Der Kanton Zug muss raus aus der Pandemie und Lust auf Zukunft machen
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Auch für die Zuger Landwirtschaft bieten sich neue Chancen – durch lokales und nachhaltigeres Konsumieren. (Bild: Andreas Busslinger)

Wohnen und Arbeiten werden neu definiert Der Kanton Zug muss raus aus der Pandemie und Lust auf Zukunft machen

5 min Lesezeit 7 Kommentare 04.06.2021, 11:02 Uhr

Die Covid-Fallzahlen sinken rapide und im Kanton Zug wird fleissig geimpft. Lockerungen wurden bereits umgesetzt und weitere werden folgen. Dies stimmt Politblogger Cédric Schmid für die Zukunft des Kantons Zug und dessen Bevölkerung sehr positiv. Allerdings sind in Sachen Digitalisierung und Verkehrsentwicklung einige Baustellen offen.

Erinnern Sie sich noch an das «alte Normal»? Wie sah unser Kanton in der Zeit vor März 2020 aus? Und was bleibt in der Zukunft von dem, was wir in diesen rund eineinhalb Jahren der Pandemie erlebt und viele Menschen auch erlitten haben? Politik, Wirtschaft und nahezu sämtliche Institutionen im Kanton Zug wurden von dieser Krise erfasst. Nun muss der Kanton Zug raus aus der Pandemie und für seine Bevölkerung Lust auf Zukunft machen!

Jede Krise beinhaltet Chancen

Wie schwer die Lockdown-Folgen für den Wirtschaftsstandort Zug sein werden, ist noch nicht bekannt. Was aber klar ist: Der Kanton Zug und die Zentralschweiz erhalten die Chance, sich als Wirtschaftsstandort neu zu positionieren. Mit den Start-ups des Crypto Valley und den Jungunternehmern in weiteren Branchen erleben wir derzeit den Durchbruch der nächsten Generation von Unternehmen, die schon längst in den Startlöchern stehen. Mit ihren neuen Geschäftsmodellen, Prozessen, Angeboten und ihrer neuen Art der Kommunikation bekommt der Kunde einen neuen Stellenwert. Dies ist nicht nur Wunschdenken eines neu gewählten Zuger FDP-Präsidenten, sondern Zuger Realität. Die Handelsregistereinträge der neu gegründeten Unternehmen führen uns diese sehr erfreuliche Entwicklung mehr als deutlich vor Augen.

Rahmenabkommen aus Zuger Perspektive

Der uneingeschränkte Zugang zum EU-Markt ist für Zuger Unternehmen und insbesondere für die erwähnten Jungunternehmen essenziell, denn damit wird es ihnen ermöglicht, ihre digitalen Geschäftsmodelle international auf- und auszubauen.

Der Bundesrat hat neulich entschieden, die letzte Version des Rahmenabkommens nicht zu unterzeichnen und folglich die Verhandlungen mit der EU abzubrechen. Das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Beamten aus Brüssel nahm mit zunehmender Verhandlungsdauer stetig zu. Der Bundesrat hat es in den vergangenen sieben Jahren allerdings leider verpasst, die Chancen und Risiken dieses Abkommens mit der Bevölkerung ausgiebig zu diskutieren. Stattdessen übernahmen immer mehr Selbstinszenierer und Populisten aus dem linken und dem rechten Lager, aber auch aus der konservativen Mitte die Deutungshoheit über das EU-Dossier.

Zum Autor

Cédric Schmid (Jahrgang 1980) wurde am 5. Mai 2021 zum Präsidenten der FDP Kanton Zug gewählt, nachdem er zwei Jahre die Stadtpartei angeführt hatte. Beruflich führt er sein eigenes Treuhandunternehmen.

Gefragt sind nun neue, fortschrittliche und konstruktive Ideen, die über die Parteigrenzen und Einzelinteressen hinweg Wohlstand für die Gesamtbevölkerung erhalten und schaffen. Leichtfertig vergessen die genannten Gruppierungen, dass wir den in den letzten 50 Jahren geschaffenen Wohlstand im Kanton Zug den vielseitigen Handelsbeziehungen und der Forschungszusammenarbeit mit den europäischen Nachbarländern sowie dem internationalen Rohstoffhandel zu verdanken haben. Als Zuger Politiker werde ich nun alles daransetzen, dass diese zentralen Beziehungen für unseren Kanton nicht erodieren.

Digitalisierung muss endlich Alltag im Kanton Zug werden

Digitales Bezahlen, Einkaufen, und Arbeiten lassen uns heute immer deutlicher erahnen, wie diese neue Normalität aussehen könnte. Zuger Unternehmen, aber auch die Zuger Verwaltung, sind nun gefordert, sich noch viel konsequenter neu aufzustellen.

