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Corona und die Frage nach dem, was folgt
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Die Kapazitäten des Gesundheitssektors müssen ausgebaut werden. (Bild: Pixabay)

Gesundheitssektor und digitale Welt sind gefordert Corona und die Frage nach dem, was folgt

4 min Lesezeit 02.04.2020, 13:31 Uhr

Mit der Corona-Krise zeigt sich, wie wichtig die digitalen Möglichkeiten in Verwaltung und Bildung sind. Ebenso sehen wir derzeit, wie das Gesundheitswesen an seine Grenzen stösst. Politblogger Jonas Ineichen fordert, dass man sich im Kanton Luzern über die Konsequenzen der Epidemie klar wird.

Es ist eine Krise beispiellosen Ausmasses in der jüngeren Geschichte. Die Corona-Pandemie hält die westliche Welt fest im Griff, der Kanton Luzern hat wie die ganze Schweiz umfangreiche Massnahmen zur Bekämpfung der Ansteckungswelle ergriffen. Diese Einschränkungen werden unseren Alltag mit Sicherheit noch einige Wochen auf den Kopf stellen.

Doch wie sieht die Situation in Luzern nach dieser Krise aus? Im Folgenden einige Gedanken dazu, welche Fragen sich Politik und Gesellschaft in den Bereichen Gesundheitssystem und Digitalisierung nach der Bewältigung der Krise stellen sollten.

Wie weiter im Gesundheitswesen?

Dass das Gesundheitssystem unter Druck steht, war schon vor der Coronakrise mehr als evident. Gesamtschweizerisch und auch in Luzern decken die Abschlüsse in den Gesundheitsberufen den jährlichen Nachwuchsbedarfs nicht vollständig ab, bei Pflegefachpersonen ist die Situation am prekärsten.

Begriff wie der «Pflegenotstand» sind auch in den Diskussionen hierzulande angekommen, doch eine Verbesserung der Probleme scheint sich in den letzten Jahren, auch aufgrund des Kostendrucks und generellen Abbaumassnahmen bei öffentlichen Dienstleistungen, nicht eingestellt zu haben.

Die Situation im Gesundheitswesen hängt auch immer untrennbar mit Gleichstellungsfragen zusammen. Da noch immer eine Mehrheit der Pflegeberufe von Frauen ausgeübt werden, im Kanton Luzern beträgt der Frauenanteil in Spitälern gegen 90 Prozent, wirkt sich eine Verbesserung für das Gesundheitspersonal, wie etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, direkt auf die Gleichbehandlung der Geschlechter aus.

Gesundheitswesen muss ausgebaut werden

Das Coronavirus rückt die für eine Gesellschaft zentrale Arbeit der Pflegenden für einmal in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Vielleicht fördert dieser Umstand das Bewusstsein für die Anliegen des Gesundheitssystems auch in unserem Kanton.

Klar ist indes, dass auch ein voll ausgebautes Gesundheitssystem ohne Fachkräftemangel in der aktuellen Lage an seine Grenzen stossen würde, schliesslich befinden wir uns in einer ausserordentlichen Situation, auf die sich so niemand je ausreichend vorbereiten können wird. Aber es wird die Aufgabe der nächsten Jahre sein, zumindest dafür zu sorgen, dass die Pflegebetriebe nicht schon unter Normallast an Kapazitätsgrenzen stossen.

Denn die alltägliche Belastung des Gesundheitswesens wird in der nahen Zukunft aufgrund der Überalterung unserer Gesellschaft nur noch weiter zunehmen. Wie also beheben wir die Schwächen des Luzerner Gesundheitssystems, insbesondere den Fachkräftemangel, nachhaltig?

Digitalisierung im Bildungsbereich

Die aktuelle Situation erfordert nicht nur von Unternehmungen kreative Lösungen und viel Flexibilität, sondern stellt auch Schulen vor eine immense Herausforderung. Die Coronakrise hat quasi über Nacht ein Experiment für digitalen Unterricht aus der Ferne losgetreten. Die Erkenntnisse aus diesem unfreiwilligen Experiment können allenfalls hilfreich sein, wenn in die Klassenzimmer wieder Alltag einkehrt.

Zum Autor

Jonas Ineichen präsidiert seit letztem Frühjahr die Juso Luzern. Der Student der Politikwissenschaften aus Emmenbrücke war ausserdem bis vor kurzem Co-Präsident des Jugendparlamentes des Kantons Luzern.

Durch die ersten Digitalisierungsschritte der letzten fünf Jahre haben sich Schüler, Lehrpersonen und Ausbildungsstätten in Luzern zumindest auf Mittel- und Oberstufe die Infrastruktur besorgt, die den aktuellen Betrieb überhaupt erst ermöglicht.

Chancen und Nachholbedarf im Ausbildungsbereich

Allerdings besteht in der Digitalisierung der kantonalen Schulen noch immer Nachholbedarf, es fehlt oft an für den digitalen Raum angepassten Lehrmitteln und Teilen der IT-Infrastruktur. Teure Laptops etwa müssen Schülerinnen aus eigener Tasche bezahlen.

Vollständiger Fernunterricht, wie er jetzt praktiziert werden muss, ist weder pädagogisch sinnvoll noch lange aufrechtzuerhalten. Die darin eingesetzten digitalen Mittel und Plattformen zeigen aber auf, was im geordneten Digitalisierungsprozess angestrebt werden kann:

Das geht von digitalen Lehrmitteln über multimediale Ansätze bis zu Videokonferenzen. Wie gestalten wir in Zukunft das digitale Lernen in unseren Bildungsinstitutionen?

Zukunft «Digital Governance»

Ein weiteres Thema im Zusammenhang mit der Digitalisierung betrifft die sogenannte «Digital Governance», also die Frage, welche digitalen Prozesse in der öffentlichen Verwaltung angewandt werden. Gerade die Flut an Gesuchen für Kurzarbeit, im Kanton Luzern, und deren Bewältigung, zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, digitale Prozesse stabil aufzugleisen und sorgfältig zu planen. Auch im Gesundheitssystem stellt sich die Frage der digitalen Datenübermittlung.

Da auch im Kanton Luzern Institutionen noch auf diesen Weg der Datenübermittlung setzen, muss man sich auf jeden Fall damit auseinandersetzen, was passende, schnelle und sichere Alternativen sein könnten. Ob die E-Government-Strategie der Regierung, die bis 2021 abgeschlossen werden sollte, und vor allem auch aufgrund der Abbaumassnahmen initiiert wurde, dafür ausreicht, wird sich zeigen.

Denn Primat einer digitalen Verwaltung auf kantonaler Ebene, sollten nicht die Kosten, sondern die Qualität der Dienstleistungen sein. Wie verbessern wir die digitalen Prozesse in der öffentlichen Verwaltung des Kantons?

Lancierte Debatte …

Ich verzichte hier bewusst auf die Beantwortung dieser Fragen, schliesslich bedingt eine genaue Analyse der Umstände und die Ausarbeitung möglicher Lösungsansätze zuerst ein Ende der Krise. Die vorangehende Auflistung erhebt auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit; es ist mehr als wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere wichtige Themen dazukommen werden.

Und bevor wir uns damit auseinandersetzen können, gilt: Bleiben Sie gesund und wenn immer möglich zu Hause.

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