Ein bescheidenes Haus leistet Bedeutungsvolles für die lokale Gesundheitsversorgung
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Im Alter werden fast alle von uns auf Pflege und Betreuung angewiesen sein, deshalb sollten wir uns jetzt um die Gesundheitsversorgung kümmern. (Bild: Pixabay)

Hospiz in Luzern-Littau Ein bescheidenes Haus leistet Bedeutungsvolles für die lokale Gesundheitsversorgung

4 min Lesezeit 30.10.2020, 11:02 Uhr

Ein von aussen unscheinbares Backsteinhaus im Stadtteil Littau leistet Immenses für unsere städtische und regionale Gesundheitsversorgung. Es kümmert sich um Menschen und um ein Thema, das oft verdrängt wird: das Sterben und den Tod. Höchste Zeit, dass wir das, was dort geleistet wird, einmal näher ansehen und dabei auch mit einem – teils noch vorhandenen – Vorurteil in der Gesellschaft aufräumen.

Ja, die Coronakrise macht vieles sichtbar. Wenn wir aber ehrlich sind, dann sind es auch Themen, von denen wir schon lange wissen, dass wir sie politisch angehen müssen. Dazu gehört der drohende Pflegenotstand. Diesen spüren wir nicht erst während der jetzigen Krise in unseren umliegenden Pflegeheimen und Spitälern. Das Sterben und der Tod sind auch da allgegenwärtig.

Diese Themen und der Umgang damit werden immer noch – teils auch medial – tabuisiert. Und obwohl wir in einer Gesellschaft leben, in der Individualität hochgehalten wird, existiert am Lebensende ein sehr kollektiver Wunsch: nämlich am liebsten zuhause im Kreis der Liebsten gehen zu dürfen. Das ist jedoch höchst selten möglich und genau deshalb hat sich ein Haus in Luzern zum Ziel gesetzt, ein «Fast wie zuhause» für Menschen am Lebensende zu bieten.

Gäste beherbergen und begleiten

Es liegt mitten an einer Hauptstrasse im Stadtteil Littau. Ein Haus, das von aussen eigentlich eher wie ein ganz normales Wohnhaus aussieht. Hell, freundlich, warm und lebhaft. Das Haus versteht sich als Hospiz, was aus dem Lateinischen kommt und übersetzt «Herberge oder Gasthaus» bedeutet. Ein Hospiz beherbergt und begleitet Gäste, welche sich auf der letzten Lebensreise befinden.

Das Haus ist offen für alle, egal welchen Alters und mit welcher Krankheitsgeschichte. Es bietet eine umfassende medizinische, pflegerische, spirituelle und soziale Begleitung. Und was jetzt wirklich wichtig ist: Das Haus leistet keine Sterbehilfe bzw. Freitodbegleitung. Es gibt da kein Sterben auf Verlagen.

Die dort tätigen Fachpersonen und Ehrenamtlichen unterstützen ein Sterben in Würde und kümmern sich ebenso um die Angehörigen. Gerade Letzteres macht die Hospizbewegung aus, es wird ganzheitlich gedacht und das soziale Umfeld miteinbezogen. Eine Begleitung mit dem Ziel, die Lebensqualität am Lebensende so lange wie nur möglich zu erhalten und damit eine geborgene Atmosphäre für den natürlichen Tod zu unterstützen.

Einzigartig in der Zentralschweiz

Zur Autorin

Karin Stadelmann ist Präsidentin der CVP Stadt Luzern und Vizepräsidentin der CVP Kanton Luzern. Sie arbeitet als Dozentin und Projektleiterin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Stadelmann kandidierte 2016 für den Luzerner Stadtrat und 2019 für den Kantons- und den Nationalrat.

Es ist das einzige Haus in Luzern bzw. gar in der Zentralschweiz. Das Haus ist wichtig für unsere städtische wie auch interkantonale Gesundheitsversorgung, denn es bietet eine stationäre, aber auch eine ambulante Versorgung. Es versteht sich nicht als Konkurrenz zu den umliegenden Spitälern oder Heimen, sondern es schliesst eine Versorgungslücke.

Es kommt dann zum Zug, wenn Menschen zuhause nicht mehr sein können, aber die Infrastruktur eines Spitals oder eines Heimes nicht oder nicht mehr in einem grösseren Umfang benötigen. Es ist also eine Institution als Ergänzung zu unseren Strukturen und – was nicht zu unterschätzen ist – es ist ein weiterer Ort für das Schaffen und Wirken von Professionellen in der Pflege und Betreuung.

Bedeutungsvoll für die Gesellschaft

Ja, die Krise macht eben auch Bedeutungsvolles, wie die Arbeit im Hospiz, sichtbar. Leider ist die Finanzierung von Hospizen immer noch klärungsbedürftig. Das Haus im Stadtteil Littau ist und soll für alle in und um Luzern offen sein, aber möglich ist das nur, weil vieles auf privater und ehrenamtlicher Basis ausgeführt wird. Die Stadt und der Kanton Luzern müssen hier ihre Verantwortung zukünftig noch stärker wahrnehmen.

Denn dieses Haus und die damit verbundenen Leistungen sind jetzt schon bedeutungsvoll für unsere Gesellschaft und werden zukünftig noch mehr an Relevanz gewinnen. Wir stellen nämlich noch zu viel darauf ab, dass in Krankheit und Alter dann schon jemand da sein wird. Sei es jemand Professionelles oder ein pflegender Angehöriger.

Wenn uns aber die Krise gerade etwas lehrt, dann dass der Bereich der Fürsorge und Pflege und somit auch die darin für uns tätigen Personen von unschätzbarer Wichtigkeit für eine funktionierende Gesundheitsversorgung sind. Das verdient politische und gesellschaftliche Wertschätzung!

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