Benno Büeler
Ecopop-Initiative: Massvoll und flexibel – Lebensqualität für alle

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Was bewirkt die Ecopop-Initiative wirklich? (Bild: Emanuel Ammon/ Aura)

Der Präsident des Initiativkomitees Ecopop, Benno Büeler, reagiert auf Pirmin Müllers letztwöchigen Beitrag mit einer Replik.

Replik von Benno Büeler, Präsident des Initiativkomitees Ecopop auf den Beitrag von Pirmin Müller vom 26. Juni 2014

Wer die Debatte zur SVP-Masseneinwanderungs-Initiative mitverfolgt merkt: Eine grosse Mehrheit im Parlament ist gegen eine substantielle Senkung der masslosen Zuwanderung. Sogar bei Einführung von Kontingenten, würden die Politiker diese so hoch ansetzen, dass sie faktisch wirkungslos blieben. Gerade weil unsere Politik in einem zerstörerischen Wachstumswahn gefangen ist, muss eine Initiative konkrete Grenzen vorgeben, will sie überhaupt Wirkung entfalten. ECOPOP würde die Zuwanderung von gut 150’000 Menschen pro Jahr auf rund 100’000 senken. Dies ist massvoll. Die Zuwanderung in die Schweiz wäre damit immer noch deutlich höher als jene in die EU und doppelt so hoch wie jene nach Deutschland und Frankreich. Wer die Zahlen des Bundesamtes für Migration studiert, sieht: Mit 100’000 Zuwanderern pro Jahr könnten auch weiterhin alle Fachkräfte mit Familie, Heiratspartner, Studierende usw. im bisherigen Rahmen zuwandern. Auch ihren humanitären Verpflichtungen könnte die Schweiz weiterhin problemlos nachkommen. Die vorgeschlagene Regelung ist gerade dank der klaren Obergrenze wirksam. Trotzdem ist sie nicht starr, denn die Zuwanderung darf diese Grenze im Mittel dreier Jahre nicht überschreiten, in einzelnen Jahren kann sie deutlich höher oder tiefer liegen.

Freiwillige Familienplanung bezeichnet Herr Müller als «überholt». Unterliegt er als Vertreter von «Pro Life», welche gegen Abtreibungen ist, vielleicht auch hier einem Irrtum? Einmal ganz davon abgesehen, dass hierzulande Familienplanung seit 50 Jahren eine Selbstverständlichkeit ist, handelt es sich auch seit 1968 um ein UNO-Menschenrecht. Dies bedeutet, dass alle Menschen weltweit die Möglichkeit haben sollten, frei zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie möchten. Die UNO-Weltbevölkerungs-Konferenz von Kairo 1994 hat das Ziel definiert, dass dies spätestens bis 2015 umzusetzen ist.
Der UNO-Weltbevölkerungsbericht von 2012 kommt zu folgenden Schlüssen, basierend auf unzähligen aktuellen Studien mit den neuesten Daten zum Thema:

1. Trotz der Vereinbarung von Kairo haben auch heute noch 222 Millionen Frauen in Entwicklungsländern einen nicht gedeckten Bedarf an Mitteln zur Familienplanung. Die Folge sind 80 Millionen unerwünschte Schwangerschaften jährlich und gegen 50 Millionen Abtreibungen, oft unter unsäglichen Bedingungen.

2. Familienplanung gehört zu den wirksamsten und kosteneffektivsten Interventionen zur Armutslinderung.

3. Mit der Investition von zusätzlichen 4,1 Milliarden Dollar in moderne Verhütungsmethoden lässt sich der Bedarf an Ausgaben für Mütter- und Neugeborenengesundheit um 5,7 Milliarden Dollar senken.

4. Der Zugang zu Mitteln zur Familienplanung hat einen positiven Multiplikationseffekt auf Individuen und die ganze Gesellschaft: die körperliche und geistige Gesundheit von Müttern und Kindern steigt, Mütter bekommen die Möglichkeit erwerbstätig zu sein und die Bildungschancen für die Kinder erhöhen sich.

