Eine massgeschneiderte Bildung im Kanton Zug
Drei Reformvorschläge, die Bildung in Zug zu verbessern

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Neben der Kantonsschule Menzingen sollte ein weiterer Standort für ein Kurzzeitgymnasium angeboten werden. (Bild: Andreas Busslinger)

Der Kanton Zug ist in vielen Themen Spitzenreiter, doch man kann sich immer verbessern. Mit einem Kurzzeitgymnasium im Ennetsee, nachgelagerten Studiengebühren und einer Erweiterung des Bildungskonkordates Richtung Zürich könnte der Kanton Anreize schaffen, damit der Nachwuchs massgeschneiderte und den Fähigkeiten entsprechende Wege für die Ausbildung nutzen kann.

Es braucht endlich auch im Ennetsee ein Kurzzeitgymnasium. Wenn heute einer Schülerin aus Hünenberg erst in der Sekundarschule der «Knopf aufgeht», dann muss sie für das Kurzzeitgymnasium einen langen und mühsamen Weg in Kauf nehmen. Die Busverbindung dauert fast eine Stunde und vermindert den Anreiz, diesen Bildungsweg einzuschlagen. Vielmehr wird auf Biegen und Brechen versucht, bereits in der 6. Klasse an die Kantonsschule zu gehen, um die Fahrt nach Menzingen zu vermeiden.

Was beim Langzeitgymnasium verloren geht, ist die Auseinandersetzung mit der Berufslehre beim traditionellen «Schnuppern». So wählt die eine oder der andere einen akademischen Weg, obwohl die Berufsbildung eher den Fähigkeiten entsprochen hätte. Mit dem Kurzzeitgymnasium bekommt man aber den Fünfer und das Weggli. Einerseits befasst man sich früh mit der Arbeitswelt, andererseits hat man immer noch die Möglichkeit, eine akademische Laufbahn einzuschlagen.

Aus diesen Gründen fordert die FDP-Fraktion in einem Postulat, zu prüfen, ob neben der Kantonsschule Menzingen ein weiterer Standort für ein Kurzzeitgymnasium im Ennetsee angeboten werden soll. Bis zur Erstellung einer Kanti Ennetsee soll dies an der Kantonsschule Zug erfolgen.

Studenten brauchen Skin in the Game

Aufgrund der Gratismentalität in der Bildung verlieren immer mehr Studierende die Wertschätzung für die vom Staat erbrachte Leistung. Dieser kann je länger, desto weniger Steuerertrag aus den hohen Investitionen in das Humankapital schöpfen. Oft wird ein erstes Studium abgebrochen, ein zweites begonnen und erst noch in einem Bereich, wo bereits ein Überfluss an Arbeitskräften besteht. Anschliessend arbeiten die Studienabgänger Teilzeit oder wechseln den Beruf gänzlich. Eine Untersuchung, welche die Luzerner Historikerin Andrea Franc im Schweizer Monat zitiert hat, zeigt: Seit 1980 hat die Zahl der Geistes- und Sozialwissenschaftler um rund 190 Prozent zugenommen.

Der tiefe Lohn aber gibt Hinweise darauf, dass sich die Nachfrage in Grenzen hält. Durchschnittlich verdient ein Geisteswissenschaftler 3’750 Franken im Monat. Das ist weniger als eine Pflegehelferin (4’102 Franken) oder ein Tramchauffeur (5’221 Franken). Bei Ausklammerung der Sekundarlehrerlöhne würde das tatsächliche Durchschnittseinkommen der ­Geisteswissenschafter und somit deren Steuerbeitrag nochmals dramatisch sinken.

Nachgelagerte Studiengebühren

Um die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen, könnten nachgelagerte Studiengebühren Abhilfe schaffen. Lassen Sie mich vorwegnehmen: Ich möchte keine amerikanischen Verhältnisse. Eine mögliche Vorgehensweise skizzieren Stefan C. Wolter und Conny Wunsch in einem Beitrag in der NZZ. Zusammengefasst schlagen die Autoren vor, dass die Studienkosten innerhalb von 20 Jahren in Tranchen zurückbezahlt werden sollen.

Übersteigen die im jeweiligen Jahr gezahlten Steuern den durchschnittlichen Steuerbetrag einer Erwerbsperson mit einem Abschluss auf der Sekundarstufe II, so kann der Überschuss von der Tranchenzahlung abgezogen werden. Es fallen also nur Kosten bei Personen an, welche nicht das ganze Potenzial aus ihrer Ausbildung schöpfen. Gewiss ist dies nur eine erste Idee, welche vertieft geprüft werden muss. Nichtsdestotrotz muss unbedingt eine Diskussion zu diesem Thema angestossen werden und der Kanton Zug könnte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.

Bildungsraum in Richtung Zürich erweitern

Zu guter Letzt müssen wir unseren Bildungshorizont Richtung Zürich erweitern. Heute endet dieser an der Sihl und führt aufgrund des Bildungskonkordates dazu, dass wir uns Richtung Zentralschweiz orientieren. Die immer besseren Zugverbindungen und das grosse Bildungsangebot in Zürich würden viel Potenzial eröffnen. Namentlich die Berufsmatura II, die Matura für Erwachsene, aber auch die Passerelle sollen künftig auch in Zürich vom Kanton unterstützt werden.

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1 Kommentare
  1. Josef Zurbuchen, 24.02.2022, 11:44 Uhr

    Von mir aus kann man die Langzeitgymansien ohne weiteres abschaffen und nur noch Kurzzeitkantonsschulen haben.
    Bezüglich dem Werbeartikel in der NZZ: Nur weil die Rechnung individuell für die erfolglosen Absolventen nicht aufgeht, heisst das nicht, dass es *in der Erwartung* nicht aufgehen muss. Im Gegenteil: Der Wissens- und Innovationslandschaft Schweiz würde ein wichtiger Kapitalstock wegbrechen, wenn wir uns auf diesem Forschungsfeld durch falsche Anreize ohne Not verabschieden. *In der Erwartung* würden wir ärmer!

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