Kirchensteuer: Ein gut funktionierendes System aufgeben?
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Soll die juristische Kirchensteuer im Kanton Zug abgeschafft werden? (Bild: Flickr: Alice)

Zuger Begehren unter Deckmantel der Freiwilligkeit Kirchensteuer: Ein gut funktionierendes System aufgeben?

3 min Lesezeit 2 Kommentare 08.07.2021, 10:56 Uhr

Die Kirchensteuer sorgt in vielen Kantonen seit Jahren für Diskussionen. So auch im Kanton Zug. Anfang Jahr reichte die SVP zusammen mit sechs Mitunterzeichnenden aus den Reihen der FDP eine Motion ein, welche die Freiwilligkeit der Kirchensteuer für juristische Personen fordert. Dabei geht gerne vergessen, dass Pfarrer und Seelsorger heute Leistungen erbringen, die der Staat nur sehr teuer übernehmen könnte.

Im Jahr 2005 beriet der Zuger Kantonsrat bereits über die Abschaffung der juristischen Kirchensteuer. Deutlich mit 61 zu 10 Stimmen wurde das Begehren abgelehnt. 2016 kam die Forderung wieder auf und wurde nicht einmal an die Regierung zur Beantwortung überwiesen. Ein halbes Jahrzehnt später beschäftigt sich der Zuger Kantonsrat abermals mit dieser Forderung.

Nun ist die Voraussetzung eine andere. Die Vorlage wurde unter den Deckmantel der Freiwilligkeit gepackt. Alle wissen, dass dies früher oder später zur kompletten Abschaffung der juristischen Kirchensteuer führt.

Einmischung der Kirchen in die Politik

Zum Autor

Fabio Iten wohnt in Unterägeri, ist seit 2018 Kantonsrat, im Vorstand der CVP Unterägeri und der Jungen Mitte Kanton Zug, Mitglied der Hochbaukommission und der Kommission Gesundheit und Soziales.
Beruflich arbeitet der 29-jährige als Projektleiter Türfachplanung/Türplaner, er ist gelernter Elektriker und absolvierte die Höhere Fachschule Betriebswirtschaft.

Gewisse Landeskirchen haben sich bei der Konzernverantwortungsinitiative in politische Angelegenheiten eingemischt und sich gegen diejenigen gestellt, die ihnen die finanziellen Mittel bereitgestellt haben. Es ist den Zuger Kirchen hoch anzurechnen, dass sie auf eine aktive Beeinflussung der Bevölkerung verzichteten.

Die Kirchen im Kanton Zug betrachten sich als staatsmittragende Organisation, die den gesellschaftlichen Frieden nicht mit einseitigen Stellungnahmen riskieren wollen. Die Kirchgemeinden in Zug engagieren sich nicht politisch, im Gegensatz zu anderen Kantonen.

Verhältnis zur Wirtschaft

Die Zuger Kirchen nehmen ihre Verantwortung wahr und tragen zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Der Kanton Zug ist ein treibender Motor der Schweizer Wirtschaft. Diese hohe Wirtschaftlichkeit bringt auch Nebenfolgen, wie Stress, Überarbeitung oder Probleme am Arbeitsplatz, mit sich. Solchen Fragen nehmen sich die Kirchen in ihrem gesellschaftlichen Engagement an. Davon profitieren wiederum die Unternehmen im gesamten Kanton.

Vor über zehn Jahren gründete die katholische Kirche in Abstimmung mit der reformierten Kirchgemeinde die Fachstelle «Forum Kirche und Wirtschaft». Diese fördert durch Foren, Beratungs- und Bildungsangebote die Begegnung zwischen Führungspersonen und Entscheidungsträgern aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung, Kirche und Politik. Sie bauen Berührungsängste ab, fördern das gegenseitige Verständnis und setzen sich mit dem Thema Management und Ethik auseinander. Dieses Modell ist in der Schweiz einzigartig. Der Kontakt von Kirchgemeinden und Wirtschaft wird in Zug gesucht und gepflegt.

Ein gut funktionierendes System aufgeben

Die juristischen Kirchensteuern machen rund die Hälfte der Einnahmen der Kirchgemeinden aus. Würden diese wegfallen, müssten Kanton und Gemeinde die Leistungen der Zuger Kirchen übernehmen und parallel aufbauen. Wollen wir wirklich ein gut funktionierendes System aufgeben und zu erheblich höheren Kosten an einem anderen Ort wieder aufbauen?

Pfarrer und Seelsorger zusammen mit vielen bürgernahen Freiwilligen aus den Kirchgemeinden kommen den Steuerzahler mit Sicherheit günstiger zu stehen als ein Heer an Psychologen, angestellt beim Staat. Diese Forderung im Zuger Kantonsrat beschneidet die Synergien zwischen Kirche, Staat und Wirtschaft und führt zu einer Verlagerung der Verantwortlichkeiten mit ungewissen Folgen.

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2 Kommentare
  1. Sweety, 08.07.2021, 18:02 Uhr

    Die Kirchensteuern sind total überrissen. Ich kenne so Viele die wegen der Kirchensteuer ausgetreten sind. Vor allem Jüngere, die sowieso nicht mehr viel in die Kirche gehen, sind nicht mehr gewillt, einen solch hohen Betrag zu bezahlen. Anstatt die Jüngeren wieder etwas zu motivieren, treten sie aus.

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  2. Gläubiger, 08.07.2021, 12:31 Uhr

    Was das alles mit den Lehren Jesus zu tun haben sollte kann ich nicht einsehen. Als gläubiger finde ich die ganze Sache mit der Staatskirche völlig absurd – je schneller das abgeschafft wird desto besser.

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