Braucht es ein generelles Fahrverbot auf der Hertensteinstrasse?
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Einbahn, beidseitig oder Fahrverbot? Die Velos in der Hertensteinstrasse geben zu reden.

Beidseitige Öffnung für Velos in Luzerner Altstadt Braucht es ein generelles Fahrverbot auf der Hertensteinstrasse?

4 min Lesezeit 5 Kommentare 16.07.2020, 10:56 Uhr

Die Stadt Luzern wird immer velofreundlicher. So wurde vor kurzem ein Teil der Bahnhofstrasse autofrei und die Bevölkerung hat sich bei den letzten Abstimmungen stets für einen Ausbau der Veloinfrastruktur ausgesprochen. Doch sollen Velos bald beidseitig durch die Hertensteinstrasse fahren dürfen? Für Politblogger Lucas Zurkirchen wäre dies eine klare Abwertung der Shoppingmeile. Vielmehr möchte er ein generelles Fahrverbot diskutieren.

Als urbaner Stadtmensch fahre ich gerne Velo, meist für kurze Wege von der Alt- in die Neustadt und auch mal nach Kriens. In meiner Freizeit nehme ich auch gerne den ÖV oder das Auto und bin sonst viel zu Fuss unterwegs. Ein gesunder Mix aller Verkehrsmöglichkeiten ist für mich als Bewohner dieser Stadt also entscheidend.

Wo dürfen Velos durchfahren?

Die Zunahme an Velos macht diese auch zum Gesprächsstoff. Wo sollen die Velos mehr Platz erhalten? Wo braucht es Verbesserungen im Strassenverkehr? Wo dürfen Velos durchfahren und wo nicht?

Im Jahr 2017 wurde zum Beispiel letztmals über das Velofahren am Quai von Luzern diskutiert. Damals hat das Stadtparlament klar entschieden, dass der Quai ausschliesslich für Fussgänger zugänglich sein soll. Dies auch, weil in den vorherigen Jahren Verbesserungen für die Velofahrerinnen auf der Haldenstrasse vorgenommen worden waren. Wer schon einmal an einem schönen Tag am Quai spazieren ging, weiss, dass ein friedliches Miteinander dort nicht möglich wäre.

Zum Autor

Lucas Zurkirchen ist Geschäftsleitungsmitglied der FDP Stadt Luzern. Der Betriebsökonom arbeitet bei der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ). Zurkirchen kandidierte 2019 für den Luzerner Kantonsrat sowie 2020 für das Stadtparlament.

Ein weiteres gutes Beispiel ist der Wochenmarkt, wo zur Sicherheit der Fussgängerinnen mobile Abschrankungen aufgestellt werden mussten, da vereinzelte Velofahrer aufgrund ihrer Rücksichtslosigkeit eine Gefahr für die Fussgänger darstellten.

Velofahren durch die «Luzerner Shoppingmeile»?

Die Hertensteinstrasse und die Weggisgasse bilden in der Stadt Luzern die Hauptachse für alle Besucherinnen. An der «Luzerner Shoppingmeile» sammeln sich viele tolle Läden und dementsprechend gut besucht sind diese Strassen in der Altstadt. Motorisierte Fahrzeuge sucht man hier seit Jahren vergeblich – von den Zulieferern abgesehen – was hätten solche Fahrzeuge auch auf der «Luzerner Shoppingmeile» zu suchen?

Wer nun das Gefühl hat, an der Hertensteinstrasse sei es nicht erlaubt, mit einem Velo durchzufahren, der irrt. Einseitig – nämlich Richtung Löwenplatz – ist das Velofahren aktuell erlaubt. Grüne und SP wollen diese Regelung nun auch noch ausbauen und in Zukunft die Hertensteinstrasse beidseitig als neuen Veloweg nutzen können.

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Kollisionen wären vorprogrammiert

Von den Verfassern wird argumentiert, dass eine Koexistenz von Fuss- und Veloverkehr doch möglich sei. So fest ich auch daran glauben möchte, ist ein Veloweg durch die «Luzerner Shoppingmeile» keine gute Idee. Die Hertensteinstrasse ist und soll auch zukünftig eine beliebte Einkaufs- und Fussgängerzone bleiben, denn irgendwo haben doch die Fussgängerinnen, die Familien mit Kinderwagen, die älteren Menschen und unsere Gäste von nah und fern die Berechtigung, in Ruhe durch die Innenstadt zu gehen und einkaufen zu können.

