Begrenzte Ressourcen als Treiber für Innovation
Freiwillig den Überfluss überflüssig machen

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(Bild: PingLabel)

Die Zeiten des uneingeschränkten Wachstums scheinen vorbei zu sein. Die Zuger SP-Regierungsratskandidatin Barbara Gysel wünscht sich, dass wir vermehrt auf eine freiwillige Mässigung setzen. Der Umgang mit begrenzten Ressourcen und mit Knappheit werde mehr Innovationen hervorbringen, als jener mit Überfluss schafft.

Der Zuger Kantonsrat diskutiert Obergrenzen für Bevölkerung und Beschäftigte bis ins Jahr 2040. Dem Regierungsrat zufolge leben bis ins Jahr 2040 knapp 150’000 Menschen im Kanton Zug, Beschäftigte sollen es 130’000 sein. Diese Zahlen im Richtplan sollen für die Planung der öffentlichen Hand verbindlich sein – die Gemeinden pochen darauf, dass sie die Zahlen überschreiten dürfen, wenn sie denn auf Verdichtung innerhalb des Siedlungsgebietes setzen.

Das zeigt, dass die Zuger Gemeinden nicht mehr «auf der grünen Wiese» den Siedlungsraum erweitern (können), sondern auf verdichtetes Bauen innerhalb bestehender Siedlungsgebiete setzen. Hinter den aktuellen Debatten steckt noch grundsätzlicher die Frage, welche Entwicklung wir im Kanton Zug wünschen und inwiefern wir das Wachstum steuern können.

Entschleunigung liegt im Trend

Seit einiger Zeit plädiert kaum mehr eine politische Entscheidungsträgerin für uneingeschränktes Wachstum, schon fast unisono wird eine Entschleunigung propagiert. Nehmen wir die Stadt Zug1: Im September 2017 wurde die Marke von 30’000 Einwohnerinnen überschritten. 1950 war die Bevölkerung noch halb so gross, in den letzten dreissig Jahren nahm sie um ein Drittel zu. Eindrücklich.

Es freut mich, dass Zug ein attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten ist. Den Herausforderungen der Zukunft müssen wir uns so oder so stellen – unabhängig davon, wie gross unsere Bevölkerung im Detail ist. Ich denke etwa an die Mobilität, zahlbares Wohnen oder auch unseren Ressourcenverbrauch im Allgemeinen.

Im letzten Jahr errechnete der WWF, dass wir in der Schweiz Anfang August bereits alle zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht hatten, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern könnte. Das sind ganze zwei Monate früher als noch vor zwanzig Jahren. Unser Wohlstand beruht auf einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch, darum ist es an der Zeit, die nicht nachhaltigen Energieträger durch intelligente und erneuerbare Energien zu ersetzen.

Nicht zufällig definierten die Vereinten Nationen die laufende Dekade 2014–2022 zur «nachhaltigen Energie für alle». Bei uns sind massive Minderungen einerseits durch neue Technologien – etwa bei Minergiehäusern – möglich. Intelligente Anreize durch die öffentliche Hand können diese Entwicklung pushen. Gleichzeitig können wir nicht alles an den Staat delegieren, eine «Staatsabhängigkeit» ist längerfristig kaum wirksam, weshalb Anstrengungen aus Wirtschaft und Gesellschaft zentral sind.

Einfachheit und Bescheidenheit befreien unser Leben von einem übertriebenen Energieverbrauch.

Freiwilliger Verzicht nicht nur unserer Umwelt zuliebe

Und es ist jeder und jedem Einzelnen überlassen, unsere individuellen Beiträge zu hinterfragen, zum Beispiel unsere eigene konsumistische Energienutzung. Ich erlebe es immer wieder: Einfachheit und Bescheidenheit befreien unser Leben von einem übertriebenen Energieverbrauch.

Das lässt sich auch zum Beispiel in der privaten Ferienplanung berücksichtigen, indem eine Auszeit in der Nähe genossen wird. Die Hin- und Rückreise per Flieger von der Schweiz nach Neuseeland löst eine gleich hohe Klimabelastung aus wie das durchschnittliche helvetische Alltagsleben mit Wohnung, Ernährung, Reisen usw. während sage und schreibe acht Monaten (siehe hier).

So versuche ich mich am Credo zu orientieren: Machen wir den Überfluss überflüssig und setzen wir unserem Planeten zuliebe auf «freiwillige Mässigung»! Ich bin auch überzeugt, dass der Umgang mit begrenzten Ressourcen und mit Knappheit mehr Innovationen als jener mit Überfluss schafft.

Der freiwillige Verzicht und die freiwillige Bescheidenheit schonen unsere Folgegenerationen. Doch das sei nur die halbe Wahrheit, antwortete mir einmal jemand zu Recht: Es mache auch einfach zufriedener und glücklicher. In diesem Sinn: allen eine frohe Sommerzeit!

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