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Klimaneutrale Landwirtschaft – eine besondere Herausforderung für den Kanton Luzern
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Der Kanton Luzern trägt einen grossen Teil zu schweizerischen CO2-Emmissionen bei. (Bild: Pixabay)

Reduktion von Treibhausgasen ist zukunftweisend Klimaneutrale Landwirtschaft – eine besondere Herausforderung für den Kanton Luzern

4 min Lesezeit 1 Kommentar 05.09.2019, 10:55 Uhr

Der Kanton Luzern mit seiner gut funktionierenden Landwirtschaftsproduktion, die einen hohen Viehbestand aufweist, trägt einen beträchtlichen Teil zu den CO2-Emissionen der Schweiz bei. Damit steht er besonders in der Pflicht, den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Wo diesbezüglich angesetzt werden kann, zeigt der Blog von Roland Fischer, Kantonsrat und Präsident der Grünliberalen des Kanton Luzern.

Kürzlich hat der Bundesrat mitgeteilt, dass er aufgrund der jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse seine bisherigen umweltpolitischen Ziele verschärft. Im Einklang mit dem Klimaabkommen von Paris soll die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen bis ins Jahr 2050 auf Netto-Null senken. Es handelt sich zwar vorerst lediglich um eine Zielgrösse.

Und unter Berücksichtigung der historischen Verantwortung und einer Pro-Kopf-Verteilung der noch verbleibenden zulässigen Emissionen wäre es gemäss Berechnungen des WWF sogar notwendig, dass die Schweiz bereits im Jahr 2038 CO2-neutral sein müsste.

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Ehrgeizige Klimaziele der Grünliberalen

Die Grünliberalen fordern deshalb CO2-Neutralität im Jahr 2040. Die Ziele einzelner Staaten wie Finnland oder die Forderungen der Klimajungend gehen noch weiter und zielen auf Netto-Null-Emissionen in den Jahren 2035 beziehungsweise 2030. Trotz des verhaltenen Ziels begrüsse ich diesen Schritt des Bundesrat sehr.

Denn er zeigt der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Politik auf, in welche Richtung und in welchem Tempo sich die Schweiz in den kommenden Jahren bewegen muss.

Zukünftige Treibhausgasreduktion beeinflusst Lebensweise

Der ökologische Umbau wird einen grossen Einfluss auf unsere Lebensweise und die wirtschaftliche Tätigkeit haben, vor allem bei der Energieversorgung und der Mobilität, aber auch bei der Ernährung. Um beim Konsum von Nahrungsmitteln die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist es unvermeidlich, den Fleisch- und Milchkonsum zugunsten von pflanzlichen Produkten zu reduzieren.

Zur Person

Roland Fischer ist seit 2019 Kantonsrat und Mitglied der Kommission Wirtschaft und Abgaben (WAK), seit 2016 präsidiert er die glp Kanton Luzern. Von 2011 bis 2015 war er im Nationalrat.

Das ist gerade für den Kanton Luzern von grosser Bedeutung, weil die Landwirtschaft einen im Vergleich zu anderen Kantonen hohen Beschäftigungsanteil aufweist.

Hoher Anteil der Landwirtschaft an Emissionen

Die Landwirtschaft war im Jahr 2016 mit rund 6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten für rund 12 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der Schweiz verantwortlich. Dabei handelt es sich vor allem um den Ausstoss von Methan in der Nutztierhaltung. Damit die Schweiz ihren Verpflichtungen nachkommen kann, müssen auch die Emissionen in der Landwirtschaft gesenkt werden.

Moderne Landwirtschaftspolitik wichtig für Luzern

Rund zehn Prozent des Rindvieh- und Geflügelbestandes sowie 30 Prozent des Schweinebestandes der Schweiz werden im Kanton Luzern gehalten. Dem Kanton Luzern kommt deshalb bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft eine besondere Verantwortung zu. Angesichts des hohen Tierbestandes bedeutet dieser Prozess aber auch eine sehr grosse Herausforderung.

Zum einen ist im Kanton Luzern aufgrund der topografischen und klimatischen Bedingungen ein sehr hoher Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche nur für die Tierhaltung oder den Futterbau geeignet. Und selbst wenn wir unsere Ernährung stark anpassen, lassen sich die Treibhausgasemissionen nicht vollständig auf null reduzieren. Das bedeutet, dass ein Teil der Emissionen kompensiert werden muss.

Eigenheiten des Kantons Luzern nutzen

Gerade hierfür hat jedoch der Kanton Luzern gute Voraussetzungen, sofern der Landwirtschaftssektor etwas breiter gefasst und Moore und Wälder in das Netto-Null-Ziel miteinbezogen werden. Moorböden speichern weltweit 30 Prozent des Bodenkohlenstoffs, obwohl sie nur 3 Prozent der Fläche ausmachen. Zudem binden Moore permanent CO2 aus der Atmosphäre.

Intakte Moore sind nicht nur grosse Kohlenstoffspeicher, sondern sie wirken auch als Wasserspeicher. Rund ein Drittel der Hoch- und Flachmoore der Schweiz liegen im Kanton Luzern. Viele dieser Moore sind von der Austrocknung bedroht, was zusätzliche Mengen an CO2 freisetzen würde.

Der Erhalt und die Regeneration der Moore kann somit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Landwirtschaft ihr Netto-Null-Ziel erreicht. Dem Wald kommt eine ähnliche Bedeutung zu. Der Schweizer Wald wächst seit einigen Jahren viel stärker, als er genutzt wird. Dadurch speichert er zusätzliches CO2. Dieser Effekt kann durch Aufforstungen verstärkt werden.

Gute Karten für den Standort Luzern

Neben der Regeneration von Mooren und der Aufforstung kommen weitere Vorteile hinzu. Die Landwirtschaft weist aufgrund der relativ grossen Gebäudeflächen gute Voraussetzungen für die Produktion von Solarstrom auf. Dadurch ist die Landwirtschaft in der Lage, ihre eigene Energie zu produzieren.

Dieser Vorteil wird noch grösser, je mehr in der Zukunft der Fahrzeug- und Gerätepark auf alternative Antriebstechnologien wie beispielsweise Strom, Wasserstoff oder Biogas umgestellt wird.

Massnahmen-Mix als effektiver Umgang mit dem Klimawandel

Der Klimaschutz wird uns in den kommenden Jahren viel abverlangen und Verteilungswirkungen haben, aber auch eine grosse Chance für unsere Wirtschaft sein. Die notwendigen Anpassungen müssen jedoch durch Innovationen und Massnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Absicherung begleitet werden.

Der ökologische Umbau der Luzerner Landwirtschaft könnte zum Beispiel durch eine stärkere Förderung des Konsums von lokalen, nachhaltig produzierten Produkten begleitet, aber auch durch zusätzliche Weiterbildungs- und Beratungsangebote und Ausgaben für Forschung und Entwicklung unterstützt werden.

Nichtstun hingegen ist angesichts der grossen Bedrohung der Erderwärmung und unsere Verantwortung gegenüber der Natur und zukünftigen Generationen keine Option.

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1 Kommentare
  1. Bühlmann Beat, 06.09.2019, 15:10 Uhr

    Seit mehr als 2 Jahren bin ich Parteimitglied der Glp Kanton Luzern. In dieser Zeit habe Roland Fischer als Parteipräsident miterlebt. Er zählt zu den besten Politikern der Schweiz. Er verfügt über eine hohe ökonomische Kompetenz. Und er engagiert sich für seine und unsere Ziele vorbildlich. Er verdient es, seine unterbrochene Arbeit in Bern fortführen zu können.