Anna Bieri gegen die Mundart-Initiative
Grüezi wohl

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Ein Sturm auf die Kirsche ist nicht nötig, findet Anna Bieri. Sowohl Kirsche als auch Chriesi finden in Zuger Kindergärten und Schulunterricht ihren Platz. (Bild: stadtschulenzug.ch)

Dialekt oder Mundart in Schule und Kindergarten? Die Zuger CVP-Kantonsrätin Anna Bieri plädiert dafür, Politik aus den Schulstuben fernzuhalten und die Mundart-Initiative nicht zu unterstützen.

Grüezi mitenand! Schön, dass Sie mine Blogbiitrag läsed. För einisch hani mir erlaubt, uf Schwiizerdütsch aazfange. Aber kei Angscht! – Scho als chliine Chnirps han ich glehrt, dass es nebscht mim Dialekt no es Hochdütsch git. Und dass mer beidi Sproche be verschidene Situatione ysetzt. E Blog zom Biischpiel schriibt mer de doch besser uf Hochdütsch.

Unsere Mundart sei in Gefahr. Dies wollen uns zumindest Leserbriefschreiber beibringen und werben für eine Unterschrift zur SVP Mundart-Initiative. Diese will die Mundart im Kindergarten, sowie in musisch-gestalterischen Fächern und im Sport als Unterrichtssprache festlegen.

Nicht nur die Initianten verbinden unsere verschiedenen Dialekte mit Kultur, Tradition und Identität. Schweizerdeutsch spreche ich an der Coop-Kasse, beim Schwatz mit den Nachbarn, bei Diskussionen mit Freunden, beim Abwaschen mit meinem Partner und sogar bei persönlichen Gesprächen mit meinen Schülerinnen. Die Mundart ist für mich meine tatsächliche Mutter- und Umgangssprache. Ich gehe mit den Initianten einig, dass mein Dialekt ein wichtiger Teil meiner Identität ist. Der Standardsprache Deutsch bediene ich mich in Situationen, welche eine sprachliche oder fachlich präzise Verständigung erfordern.

Nun verstehe ich «sternefoifi nomol» nicht, wo ich in meiner Freiheit oder gar in meiner Entwicklung bedroht oder eingeschränkt sein soll, wenn ich schon als fünf- oder sechsjähriges Kind mit beiden Sprachen in Kontakt komme? Im Alltag spreche ich weiterhin vorwiegend Mundart. Das will mir niemand verbieten. Ich bin jedoch dankbar, dass ich bereits früh in meiner Kindheit angehalten wurde, mich in einem gepflegten Deutsch mündlich und schriftlich auszudrücken.
Wo liegt also das Problem, wenn unsere Kinder im Kindergarten auf spielerische Weise erste Kontakte mit der hochdeutschen Sprache knüpfen? Wo genau kratzt es an unserer Identität, wenn die Kindergärtnerin eine Geschichte in der Standardsprache vorliest? Welcher Teil unserer Tradition geht verloren, wenn Kinder ein «Hänschen klein» nicht in Mundart trällern?

«Wo liegt also das Problem, wenn unsere Kinder im Kindergarten auf spielerische Weise erste Kontakte mit der hochdeutschen Sprache knüpfen?»

Unsere Kinder sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und wenn sie den Helden aus der Kindersendung zitieren, ist es selbstverständlich Hochdeutsch. Im Kindergarten und in der Schule lernen sie, welche Sprache ihnen in verschiedenen Lebenssituationen behilflich bzw. für sie sogar notwendig ist. Wir haben mit unseren Lehrpersonen im Kindergarten und in der Schule ausgewiesene Fachleute. Ihnen können wir es vertrauensvoll überlassen, in welchen Momenten des Unterrichts sie es für richtig und wichtig erachten, die Standardsprache einzusetzen.

Als letztes Argument führen die Initianten die Integration ausländischer Kinder auf. Dieses unerwartete Engagement ist wohl erfreulich, setzt jedoch am falschen Ort an. Ich beurteile es als sehr wichtig, dass fremdsprachige Kinder unsere Sprache möglichst früh gut sprechen und verstehen. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für ihre schulische Weiterentwicklung. Deshalb setze ich mich immer wieder für die s Frühförderung fremdsprachiger Kinder ein, sei es in der schweizerdeutschen oder hochdeutschen Ausdrucksform. Es würde mich natürlich freuen, künftig von dieser politischen Seite Support für dieses Anliegen zu bekommen.

Mein Fazit: Diese Initiative thematisiert nichtexistente Probleme. Sie mischt sich einmal mehr aus effekthascherischen und wahltaktischen Gründen in die Schulstube ein. Ein Ort, wo Politik besser draussen bleibt. Uf Widerluege mitenand!

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