5. Damit all jene, die das möchten, Zugang zu Mitteln der Familienplanung haben, müssen Regierungen und internationale Organisationen einen grösseren Teil der Mittel in Familienplanung investieren.

Völlig «überholt» ist somit die Einstellung von Herrn Müller und sicher nicht das UNO-Menschenrecht. Aufklärung und Zugang zu sinnvoller Prävention hilft doch gerade Abtreibungen zu vermeiden, dies ganz im Sinne von «Pro Life». Vielfach betroffen sind sehr junge Frauen, welche aufgrund früher Schwangerschaft die Ausbildung abbrechen und in der Armutsspirale gefangen bleiben oder in prekären Verhältnissen abtreiben und daran sterben oder invalid bleiben.

Herr Müller greift zur verbalen Keule, indem er mit Bezug auf die Ecopop-Initiative schreibt «der Mensch wird als Übel gebrandmarkt!». Tatsächlich weisen die Initianten darauf hin, dass die ANZAHL Menschen relevant ist für den Erhalt der Lebensgrundlagen und für die Umweltbelastung. Nur wer alle Fakten ignoriert und mit geschlossenen Augen durch die Welt geht, kann diesen Zusammenhang verleugnen. Auf einem begrenzten Raum, wie es der Planet Erde ist, kann sich nicht eine Art ins Unendliche ausbreiten ohne gravierende Folgen für den Lebensraum als Ganzes.

Die Initianten sind überzeugt, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Wohlstand, Wohlbefinden und natürliche Ressourcen haben, auch künftige Generationen. Damit dies möglich ist, sollten wir Mass halten. Beim persönlichen Konsum genauso wie bei der Anzahl Menschen. Zur Zeit vermehren wir uns um eine zusätzliche Milliarde Menschen alle 13 bis 15 Jahre. Ecopop hilft den heutigen und künftigen Bewohnern dieser schönen Erde – unterstützen Sie diesen nachhaltigen Ansatz mit einem JA!

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10 Kommentare
  1. Cornelia Keller, 10.07.2014, 08:48 Uhr

    «Gemäss Uno-Prognose wird das Problem der Zukunft nicht die Überbevölkerung sondern die Unterbevölkerung sein. Spätestens 2100 werden wir das Nullwachstum erreicht haben».

    Nun, Herr Müller, also gemäss UNO haben wir im Jahr 2100 ganze 10.9 Milliarden Menschen, «unter der Voraussetzung, dass die durchschnittliche Fertilität von heute 2.6 Kindern pro Frau auf 2 Kinder sinkt. Bedingung dafür ist, dass Frauen in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Aufklärung und Verhütung erhalten» (Ganzes Zitat: UNO)

    Trifft diese Voraussetzung nicht ein weil Leute wie Sie, Herr Müller, den Zugang zu Aufklärung und Verhütung gezielt verhindern, so wird die Weltbevölkerung gemäss UNO 30 (!) Milliarden Menschen betragen.

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  2. Felix Wirz, 09.07.2014, 14:46 Uhr

    Kneubü[email protected]

    Ich finde Ihren Kommentar ehrlich gesagt etwas unüberlegt und undifferenziert.

    Zitat: «Die ECOPOP sind Wachstumsskeptiker, also des Club of Rome.»

    Das ist korrekt. Ich gehe davon aus dass Ihnen aber auch klar ist, dass auf einer beschränkten Fläche (Schweiz, Planet Erde) nicht ein unendliches Wachstum stattfinden kann. Wer glaubt, Wachstum sei auf immer und ewig möglich, der glaubt wohl auch, dass die Erde eine Scheibe ist und der Storch die Kinder bringt.

    Ich zitiere: «Es spielt KEINE Rolle, wie viele Menschen in der Schweiz oder auf der Welt wohnen. Es kommt auf den Lebensstandard (den ökolog. Fussabdruck) und die Verteilung der Güter an.»