Home-Office war bis vor Kurzem undenkbar oder im Reich der Fantasie verortet. Corona hat diesen Prozess massiv beschleunigt. Ein wichtiger Treiber dieser neuen Arbeitsform sind auch die digitalen Zoom-Meetings, welche einige von uns lange als «digitale Muppet-Show» belächelt haben. Ja, diese Kommunikationsart ist neu und deshalb auch anstrengend, letztlich aber äusserst effizient. Physische Meetings vor Ort, beispielsweise bei einem Kunden, werden teilweise überflüssig. Die An- und Abreisezeit zu diesen Meetings kann plötzlich für andere Aktivitäten genutzt werden.

Wohnen und Arbeiten werden gerade neu definiert. Mit dem jüngsten Vorstoss zu bezahlbarem Wohnen im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug nehmen wir uns dieses für Zug wichtigen Themas an. Und ganz selbstverständlich müssen bei neuen Arealüberbauungen wie bei der ZVB oder dem alten Kantonsspital diese Überlegungen berücksichtigt werden. Letztlich gilt es in diesem Kontext auch Mobilitätsketten und das Verkehrsaufkommen in der Zuger Innenstadt, aber auch in den Dorfzentren der Zuger Gemeinden zu beurteilen.

Die «verschobene» Diskussion rund um einen Zuger Stadttunnel oder einen Umfahrungstunnel von Unterägeri sind deswegen nicht obsolet geworden, sondern müssen rasch wieder auf die politische Agenda gesetzt werden. Dorfplätze oder der Zuger Postplatz dürfen nicht länger Verkehrsschneisen bleiben. Sie sollen vielmehr zu Begegnungsorten, zu analogen Marktplätzen für das Zuger Gewerbe und somit zu attraktiven Orten und Sinnbild der Zuger Lebensqualität werden, die Lust auf Zug als Wohn- und Arbeitsort machen.

Lokales und nachhaltiges Konsumieren

Vor Corona galt bei vielen Konsumenten das Motto «Geiz ist geil». Wir orientierten uns überwiegend am Preis und ignorierten die Langzeitfolgen unseres Konsums für Menschen und Natur. Auch nach Corona werden nachhaltige globale Wertschöpfungsketten immer mehr an Bedeutung gewinnen. Bei den Importen gilt es umso mehr darauf zu achten, dass wir uns nicht willenlos dem globalen Einheitsbrei unterwerfen und dabei unsere eigene Innovationskraft vernachlässigen.

Die Zuger Landwirtschaft – vor allem unsere Chriesi-Kultur – sind identitätsstiftend und allgemeines Kulturgut. Wir haben nun die einmalige Chance, diese Kultur zusammen mit dem ansässigen Detailhandel weiterzuentwickeln. Vertikale Landwirtschaft und urbane Farmen sollen künftig auch in Zug entstehen. Eine Landwirtschaft der kurzen Wege, CO2-neutral, ohne Pestizide und ohne Trinkwasserbelastung. Diese neue Landwirtschaft kann ohne neue Gesetze entstehen. Nur am Umsetzungswillen und an der Lust auf nachhaltige Zukunftsgestaltung darf es nicht fehlen.

Ich lade Sie gerne dazu ein, mit mir und der FDP.Die Liberalen weitere Visionen und Zukunftsbilder zu entwickeln. Wenn Sie Lust auf den Kanton Zug und die Zentralschweiz haben, können Sie mich über die gängigsten Social-Media-Kanäle erreichen. Ich freue mich auf einen Dialog mit Ihnen, heute und morgen! 

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7 Kommentare
  1. Lars Rominger, 04.06.2021, 13:25 Uhr

    Ein sehr guter und zukunftsgerichteter Blog-Beitrag. Cédric Schmid, der am 05. Mai 2021 zum Präsidenten der FDP Kanton Zug gewählt wurde, wird viel Wertschöpfendes dazu beitragen, dass unser Wirtschaftsstandort Zug noch stärker wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Cédric sehr innovations-affin und «open-minded» ist , da er sich bewusst ist, dass fortschrittliche Ideen ein wichtiges Bündnis mit der Zukunft bzw. Vorboten für unsere zukünftigen Lebensbedingungen sind.

  2. Gery Weber, 04.06.2021, 12:21 Uhr

    Die Zuger Chriesi-Kultur? Was ist denn die Zuger Chriesi-Kultur? Eine Folklore-Veranstaltung, die vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde, weil bis dahin fast alle Hochstämmer einem Gewerbegebäude weichen mussten. Zeit meines Lebens im Kanton Zug habe ich nie eine Kirschen-Kultur gesehen, Zug hat weniger Chriesi als die umliegenden Luzern, Aargau oder Schwyz. Wäre er ein Zuger Politiker, wie er schreibt, wüsste er das. Aber man merkt an dieser oberflächlichen Zusammenfassung halt nur zu gut, dass dieser FDP-Präsident bis vor kurzem in Schwamendingen lebte und noch nie irgend ein politisches Amt bekleidete. Zeichen des Niedergangs einer einst stolzen Zuger Partei.

    1. Zuger Bürger, 04.06.2021, 12:59 Uhr

      Sie bringen’s auf den Punkt, waren genau meine Gedanken beim lesen.

