bis zum Jahr 2020 – können mit den heutigen Massnahmen nicht erreicht werden.
  • Die Immissionen sind in fünf von sechs Gebieten deutlich über dem als Grenzwert anerkannten «critical level», und die daraus abgeleiteten «critical loads» werden um ein Mehrfaches überschritten.
  • In der Folge sind Stickstoffeinträge in Wäldern und Mooren konstant hoch und liegen weit über dem zum Erhalt der Biodiversität verträglichen Mass.
  • Die Tierhaltung und die Verwertung des anfallenden Hofdüngers müssen heute als nicht umweltverträglich oder nachhaltig bezeichnet werden.

Statt griffige Massnahmen zu ergreifen, hat der Kanton das Ammoniakprogramm jedoch mit dem KP17-Sparprogramm versenkt.

Das ist ein weiteres Beispiel, welches die verfehlte Finanzstrategie des Kantons exemplarisch darstellt. Wir übergeben riesige ökologische Desaster an unsere Folgegenerationen.

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Dieser Blog soll den Politikerinnen und Politikern aus den Kantonen Zug und Luzern Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es wird wöchentlich Bezug genommen zur aktuellen politischen Landschaft Zentralschweiz. Die Meinung von Bloggern und Gastautoren muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.
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