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«In der Luzerner Spitalplanung liegt einiges im Argen»
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(Bild: pixabay)

Michèle Graber über Fehlanreize im Gesundheitswesen «In der Luzerner Spitalplanung liegt einiges im Argen»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 02.03.2018, 11:15 Uhr

Das Kispi, welches die Notfall- und Grundversorgung für alle Kinder der ganzen Zentralschweiz sicherstellt, sei eine schlechte Visitenkarte für Luzern. Räume, Kapazitäten und Abläufe sind für GLP-Kantonsrätin Michèle Graber äusserst unbefriedigend. Gründe seien gewaltige Fehlanreize in der Luzerner Gesundheitspolitik.

In Luzern wurde der Neubau des Luzerner Kinderspitals immer wieder und aus unterschiedlichen Gründen verzögert. Das heutige Kinderspital ist in einem schlechten baulichen und betrieblichen Zustand. Die räumlichen Gegebenheiten, die Kapazitäten und die Prozessabläufe sind sowohl für die Kinder als auch für die Eltern äusserst unbefriedigend. Das Kispi, welches als Zentrumsspital die Notfall- und Grundversorgung für alle Kinder der ganzen Zentralschweiz sicherstellt, ist eine schlechte Visitenkarte für Luzern und das LUKS. Nun erscheint ein kleiner Lichtschimmer am Horizont: das Kinderspital erhält einen neuen Aufwachraum!

Die Umstände, welche dazu führen, lassen jedoch aufhorchen. Zum einen wird der neue Aufwachraum nur dank einer Stiftungsspende möglich (zentralplus berichtete). Die Spende sei auf diesem Weg herzlich verdankt. Zudem wird der dafür notwendige Platz nur frei, weil die Neonatologie in die neue Frauenklinik zügeln kann. Ein Prestigeprojekt wurde die neue Frauenklinik bei der Eröffnung genannt, ein Leuchtturmobjekt für die Zentralschweiz.

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Wie sich nun herausstellt, war diese jedoch teilweise eine Fehlplanung. Eine Etage stand lange leer bzw. war unterbelegt. Glücklicherweise kann dort nun die Neonatologie einziehen und die frei werdenden Räumlichkeiten können für den neuen Aufwachraum des Kispi genutzt werden.

Neubau gegen jegliche wirtschaftliche Vernunft

Generell liegt bei der Luzerner Spitalplanung einiges im Argen. Das LUKS plant Investitionen in der Höhe von 1.2 Milliarden Franken bis im Jahre 2030. Während jedoch beim Kinderspital die finanziellen Mittel für dringend notwendige Verbesserungen fehlen und der langersehnte Neubau auf die lange Bank geschoben wird, soll in Wolhusen ein neues Spital gebaut werden. Dies trotz der schweizweit herrschenden Überkapazitäten im Spitalbereich und steht somit entgegen jegliche wirtschaftliche Vernunft.

Es müssen offenbar gewaltige Fehlanreize vorliegen, wenn der Kanton Luzern trotz des drohenden Supergaus bei den Gesundheitskosten immer noch davon überzeugt zu sein scheint, dass ein solcher Kapazitätsausbau notwendig ist und sich lohnt.

Auf der anderen Seite steht die Aussage des Kinderspitalleiters Thomas Neuhaus in einer Luzerner Zeitung: «Die Kindermedizin im Spital ist im stationären und ambulanten Bereich mit den heutigen Tarifen defizitär. Daher sind wir um jede Unterstützung froh.» Auch das ein weiterer Beweis für ein falsches Anreizsystem.

Investitionen auf das Notwendige beschränken

Wie kann es sein, dass man beim Kinderspital und bei der Grundversorgung sparen muss, und gleichzeitig Millionen in regionalpolitische Projekte und Prestigeobjekte des Regierungsrats steckt? Die Spitalplanung muss dringend kritisch überdacht und Investitionen auf das aus gesundheitlicher Sicht Notwendige beschränkt werden.

Ausserdem müssen Fehlanreize abgebaut werden: Fehlanreize für die geplanten Investitionen in ein Überangebot der Spitäler und Fehlanreize für Überbehandlungen. Nur so können in der Zukunft die notwendigen Leistungen adäquat honoriert und zudem anderswo dringend notwendige finanzielle Mittel eingespart werden.

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2 Kommentare
  1. Roland Grüter, 02.03.2018, 19:07 Uhr

    Guten Tag

    Politiker/innen orientieren Sie anscheinend nicht. Eine aktuelle Information besagt, dass die Gesundheitskosten im Jahre 2017 um 2% gesunken sind! Warum spricht man phrasenhaft von “Supergau im Gesundheitswesen”?

    1. Redaktion Christian Hug, 04.03.2018, 21:37 Uhr

      Sehr geehrter Herr Grüter, nein, diese Zahlen sind uns tatsächlich nicht bekannt. Gemäss der Konjunkturforschungsstelle Kof der ETH Zürich betrug das Wachstumder Gesundheitskosten im Jahr 2017 4,1 Prozent.. 2018 werden es 3,9 Prozent. sein. Das Kostenwachstum für das Jahr 2019 schätzt die Kof auf 4 Prozent. Der Krankenkassenverband Santésuisse rechnete für 2017 mit einem Kostenschub von 5,1 Prozent für den gesamten Gesundheitsbereich, auf die einzelne grundversicherte Person umgerechnet sollen es 4,1 Prozent sein. 2016 betrug der Kostenanstieg laut Santesuisse 4,9 Prozent.
      Aus welcher Quelle stammen denn ihre -2 Prozent für das vergangene Jahr?