Braucht es ein generelles Fahrverbot auf der Hertensteinstrasse?

Zum Wohle aller ist es aus meiner Sicht dringend notwendig, das Verkehrsregime in der Hertensteinstrasse zu diskutieren. Denn die Läden in der Stadt benötigen aufgrund der Coronakrise unsere Unterstützung mehr denn je. Und ein Veloweg durch unsere Shoppingmeile würde eine klare Abwertung bedeuten und einen negativen Einfluss auf die Kunden der anliegenden Geschäfte haben. Denn wer möchte sich schon alle zwei Meter umschauen müssen, ob nun ein Velo kommt? Somit müssen wir uns auch mit einem generellen Fahrverbot auseinandersetzen.

Sicherlich gibt es auf dem Velonetz in der ganzen Stadt noch Verbesserungspotenzial. Das merke ich selber bei meinen Velofahrten immer wieder. Und auch wenn die Stadt Velos in der Hertensteinstrasse verbietet, so werden andernorts weitere Verbesserungen für Velofahrer vorgenommen. Denn eine velofreundliche Stadt hat viele Vorteile für ihre Bewohnerinnen. Und an diesem Ziel arbeite ich gerne mit. Die vollständige Öffnung der «Luzerner Shoppingmeile» für das Velo ist aber der falsche Weg.

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5 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 20.07.2020, 15:35 Uhr

    Die Hertensteinstrasse soll vor allem dem Fussgängerverkehr dienen. Das müsste durch regelmässige Kontrollen durchsetzbar sein. Auch am Quai wären solche Kontrollen empfehlenswert. Das gut sichtbare allgemeine Fahrverbot wird täglich, vor allem abends regelmässig und sehr häufig missachtet. Die Polizei könnte doch mal Bussen verteilen, das wäre einträglich. Viele Velofahrende glauben offensichtlich, sie müssten sich nicht an geltende Regeln halten. Schade, denn das Velo ist ein sinnvolles Verkehrsmittel, das ich als Stadtbewohner gerne
    benutze.

  2. Stadtpräsident, 17.07.2020, 15:57 Uhr

    Die Luzerner sind schon ein komisches Völkchen……. Jeden Quatsch zugunsten der Velofahrer nehmen sie an der Urne an. Nun bekämpfen sie mit aller Härte den Bypass, doch keinem ist bisher in den Sinn gekommen, dass die Entlastungsstrasse im Bereich des unattraktiven Zürichstrasse/Schlossberg/Friedental – Gebiet wohl ziemlich grosse Entlastung des Schweizerhofes und der Seebrücke mit sich bringen würde. Entlastung, welche Platz schaffen würde, um für die Velofahrer etwas attraktives zu machen. Dann könnte man auch die Hertensteinstrasse bei dem belassen, was sie eigentlich sein sollte…… nämlich einer reinen Fussgängerzone mit einem allgemeinen Fahrverbot!

  3. paul, 16.07.2020, 19:31 Uhr

    velo freundlich? es wird langsam besser…… ein gesammtkonzept mobilität ist leider nicht vorhanden. übersll flickteppich. übel für autos und velos ….. darum lässt doch zumindest dem fussgänger den platz den er hat

  4. Rosa Luxemburg, 16.07.2020, 14:33 Uhr

    Die Abstimmungen verlaufen jeweils velo-freundlich, aber in Realität habe ich bisher wenig davon gespürt. Luzern ist noch immer sehr gefährlich für Velofahrer, verfügt teilweise über prekäre Verkehrsrisiken und ist immer noch viel zu sehr auf Autos und Cars ausgerichtet.

    Ich würde die lokale Verkehrspolitik als konservativ, autofreundlich und sehr träge bewerten …

    1. Roland Grüter, 16.07.2020, 17:55 Uhr

      Was für ein Quatsch! Luzern bevorzugt eindeutig den Veloverkehr. Aber in der Fussgängerzone haben die Radfahrer/innen nichts verloren. Mischverkehr ist absolut gefährlich, vor allem wenn Rowdies, wie geschehen, Kinder überfahren.

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