Der Luzerner Weg in eine CO2-neutrale Zukunft
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Klima- und Energiebericht der Stadt Luzern : Leisten alle Regulierungen und Fördermassnahmen, Subventionen und Verbote einen wirkungsvollen Beitrag für den Klimaschutz? (Bild: pixabay)

Luzerner Klima- und Energiebericht mit 200 Seiten Der Luzerner Weg in eine CO2-neutrale Zukunft

4 min Lesezeit 4 Kommentare 15.07.2021, 10:57 Uhr

Die Erderwärmung gefährdet weltweit die gewohnte Lebensweise vieler Menschen. Es liegt deshalb in unserem eigenen Interesse, in Richtung Netto-Null zu arbeiten. Über das Wie und Wo werden wir in der Stadt Luzern nun über einige Monate intensiv diskutieren können, denn bald wird der Klima- und Energiebericht der Stadt Luzern veröffentlicht. Politblogger Lucas Zurkirchen hat schon jetzt einige Denkanstösse dafür.

Wir müssen handeln, um das Ziel von Netto-Null bis 2050 zu erreichen. Hierbei sind sich (fast) alle politischen Kräfte einig. Über den Weg zum Ziel streiten sich die Parteien jedoch. Mit welchen ökonomischen und politischen Massnahmen kann das Ziel erreicht werden? Ideen gibt es auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene viele. Seien es Essensempfehlungen, Verbote von Flugreisen oder weitere Steuern. Doch leisten alle Regulierungen und Fördermassnahmen, Subventionen und Verbote einen wirkungsvollen Beitrag für den Klimaschutz?

Stadt Luzern folgt mit einem zweihundertseitigen Bericht

Der Luzerner Stadtrat hat in den letzten Monaten den städtischen Klima- und Energiebericht ausgearbeitet, welcher bald veröffentlicht werden soll. In den über 200 Seiten (!) erwarte ich eine Auslegeordnung mit zielführenden Massnahmen. Obwohl es wahrscheinlich ist, dass bei über 200 Seiten Papier auch unwirksame Massnahmen versteckt sein werden.

Aus meiner Sicht beinhaltet eine wirkungsvolle Klimapolitik zurückhaltende Regulierungen in Verbindung mit einer konsequenten Kostenwahrheit des Treibhausgasausstosses. Instrumente, die auf Marktmechanismen setzen, sind dabei in jedem Fall zielführender als detaillierte Verbote und Vorschriften zur Lenkung von Menschen und Unternehmen. Die Schaffung einer neuen «grünen» Staatswirtschaft ist dabei nicht zielführend.

Bei der ganzen Diskussion auf kommunaler Ebene dürfen wir nicht vergessen, die internationale Kooperation voranzutreiben. Auch in der Klimapolitik erweist sich der alleinige Fokus nach innen auf Dauer nicht als gewinnbringend. Die Erderwärmung ist ein globales Problem – es braucht neben nationalen, kantonalen und kommunalen Massnahmen vor allem internationale Ansätze für eine wirkungsvolle Klimapolitik.

Blick auf die Schweiz und den Kanton Luzern

Zum Autor

Lucas Zurkirchen ist designierter Co-Präsident der FDP Stadt Luzern und arbeitet bei der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ). Der Betriebsökonom ist bei der IHZ für die wirtschaftspolitischen Anliegen verantwortlich und fungiert als Kampagnenleiter bei diversen Abstimmungen. Der verheiratete Vater einer Tochter ist in der Stadt Luzern aufgewachsen und wohnhaft.

Auf nationaler Ebene hat die Schweizer Bevölkerung erst gerade das CO2-Gesetz knapp versenkt. Die Bevölkerung des Kantons Luzern hat dabei mit 52 Prozent Nein-Stimmen zu diesem Ergebnis beigetragen. Der Stadt-Land-Graben wurde hierbei offenkundig, befürworteten doch 67 Prozent der Luzerner Stadtbevölkerung das Gesetz. Dieser Entscheid führt zwar nicht zu einer Hinterfragung des gesetzten Zieles von «Netto-Null», jedoch die darin enthaltenen Instrumente wie etwa die Ausgestaltung eines Klimafonds, Flugticketabgaben oder die Höhe der CO2-Abgabe.

Der Kanton Luzern hat Anfang Jahr den 170-seitigen Klima- und Energiebericht in die Vernehmlassung geschickt. Der sehr umfangreiche Bericht zeigt die aktuelle Situation auf und illustriert den Weg zum Klimaschutzziel «Netto-Null 2050». Die darin enthaltenen Massnahmen gehen weit, die meisten sind aber für die Zielerreichung – nach aktuellem Wissensstand – unabdingbar.

Wo ansetzen?

Mittel- bis langfristig führt zur Lösung des CO2-Problems kein Weg an technologischen Innovationen vorbei. Ein Beispiel sind Mechanismen zur Rückholung von CO2 aus der Atmosphäre. Diese Innovation steht kurz vor der Marktreife und wird hierzu sicherlich einen Lösungsansatz bieten. Klimapolitik wird hauptsächlich auf nationaler und kantonaler Ebene gemacht. Die Aufgabe, effektive kommunale Massnahmen zu definieren und dabei nicht Symbolpolitik zu betreiben, ist dementsprechend eine Herausforderung. Doch wo kann die Stadt Luzern ansetzen?