    Das glauben Sie wohl selber nicht. Die Umweltbelastung der Spezies Mensch auf seinen Lebensraum lässt sich nach folgender Formel erheben: Anzahl Menschen x Umweltbelastung des einzelnen Individuums (ökol. Fussabdruck) x angewandte Technologie. Dies stellt eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache dar. Die Anzahl Menschen ist somit einer von drei wichtigen Faktoren. Warum will Ecopop beim ersten Faktor ansetzen?? Bei Faktor 2 und 3 wird glücklicherweise durch die Forschung und durch diverse Umweltverbände bereits sehr viel gemacht, während Faktor 1 in der Regel, wie von ihnen ja auch, ignoriert wird.

    Zitat:»Die Initiative geht arrogant mit Menschen aus anderen Ländern ins Gericht: Sie sollen sich weniger vermehren, dass wir mehr unookologisch sein können.» «Studiert man den Initiativ-text, so sieht man, dass es keine Rolle spielt, ob unökologisches Verhalten oder mangelnde Familienplanung in der Schweiz fehlt»

    Falsch. Die Initiative will jenen Menschen Zugang zu SELBSTBESTIMMTER Familienplanung ermöglichen. Lesen Sie den Initiativtext durch und Sie werden feststellen, dass dort «freiwillige Familienplanung» steht. Dabei setze ich voraus, dass sie den Begriff «freiwillig» kennen und auch interpretieren können.

    Den Zugang zu Möglichkeiten der Familienplanung ist ein Menschenrecht und für uns in Europa seit 50 Jahren etwas selbstverständliches. Daher kann von mangelnder Familienplanung in der Schweiz keine Rede sein.

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  3. Patrick Tanner, 09.07.2014, 09:27 Uhr

    Werter Herr Kneubühler, Sie machen sich die Welt offensichtlich à la Pippi Langstrumpf. Was nicht in Ihr dogmatisch-ideologisches Koordinatensystem passt, wird einfach ausgeblendet und für unwahr erachtet. So behaupten Sie wider allen wissenschaftlichen Tatsachen allen Ernstes, dass es KEINE Rolle spiele, wie viele Menschen in der Schweiz und auf der Welt «wohnen», denn es komme nur auf den Lebensstandart (ökologischen Fussabdruck) und die Verteilung der Güter an. Wie widersinnig diese Behauptung ist, zeigt einerseits die Tatsache, dass sich der Lebensstandart aktuell reziprok zum ökologischen Fussabdruck verhält, weshalb der individuelle Ressourcenverbrauch in der Schweiz massiv viel höher ist als in der 3. Welt und andererseits die Tatsachen (die von keinem renommierten Wissenschaftler bestritten werden), dass der gesamte, globale ökologische Fussabdruck sich aus der Summe der individuellen ökologischen Fussabdrücke zusammensetzt und dass die lokalen (auch in der Schweiz) und globalen Ressourcen begrenzt sind. ECOPOP ist nicht gegen die Reduzierung des individuellen ökologischen Fussabdruckes; aber auch wenn dieser um 10% in der CH aber auch weltweit reduziert wird (was eine herkulische Leistung wäre und aktuell weder in der CH noch global bewerkstelligt werden kann und stattfindet), wird die Summe der individuellen ökologischen Fussabdrücke durch einen 10%igen Bevölkerungszuwachs (wie er aktuell immer noch in der CH aber auch weltweit stattfindet) mehr als zunichte gemacht.
    Ihre Diffamierung des «Nationalökologismus» zeigt nur auf, dass Sie einen Argumentationsnotstand haben, weshalb sie beleidigend «auf den Mann spielen». Die freiwillige Familienplanung funktioniert in der reichen CH bestens, weshalb die CH-Bevölkerung mit einer Geburtenrate von 1,5% ohne exorbitant hohe Zuwanderung mittelfristig abnehmen würde. Deshalb muss gemäss dem Prinzip «act locally, think globaly!» in der CH, in der die Ressourcen wider Ihre Behauptung auch endlich sind, die Zuwanderung aus ökologischen Gründen reduziert werden und global mittels Entwicklungshilfe auch in die freiwillige Familienplanung (nebst anderem) investiert werden.

