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Die dringend nötige Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit
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In der reichen Schweiz sind eine halbe Million Menschen von Armut betroffen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wenige haben immer mehr Die dringend nötige Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit

4 min Lesezeit 1 Kommentar 22.08.2019, 11:22 Uhr

«Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer ärmer.» Ein Sprichwort, das man nicht erst seit ein paar Monaten zu hören bekommt. Worte, an denen sich die Geister ganz offensichtlich scheiden, glaubt der Präsident der Luzerner Juso, Jonas Ineichen. Sie würden sich auf Verteilungsgerechtigkeit beziehen; die Frage, wer wie viel vom stetig wachsenden Kuchen bekommen soll.

Für die Zentralschweiz und die Schweiz im Allgemeinen lässt sich in Bezug auf dieses Thema wohl mit Recht behaupten: Vielen Menschen hier geht es gut.

Diese nüchterne Feststellung soll allerdings nicht über den wichtigen Fakt hinwegtäuschen, dass auch und gerade in der Schweiz ein markantes Wohlstandsgefälle besteht.

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Aus viel wird mehr

Die Schweiz ist ein reiches, aber ungleiches Land. So besitzt das reichste Prozent der Schweizer Bevölkerung rund 40 Prozent des Gesamtvermögens. Und die Vermögen dieser Superreichen nehmen auch noch stetig zu, denn wer über viel Kapital verfügt, kann gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs an den Finanzmärkten weiteres Kapital ansammeln.

So sind die Einkommen des reichsten Prozentes, gemäss einer Berechnung des Online-Magazins «Republik» seit 1982 um 284 Prozent gestiegen, während jene der ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung im selben Zeitraum nur um 173 Prozent zunahmen. Der am Anfang genannte Satz lässt sich also präziser ausdrücken: «Die Armen bleiben arm und die Reichen werden immer schneller immer reicher.»

Sozialstaat in der Defensive

Man könnte nun wiederum einwerfen, dass es den Menschen in der Schweiz offensichtlich gut gehe und die Vermögensungleichheit damit kein Problem darstelle.

Doch ganz abgesehen davon, dass es jedem gesunden Menschenverstand und jeglicher Vorstellung von Fairness wiederspricht, dass gewisse Menschen das X-Fache anderer verdienen, ohne mehr zu arbeiten, verkennt ein solcher Ausspruch die aktuelle Situation.

Im Gegensatz zu Schwerreichen sind die allermeisten Menschen in der Schweiz nämlich auf staatliche Leistungen angewiesen: Das gute staatliche Bildungssystem, die sozialen Absicherungsmechanismen, öffentliche Infrastruktur.

Doch gerade diese Leistungen werden von der Politik gerade im Kanton Luzern mehr und mehr umgebaut oder gar generell in Frage gestellt. Meist werden Angriffe auf den Sozialstaat mit knappen Staatskassen gerechtfertigt. Wer in Luzern wohnt, kann vom ständig drohenden Leistungsabbau viele Liedchen singen.

Umverteilung von Vermögen ist schlecht gelöst

Während einige wenige im Geld schwimmen, werden den anderen also die benötigten Leistungen gestrichen. Es erscheint angesichts dieser Tatsache nur logisch, dass neue Wege gefunden werden müssen, um eine gerechtere Verteilung der Vermögen zu erreichen.

In der Schweiz tragen Steuern, anders als etwa in nordischen und angelsächsischen Staaten, nur wenig zur Rückverteilung von Vermögen bei. Dies zeigt eine Berechnung der Grossbank UBS und der Universität Zürich. Die Einführung einer Kapitalgewinnsteuer auf Dividenden und Zinsen könnte ein möglicher Ansatz sein, um dieses Defizit zu beseitigen.

Reiche wird es immer geben

Mit Neid hat diese Idee nichts zu tun, schliesslich verdienen Superreiche einen Grossteil ihres Geldes mit der Arbeit anderer, denn ohne Mitarbeiterinnen könnte auch das beste Management keine Gewinne einfahren.

So funktioniert unser Wirtschaftssystem nun mal. Es soll in der Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit keineswegs darum gehen einer Gruppe von Menschen ihre Leistungen abzusprechen. Zweifelsohne haben viele Menschen mit grossen revolutionären Ideen und viel Engagement unser aller Leben verbessern und dafür auch eine verdiente monetäre Entschädigung erlangen.

Arbeit macht selten reich

Dennoch ist der Traum, dass jeder Mensch mit einer guten Idee vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, schon lange ausgeträumt. Die meisten Neureichen verdanken ihren Geldsegen nicht bloss der eigenen Leistung, sondern zu einem Grossteil ihren Vorfahren und den Chancen, welche sie in die Wiege gelegt bekommen haben.

Heute wird nicht reich wer hart und lange arbeitet, sondern wer bereits über Kapital verfügt und dieses geschickt für sich arbeiten lässt oder wer schlicht eine Menge Glück hat.

Armut gibt es auch in der Schweiz

Verteilungsgerechtigkeit ist deshalb auch immer eine Frage der Chancengleichheit. Und um diese steht es in der Schweiz vielleicht besser als in anderen Staaten, am Ziel sind wir deshalb aber noch lange nicht.

Solange selbst in einem der reichsten Länder der Welt über eine halbe Million Menschen in Armut leben, liegt Verteilungsgerechtigkeit noch in weiter Ferne.

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1 Kommentare
  1. Felix von Wartburg, 23.08.2019, 02:55 Uhr

    Wenn eine halbe Million Menschen in unserem reichen Lande in Armut oder an der Armutsgrenze leben, wenn Kommunen, Kantone und der Bund Ausgabenstopps und Sparprogramme in die Wege leiten müssen, während andererseits reiche Einzelpersonen und die Finanzwirtschaft mit ihren filigranen Verästelungen sich auch in Zeiten schwacher Wirtschaftsleistung fast grenzenlos bereichern können, da muss etwas an unserem System, an unserer Gesellschaft, an der Weltordnung nicht stimmen.
    Ich kann einfach nicht verstehen, warum das Geld nicht dort abgeschöpft wird wo es im Überfluss vorhanden ist. Denn dieses Geld wurde auf dem Buckel anderer erschaffen und nicht von den Abschöpfern. Ein Pilzsammler geht doch nicht in die Wüste, sondern dorthin, wo er genau weiss, dass er fündig wird. Seit es so ist, dass man mit Geld mehr verdienen kann als mit Arbeit, gerät unsere Gesellschaft – und die Menschheit weltweit – immer mehr in Schieflage.
    Erzählt doch mal einem Bienenvolk, dass dessen Arbeit sinn-, zweck- und ertragslos ist. Erklärt doch den Bienen, dass sie Sklavenarbeit verrichten um der Natur zu dienen und einigen wenigen Menschen zu übertriebenem Reichtum verhelfen, ohne dafür gerecht entschädigt zu werden; dass sie im Gegenteil immer mehr um ihre Lebensgrundlage gebracht werden. Sagt den Bienen, dass sie schlicht und einfach ausgebeutet und nie und nimmer für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden.
    Übrigens: Jeder Vergleich zur Arbeitswelt von uns Menschen und zu unserer Politik wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.