    2. Cédric Schmid, 04.06.2021, 13:11 Uhr

      Danke für Ihr Kommentar. Wenn Sie mich wirklich gut kennen würden wüssten Sie, dass ich in Genf geboren bin, in Menzingen (ab 2. Primarklasse) und Steinhausen aufgewachsen bin und für knapp 10 Jahre nach Schwamendingen weggezogen bin und nach Zug zurück gekehrt bin. Ja, ich kenne als Menzinger, Lieferant der Urquelle des beliebten Zuger Kirsches (Etter), wohl ein Menzinger Urgeschlecht, Bestens! Und seit 8 Jahren führe ich ein Gewerbe in Zug und bilde auch Lehrlinge aus. Ja, ich kenne Zug Bestens – und deren Herausforderungen! Ausserdem hatte ich schon einige politische Ämter, nur nicht solche in dem üblichen Parlamenten!

    3. Gery Weber, 04.06.2021, 13:37 Uhr

      Geschätzter Herr Schmid, ich kenne Sie tatsächlich nicht persönlich. Muss jedoch nicht zwingend an mir liegen. Wie auch immer, ich möchte Sie nicht persönlich angreifen, sehe aber in Ihrem Beitrag nicht wirklich viel Substanz.

      Die grössten Kirschen-Anbaugebiete sind das Baselbiet mit rund 160 Hektaren, der Aargau mit knapp 90 Hektaren und dahinter Thurgau, Bern und Luzern. In Zug wiederum reduzierte sich der Bestand der Chriesibäume um fast zwei Drittel auf gegenwärtig 16’000 Bäume –von denen nur noch die Hälfte gepflegt und abgeerntet wird. Soviel zur Pflege unserer «Tradition». In der Stadt Zug, wo ich aufgewachsen bin, habe ich davon aber auch nichts mitbekommen. Dafür, wie die Mieten immer teurer wurden und fast alle meiner Schulkollegen wegziehen mussten, weil sie sich das Leben nicht mehr leisten konnten. Gekommen sind stattdessen Auswärtige.

      Ob Kirschen wirklich identitätsstiftend sind, wenn bald nur noch englisch und russisch gesprochen wird, wage ich zu bezweifeln. Da braucht es wohl etwas mehr. Setzen Sie hier doch die Schwerpunkte ihrer Arbeit! Für ihr Ziel einer Landwirtschaft der kurzen Wege, CO2-neutral, ohne Pestizide und ohne Trinkwasserbelastung kann ich mich jedenfalls begeistern und werde in den nächsten Monaten gut hinsehen, was die FDP hier unter ihrer Führung dafür konkret unternimmt!

    4. Heiler Oliver, 04.06.2021, 15:46 Uhr

      Lieber Herr Weber – Sie gehen sicher mit mir einig, dass Kultur auch Tradition einschliesst.

      Wenn man bspw. in Hagedorn Kirschsteine aus den Jahren 170 bis 270 nach Christus findet, seit Mitte des 14. Jahrhunderts die ersten schriftlichen Zeugnisse für den Kirschanbau in der Region rund um den Zugersee und Rigi findet und sich im 17. und 18. Jahrhundert in Protokollen zur einheimischen Kirschkultur äussert (Zuger Kirschenmarkt erstmals 1627 erwähnt), dann sollte Sie dies doch vielmehr mit Stolz erfüllen, statt Cedric Schmid als unwissenden Schwamendinger hinzustellen!

      Ich bin jedenfalls Stolz auf die Zuger Chriesi-Tradition und auf diejenigen Zugerinnen und Zuger, die dieses Kulturgut weiterpflegen. Stolz auf Landwirte wie Hermann Röllin aus Baar, Franz Iten aus Oberwil, Armin Ott aus Oberägeri, auf Konditoreien wie Treichler, Speck oder Aeschbach mit Torten, Kirschstängeli oder Chriesiblüeten, Imkerinnen wie Ursula Hotz, Krischbrenner wie Etter Kirsch oder Griselda Keiser. Ja – auch Chriesi-Spuken und eine Chriesi-Wurst oder eine Chriesi-Gloggä sind für mich identitätsstiftend und machen mich Stolz auf meinen Heimatkanton.

    5. Gery Weber, 04.06.2021, 18:35 Uhr

      Geschätzter Herr Heiler, ich respektive Ihre Sicht voll und ganz. Doch um die Frage zu beantworten. nein, 2200 Jahre alte Chriesteine machen mich nicht stolz auf meinen Kanton, ebenso wenig ein Markt, der vor 400 Jahren durchgeführt wurde. Und wenn ein Metzger heute eine Wurst mit Chriesi produziert, kaufe ich die tatsächlich auch mal. So wie jene mit Bärlauch oder eine ganz klassische Bratwurst, und geniesse diese. Und auch der Kirsch ist was Feines, ebenso wie ein gebranntes Wasser aus Zwetschgen oder Birnen. Aber weswegen sollte ich stolz auf jene Artikel sein, die Kirschen drin haben?

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