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  4. Samuel Kneubuehler, 09.07.2014, 00:58 Uhr

    Die ECOPOP sind Wachstumsskeptiker, also des Club of Rome. Gepaart mit der Ausassagen von Herr Tanner wie dieser zeigt sich ihr wahres Gesicht: » Tatsächlich weisen die Initianten darauf hin, dass die ANZAHL Menschen relevant ist für den Erhalt der Lebensgrundlagen und für die Umweltbelastung. Nur wer alle Fakten ignoriert und mit geschlossenen Augen durch die Welt geht, kann diesen Zusammenhang verleugnen.»

    Es spielt KEINE Rolle, wie viele Menschen in der Schweiz oder auf der Welt wohnen. Es kommt auf den Lebensstandart (den ökolog. Fussabdruck) und die Verteilung der Güter an. Die Initiative geht arrogant mit Menschen aus anderen Ländern ins Gericht: Sie sollen sich weniger vermehren, dass wir mehr unookologisch sein können. – So könnte ich das zynisch behaupten. Studiert man den Initiativ-text, so sieht man, dass es keine Rolle spielt, ob unökologisches Verhalten oder mangelnde Familienplanung in der Schweiz fehlt. Sprich: Es spielt keine Rolle, was wir tun, hauptsache «die anderen» tun nichts unökologisches. Dieses Denken entspricht dem Nationalökologismus. National deshalb, weil es in Nationalstaaten denkt, was in der heutigen globalisierten Welt onehin ein Relikt von vorvorgestenrn ist.

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  5. Felix Wirz, 07.07.2014, 21:39 Uhr

    Raffael [email protected]

    Ich Zitiere: „2. Freiwillige Familienplanung mag ein Menschenrecht sein. Doch Kondome oder gar die Pille bringen hier wenig.“ Das tönt für mich vergleichbar wie: Genügend zu Essen haben mag ein Menschenrecht sein, aber Brot oder gar Kartoffeln bringen hier wenig.
    Gehört zu einem Menschenwürdigen Leben nicht auch die Möglichkeit, selber bestimmen zu können, wann und wie viele Kinder man hat??

    Ich habe vor kurzem eine junge und sehr aufgestellte Philippina kennengelernt, die mir aus ihrem Leben und den familiären Umständen in ihrem Heimatland erzählte. (Anmerkung: Mittel zur Familienplanung sind in diesem katholischen Land einem grossen Teil der Bevölkerung NICHT zugänglich).
    Die Grossmutter der Dame hat 14 Kinder. Die Cousine ist 13 Jahre alt und hat gerade ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Der Cousin hat 8 Kinder von 8 verschiedenen Frauen, diese sind mehrheitlich in Kinderheimen/Pflegefamilien untergebracht und eine richtige Versorgung der Kinder ist nicht gewährleistet.
    Sie können sich jetzt selber fragen, ob Kondome oder gar die Pille hier wirklich wenig gebracht hätten. Meine Gesprächspartnerin war auf jeden Fall sehr froh, hier in der Schweiz Zugang zu Verhütungsmitten zu haben….

    Zu Ihrem letzten Abschnitt kann ich Ihnen nur sagen, dass ich bewusst wenig Energie verbrauche und selber konsequent nicht fliege. In meiner Wohngemeinde habe ich in den letzten 10 Jahren alle geplanten Einzonungen zusammen mit Gleichgesinnten zu Fall gebracht. Auch habe ich sämtliche Initiativen in diese Richtung wie Zweitwohnungsinitiative, Kulturlandinitiative etc. unterstützt.

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  6. Patrick Tanner, 07.07.2014, 16:20 Uhr

