Michael Töngi zu den Luzerner Sparmassnahmen
Ist Demotivierung des Personals sinnvoll?

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Das Sparpaket der Luzerner Regierung sorgt für Aufregung. (Montage: bra)

Der Kanton Luzern will einmal mehr auf dem Buckel des Personals sparen. Michael Töngi vergleicht die Ausgangslage von Luzern mit der Situation in den Nachbarkantonen – und der Schweiz.

Der Kanton Luzern will einmal mehr auf dem Buckel des Personals sparen (zentralplus berichtete). Dieses Mal betrifft es insbesondere die Arbeitszeit – eine Stunde mehr pro Woche lautet der Vorschlag der Regierung. Vielleicht wird’s auch noch etwas mehr. In Diskussionen habe ich aus Gewerbekreisen immer wieder gehört, in den KMU müsse man länger arbeiten. Das verfängt vielerorts, denn das Bild vom Angestellten in der öffentlichen Verwaltung, der super Arbeits- und Lohnbedingungen hat, ist in vielen Köpfen fest verankert. Nur – stimmt es auch?

Ein kleiner Vergleich

Was die Arbeitsstunden angeht: grosse Fehlanzeige. Die kantonalen Angestellten haben heute eine 42-Stundenwoche. Damit liegen sie gemäss Statistik des Bundes praktisch auf dem kantonalen Schnitt aller Angestellten, der bei 41,9 Stunden liegt. Zwar gibt es tatsächlich viele Arbeitsbereiche, wo auch mehr als 42 Stunden gearbeitet wird, doch in vielen ist heute eine 40-  oder 41-Stunden-Woche Realität. Die Luzerner Angestellten arbeiten heute eine halbe Stunde länger als der Schnitt aller Angestellten der öffentlichen Verwaltung in der Schweiz. Mit einer Erhöhung auf mindestens 43 Stunden hätten die Angestellten der öffentlichen Verwaltung einen einsamen Podestplatz – gegen oben. Die längste Arbeitszeit müssen heute die Graubündner leisten; mit 42,4 Stunden.

Bei den Löhnen soll nach Vorstellungen des Regierungsrates in den nächsten Jahren Stillstand herrschen. Sind sie heute toll? Die Löhne der Angestellten der öffentlichen Verwaltung liegen in der Zentralschweiz mehr als 300 Franken unter dem schweizerischen Schnitt. Konkrete Vergleichszahlen zu den Luzerner Löhnen liegen nicht vor. Bekannt ist aber, dass das Lohnniveau im Kanton Zug bedeutend höher ist und somit die Luzerner Löhne eher noch etwas tiefer liegen werden. Seit Jahren herrscht Stillstand, und die Schere zwischen dem regierungsrätlichen Anspruch, ein fortschrittlicher Arbeitgeber zu sein, und der Realität klafft immer weiter auseinander.

Langfristiger denken

Mit längeren Arbeitszeiten, mehrjährigem Lohnstillstand – fast vergessen: mit der Streichung aller Dienstaltersgeschenke (zentralplus berichtete) – kann der Kanton kurzfristig Einsparungen erzielen. Die Politik wird aber diskutieren müssen, ob langfristig mit einer Demotivierung des Personals etwas gewonnen wird.

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2 Kommentare
  1. Glanzmann, 12.05.2016, 20:57 Uhr

    Der Ansatz ist ehr kontraproduktiv, kurzfristig kann es zu einer finanzielle Verbessrungen kommen doch langfristig wird der Kanton immer mehr mit Fachkräften Mangel konfrontiert sein.
    Es ist eine gefährliche Strategie die der Kanton verfolgt.
    Leider ist der Kanton und viele KMU immer noch der Ansicht das mit der Erhöhung der Arbeitszeit Geld eingespart werden kann.
    Wir können auch 45 Std, Arbeiten aber leider handelt es sich lediglich um Präsenzstunden und nicht zwangläufig um Produktivstunden. Ein effizienter Kanton könnte unter anderem Präsenzstunden abbauen und Löhne dem schweizerischem durchschnitt anpassen.

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  2. Leo, 18.03.2016, 13:18 Uhr

    Das hat jetzt nicht einfach nur mit den Luzerner Beamten zu tun, sondern generell aller Beamten, – das heisst, den Leuten in den Büros der Verwaltung, der Administration (nicht der arbeitenden Leute an der Front wie Pflegende, Polizisten, Lehrer in den Schulzimmern etc. ), nur mit denen der erstgenannten Gruppen- deren Löhne und Zusatzleistungen und Arbeitsbedingungen sind super. Und wer es immer noch nicht glaubt soll sich in der freien Martkwirtschaft, der Industrie z.B. versuchen.
    Ja, er kann evtl. Ende Monat brutto etwas mehr in der Tüte bzw. auf dem Konto haben. Aber dann muss er/sie überdurchschnittlich viel mehr leisten. Das ist einfach so.
    Ich könnte bei Bedarf einige Leute aus drei verschiedenen Kantonen zitieren, die vom Staat weg und nach relativ kurzer Zeit wieder zurück sind -«ich wollte ein Burnout vermeiden….», «ich bin doch kein Sklave…», ich wäre beinahe drauf gegangen, habe schon an Suizid gedacht, was ggf. den Arbeitgeber aufgerüttelt hätte….» sind nur die Spitze des Eisbergs solcher Aussagen.»Beim Staat muss ich auch arbeiten, aber der Stress und das Arbeitsklima sind doch nicht vergleichbar» schrieb mir vor rund drei Wochen einer ins Mail. «Am Abend und Wochenende und während der Ferien wurde ich von meinen Kollegen und Vorgesetzten der Kantonalen Verwaltung xxx noch nie nullkommaplötzlich ins Büro zurückgerufen… und solches wurde mir von der yyy AG nicht mal vergütet, weder finanziell noch sonst wie, gehört in einer Kaderstelle einfach dazu…»

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