Ein grosser Hebel liegt sicherlich bei der Sensibilisierung der Bevölkerung. Denn erst das Bewusstsein für die Auswirkungen unseres Handelns führt zu einem besseren Verständnis unserer Umwelt. Das Einrichten einer kooperativen Plattform für Vernetzung, Partizipation und Umsetzung zu Klimaschutzfragen ist somit prüfenswert. Mit der neuen Plattform «Dialog Luzern» hat die Stadt bereits ein mögliches Gefäss. Neben der Vorbildfunktion, die eine Verwaltung bekanntlich hat, ist eine weitere Möglichkeit die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton Luzern und den Agglomerationsgemeinden voranzutreiben. Daneben muss weiter an den Möglichkeiten im Bereich Strom, Wärme und Mobilität gearbeitet werden. Gerade im Bereich der Mobilität kommen einige Änderungen auf unsere Stadt zu. Mit dem Jahrhundertprojekt «Durchgangsbahnhof» wird sich unser Stadtbild merklich verändern.

Mit gutem Beispiel voran

Die Schweiz ist aktuell für etwa 0,1 Prozent des jährlichen weltweiten Treibhausgasausstosses verantwortlich – Tendenz sinkend. Die direkte Auswirkung der Schweiz auf den weltweiten Klimawandel ist also gering. Als eines der reichsten Länder der Welt sollten wir beim Klimaschutz trotzdem mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Vorbildrolle einnehmen heisst aber: keine Symbolpolitik, kein Moralismus – und vor allem keine überteuerten, ineffizienten Massnahmen, die ja dann auch kaum von anderen Ländern übernommen würden.

Gefragt ist eine marktnahe, effektive Klimapolitik, die unserem Land mit seiner langen freiheitlichen Tradition gut ansteht und die beweist, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum keine Widersprüche sind. Die Schweiz sollte sich zudem als Diplomatin für multilaterale Klimaabkommen und kluge überstaatliche Lösungen einsetzen. So kann sie – zum Wohle aller – im Kampf gegen den Klimawandel mehr erreichen, als ihr mit eigenen Reduktionsmassnahmen (auf eigenem Grund und Boden) möglich wäre.

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4 Kommentare
  1. Paul Bründler, 15.07.2021, 14:53 Uhr

    Ich finde diesen Text sehr gut.
    Insbesondere die Erkenntnis, dass Massnahmen innerhalb der Schweiz so gut wie gar nichts bringen.
    Alle Schweizer könnten ab morgen auf’s Auto verzichten und das Weltklima würde sich kein Jota verändern.
    Das muss man einfach erkennen, um einen kühlen Kopf zu bewahren.
    Geschrei und Aktionismus spaltet nur die Gesellschaft und verändert am weltweiten CO2 Aussstoss nichts.
    Gegen eine pragmatische, allmähliche Dekarbonisierung ist nichts einzuwenden, aber bitte ohne Hysterie. Auch das sog. E-Auto (Akku) in den Markt zu drücken und Verbrenner vorzeitig auszumustern ist doch keine Lösung und verursacht nur neue Probleme, bzw. steigert kurz- bis mittelfristig sogar noch den CO2 Ausstoss.
    Die grössten Probleme sind China und Indien, die Abholzung der Regenwalds und die Bevölkerungsentwicklung auf dem Planeten mit all ihren negativen Folgen (Von der Ausbeutung der Meere bis zu Migrationsströmen).
    Ich finde den Vorschlag «Schweiz als Diplomatin» wesentlich klüger, als innerschweizerisch selbstkasteiende und lähmende Vorschriften durchzudrücken.
    Mit 4.19 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr sind wir eigentlich schon recht gut unterwegs (zum Vgl.. USA 15 Tonnen pro Kopf).

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    1. Jörg Hofstetter, 17.07.2021, 17:04 Uhr

      Natürlich ist die Aussage «Alle Schweizer könnten ab morgen auf’s Auto verzichten und das Weltklima würde sich kein Jota verändern» grundsätzlich wahr, aber dennoch falsch.

      Wahr ist nämlich auch: «wenn ich darauf verzichte Steuern zu bezahlen, würde sich am Budget der Schweiz kein Jota ändern».

      Vielleicht wird es bei diesem Beispiel deutlicher: es geht um Solidarität, ALLE müssen wir unseren Beitrag leisten!

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  2. Hegard, 15.07.2021, 11:48 Uhr

    Vor 145 Millionen Jahre sind hier Dinosaurier herumspaziert.
    Vor ca 115 Millionen Jahren ist die Schweiz eingefrohren.
    Vor 12 tausend Jahren Stand hier ein Urwald bis die Schweizer Vorfahren in rodeten und viele Tiere ausrottete.
    Die Erde verändert sich innerlich und Äusserlich.
    Also hört endlich auf mit dem Kindischen Getue und mit dem Finger auf die anderen zu Zeigen.
    Es Kann jeder etwas für die Umwelt tun was er kann.

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  3. Andreas Peter, 15.07.2021, 11:15 Uhr

    Als erstes sollte man neue AKW planen und zwar solche, welche den alten Atommüll recyceln können.
    Damit hätte man den «Atommüll» entsorgt und wäre auch künftig mehr oder weniger autark in der Stromproduktion.
    Wenn man nicht genügend «sauberen» Strom hat, braucht man andere Technologien (Akku-Auto etc.) gar nicht erst andenken.
    Eine Win-Win-Win Situation.

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