    Die Formulierung der ECOPOP-Initiative stammt von Akademikern und war offensichtlich zu «ehrlich», was dazu führte, dass man sie aus Unvermögen nicht versteht oder noch schlimmer aus ideologischen Gründen nicht verstehen will. Damit sie auch für Nicht-Akademiker, Nicht-Mathematiker und vornehmlich für Lobby-gesteuerte und ideologisch verbrämte Politiker verständlich wird und folglich nicht «verdreht» werden kann, muss eine zukünftige Initiative folglich etwa so formuliert werden: «die Zuwanderung darf im Dreijahresdurchschnitt (oder noch besser im Fünfjahresdurchschnitt: damit nicht wieder behauptet werden kann, sie sei unflexibel, was die ECOPOP-Initiative gar nicht ist) pro Jahr nicht höher als 100000 (brutto) sein. Da seit Jahrzehnten im Durchschnitt ca. 90000 aus der Schweiz auswandern, würde dann die Nettozuwanderung bei etwa 10000 pro Jahr liegen, was in etwa dem entsprechen würde, was der Bundesrat bei der 1. Personenfreizügigkeit im Abstimmungsbüchlein als Höchstzuwanderung prognostiziert resp. dem CH-Stimmvolk vorausgesagt hat. Das würde dann nicht mehr als «radikal» beurteilt, obwohl dadurch die Nettozuwanderung ca. 6500 unter derjenigen der ECOPOP-Initiative liegen würde.

    P.S. werter Herr Fischer, ECOPOP hat sowohl die Zweitwohnungsinitiative von Franz Weber unterstützt und mehrere tausend Unterschriften gesammelt (weshalb Herr Weber auch in seinem Journal massiv Werbung für ECOPOP gemacht hat und diese zur Annahme empfielt), als auch die Kulturlandinitiatve der Grünen des Kantons Zürich unterstützt und Unterschriften gesammelt. Schon zu Beginn der 1980er Jahre war ECOPOP dezidiert gegen die Immobilienspekulation und gegen den Erwerb von Immobilen durch nicht in der Schweiz wohnhafte Ausländer und ausländische Immobiliengesellschaften, was in etwa genau dem Gleichen entspricht, wofür die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran aktuell verbissen kämpft, um der grassierenden Immobilienspekulation Herr zu werden. Damals wurde dies von der SP mit dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit noch vehement bekämpft (mittlerweile haben sie glücklicherweise dazu gelernt).

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  7. Patrick Tanner, 07.07.2014, 15:30 Uhr

    Werter Herr Raffael Fischer, die ECOPOP-Initiative ist glasklar und unmissverständlich formuliert: «die STÄNDIGE CH-Wohnbevölkerung darf durch Zuwanderung im Dreijahresschnitt pro Jahr nicht mehr als 0,2% (bezogen auf die CH-Bevölkerung: aktuell ca. 8,15 Mio) zunehmen.» Da seit 2002 pro Jahr durchschnittlich 93000 aus der Schweiz auswandern und sich gemäss Gesetz abmelden müssen, ergo nicht mehr zur STÄNDIGEN CH-Wohnbevölkerung gehören, dürfen pro Jahr 109000 sich in der Schweiz niederlassen. Übrigens ist die Auswanderung aus der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik über Jahrzehnte recht stabil und lag von 1990 bis 2000 über 100000, von 1980 bis 1990 bei 82000 und von 1970 bis 1980 sogar bei 142000. Das sind die Fakten und ständiges Wiederholen von Unwahrheiten zur ECOPOP-Initiative werden dadurch nicht wahrer. Zudem, gemäss ECOPOP-Initiativtext dürfen im 1. Jahr nach Annahme der Initiative netto 49500 (0,6%), brutto also 142500 und im 2. Jahr nach Annahme netto 33000 (0,4%), brutto 126000 in die Schweiz einreisen resp. niederlassen. Erst ab dem 3. Jahr gelten im Dreijahresschnitt die 0,2% pro Jahr. Das ist alles andere als radikal und abschottend. Zudem haben wir noch einen Geburtenüberschuss von 17000 pro Jahr, so das auch mit ECOPOP die CH-Bevölkerung pro Jahrzehnt um mehr als 340000 zunehmen wird, was mehr als doppelt so hoch ist wie der EU-Durchschnitt. Aber ich sehe, sogar beim SVP-Mitglied Pirmin Müller hat die EU-phile desinformative Gegenpropaganda zu ECOPOP (wahrscheinlich von der neoliberalen economiesuisse diktiert) verfangen! Die bodenständigen, nicht indoktrinierten und Wirtschafts-hörigen Parteilosen und auch die SVP-Basis werden ihre Politiker wieder auf den Boden holen.

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  8. Raffael Fischer, 07.07.2014, 14:43 Uhr

    Es ist nicht immer der Fall, dass ich mit Pirmin Müller politisch übereinstimme. Diesmal muss ich ihm jedoch in vielen Punkten recht geben:
    1. Wie der Verein Ecopop die eigene Forderung nach einer Limite der Nettozuwanderung von 0,2% neuerdings auf eine Limite von 100’000 Personen hochrechnet, ist schon bemerkenswert. Stillschweigend soll also eine konstante Auswanderung von 85’000 Personen pro Jahr ins Kalkül einbezogen werden? Das scheint mir nicht plausibel. Würde Ecopop angenommen, wäre das – noch weit deutlicher als das Ja vom 9. Februar – ein Signal einer verschlossenen Schweiz, die den Austausch mit ihrer Umgebung kappt. Heute ist ein Kommen und Gehen zwischen Nationen üblich. Aber wären Leute aus einem Land, das sich verschlossen zeigt, noch überall in der Welt willkommen? Ich bezweifle es sehr. Ecopop limitiert bei 0,2% und das sind nun mal 16’000 Personen pro Jahr. Die in einem Jahr Auswandernden können nicht einfach vorausgeplant werden.
    2. Freiwillige Familienplanung mag ein Menschenrecht sein. Doch Kondome oder gar die Pille bringen hier wenig. Es geht um andere Menschenrechte – auf ein menschenwürdiges Leben, ohne Krieg und Gewalt, ohne Ausbeutung von Kinderarbeit und viel mehr. Am besten wirkt Bildung.

    Ginge es den Initianten wirklich um den Erhalt der Lebensgrundlagen, dann würden sie sich mit uns Grünen für Verbesserungen einsetzen, die im hier und jetzt ansetzen: Wie wäre es mit etwas weniger grosszügigen Bauzonen, einer besseren Raumplanung oder etwas weniger Verkehr im privaten Motorfahrzeug oder einem Flug pro Jahr weniger? Es ist viel zu einfach, nur auf andere zu zeigen, als ob nur Migranten aus anderen Ländern die Umwelt zerstörten.

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  9. Felix Wirz, 06.07.2014, 21:49 Uhr

    Herr Gisler @

    Zum ersten Teil:

    -„ Stopp der neoliberalen Tiefststeuerpolitik“ Einverstanden.
    -„ wirkungsvolle Lohnschutzmassnahmen“ Unbedingt!
    -„ intelligente Lösungen zur Eindämmung und besseren Bewältigung der Mobilität“ Nötiger den je.
    – „Schaffung zahlbaren Wohnraums, striktere Raumplanung“ Schon lange überfällig.
    -„ bessere Nutzung der Arbeitskräfte in der Schweiz“ Darauf warte ich schon lange.

    Nichtsdestotrotz hat aber auch die Zuwanderung ihren gewichtigen Beitrag zum angesprochenen aktuellen masslosen enthemmten Wachstum! Das zu verleugnen ist ebenso falsch, wie die Behauptung wäre, die von Ihnen vorgeschlagenen Punkte seien wirkungslos. Massnahmen braucht es daher in beiden Bereichen.

    Zum zweiten Teil:

    -„ Die Menschen wissen, wie verhüten und haben auch Zugang zu Verhütungsmitteln“ Bei den Einen mag das ja zutreffen. Und was ist mit den laut UNO Bericht Millionen von Anderen, bei denen einer oder beide dieser Punkte nicht zutrifft?? Fallen die bei Ihnen aus dem Raster?
    – „Allein ihre wirtschaftliche Situation lässt dies nicht zu“ GENAU darum will die UNO und Ecopop den Zugang zu Möglichkeiten der Familienplanung ja fördern.
    -„ darum sind die nachweislich effektivsten Massnahmen Geburtenexplosionen zu verhindern: gute Ausbildungen, wirtschaftliche/berufliche Perspektiven, soziale Sicherheit (Renten, Krankenkasse, etc.)“ Meine Freundin hat einen Hochschulabschluss, einen sehr gut bezahlten Job, AHV, Pensionskasse, Dritte Säule und Krankenkasse. Das würde uns daher sehr interessieren und dementsprechend wären wir über Ihre demensprechende Informationen sehr dankbar, wie wir in Zukunft allein mit diesen Gegebenheiten und ohne Verwendung von weiteren Verhütungsmitteln verhüten könnten?? Durch die so mögliche Einsparung der Pille könnten wir sicher viel Geld sparen.

    -„ Stärkung der Rechte der Frauen (Selbstbestimmung).“ GENAU DAS will Ecopop erreichen. FREIWILLIGE FAMILIENPLANUNG nach Ecopop heisst, den Menschen den freien Zugang zu sexueller Aufklärung und Möglichkeiten der Familienplanung (Verhütungsmittel) ermöglichen. So dass die Frauen (wie auch die Männer) SELBSTBESTIMMT bestimmen können, wann und wie viele Kinder sie wollen.

    Mir scheint, Sie haben ein völlig falsches Bild über den zweiten Teil der Initiative. Ecopop will NICHT die Menschen bevormunden, wie viele oder wenige Kinder sie zu bekommen haben, sondern Ecopop will jenen Menschen den Zugang zur SELBSTBESTIMMTEN Familienplanung ermöglichen.

    Freier Zugang zu Möglichkeiten der Familienplanung ist übrigens seit 1968 ein Menschenrecht der UNO. Die UNO selbst hat erst kürzlich zum wiederholten male die westlichen Länder dazu aufgefordert, mehr finanzielle Mittel für die Förderung dieses Menschenrechtes bereitzumachen. Der zweite Teil der Ecopopinitiative entspricht also genau jener Aufforderung der UNO.

    Übrigens arbeiten einige Mitglieder von Ecopop ebenfalls in der Entwicklungshilfe, und kennen die Sorgen und Probleme der Menschen auch aus praktischer Erfahrung.
    Viele Hilfswerke haben einen religiösen Hintergrund und stehen deshalb Aufklärung, Verhütung und dementsprechend auch Ecopop kritisch gegenüber. Bestes Beispiel ist die Katholische Caritas.

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  10. Stefan Gisler, 06.07.2014, 08:54 Uhr

    Ich mache alternativgrüne Politik und bin beruflich in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Und darum bin ich aus praktischer Erfahrung gegen Ecopop.
    Seit Jahren prangern die Alternativen – die Grünen das enthemmte Wachstum im Kanton Zug und seine negativen Folgen für Mensch und Umwelt an. Gleichzeitig zeigen konstruktiven Lösungen auf – Stopp der neoliberalen Tiefststeuerpolitik, wirkungsvolle Lohnschutzmassnahmen, intelligente Lösungen zur Eindämmung und besseren Bewältigung der Mobilität, Schaffung zahlbaren Wohnraums, striktere Raumplanung, bessere Nutzung der Arbeitskräfte in der Schweiz (Vereinbarkeit Beruf und Familie, Bekämpfung Jugendarbeitslosikeit etc.). Alle Probleme auf die Zuwandernden zu schieben ist zu einfach – wir müssen bei uns die Hausaufgaben machen.
    10% der Entwicklungsgelder für reine «Familienplanung» auszugeben ist gut gemeint, aber wirkungslos. Die Menschen wissen, wie verhüten und haben auch Zugang zu Verhütungsmitteln. Allein ihre wirtschaftliche Situation bzw. ihr soziales Umfeld lässt dies nicht zu – darum sind die nachweislich effektivsten Massnahmen Geburtenexplosionen zu verhindern: gute Ausbildungen, wirtschaftliche/berufliche Perspektiven, soziale Sicherheit (Renten, Krankenkasse, etc.), Stärkung der Rechte der Frauen (Selbstbestimmung). Doch solange man so arm ist, dass Kinder als Arbeitskräfte und «Lebensversicherungen» eingesetzt werden, so lange nützt das Verteilen und Erklären von Präservativen herzlich wenig.

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