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Alte Fronten trotz neuem Projekt
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Das neue Verkehrsentlastungsprojekt für Luzern wird bereits hinterfragt. (Bild: Visualisierung Swiss Interactive AG)

Die Reussportbrücke im Gegenwind Alte Fronten trotz neuem Projekt

3 min Lesezeit 6 Kommentare 07.11.2019, 14:00 Uhr

Die Spange Nord ist vom Tisch und das neue Projekt wird heftig diskutiert. Obwohl die wesentlichen Kritikpunkte am alten Projekt gestrichen wurden, regt sich erneut Widerstand. Ob es dabei um sachliche Kritik geht oder ob die gleichen politischen Gräben erneut bewirtschaftet werden, beleuchtet Lucas Zurkirchen Präsident von den Jungfreisinnigen im Polit-Blog.


Die Fronten waren stark verhärtet. So hat der Regierungsrat Mut bewiesen und das bisherige Projekt über den Haufen geworfen. «Die Spange Nord gibt es nicht mehr», war in den Zeitungen zu lesen. So ist es auch, denn das Projekt wurde auf die Reussportbrücke reduziert (zentralplus berichtete).

Nun ist es also keine Spange mehr, sondern eine Brücke. Der Zugang zum Schlossberg – und somit der grosse Kritikpunkt der Gegenbewegung – fehlt bei dieser Projektausgestaltung komplett. Ein Projekt hat aber immer auch einen Nutzen – wo jetzt der Grossteil des Projektes fehlt, fällt auch ein Grossteil des Nutzens weg.

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Dank der Gegenbewegung wird es nun keine durchgehende Busspur von Kriens bis zum Luzerner Bahnhof, keine bessere Erschliessung des Kantonsspitals und keine Entlastung der Innenstadt geben.

Wo die negativen Effekte wegfallen, fallen halt auch positive Effekte weg. Ist das wirklich im Sinne der gesamten Stadtbevölkerung?

Viel Ideologie und wenig Fakten

Bei den vielen Diskussionen über die letzten Jahre, die ich im Radio, im Internet, an Stammtischen oder auf der Strasse bereits geführt habe, vermisse ich vielfach das Grundlagenwissen.

Fakt ist, dass der Bund den Bypass bauen wird. Es wird also einen neuen Tunnel geben und der bisherige Sonnenbergtunnel wird als Stadttunnel verwendet. Wie können wir also unseren Stadttunnel am besten nutzen? Die Studien zeigen, dass mit einer Ausfahrt beim Lochhof der grösste Nutzen für die gesamte Bevölkerung vorhanden ist.

Bisher also mit der Spange Nord, neu nun mit dem Projekt der Reussportbrücke.

Keine seriöse Prüfung und natürlich weiterhin dagegen

Nach nur wenigen Tagen Bedenkzeit haben sich die Gegenbewegung und die linken Parteien wieder gegen das nun angepasste Projekt gestellt (zentralplus berichtete). Mit der Begründung, die Brücke stelle einen «unzumutbaren Eingriff in die betroffenen Quartiere dar».

In einer Stadt, wo der Platz knapp ist, gibt es beim Ausbau der Infrastruktur immer Personen und Quartiere, die davon betroffen sind. Positiv wie negativ. Unser Regierungsrat Fabian Peter hat es an der letzten Pressekonferenz dementsprechend auch passend auf den Punkt gebracht: «Es gibt kein Neubauprojekt, das niemanden tangiert.»

Die Stadt Luzern verfügt über am zweitwenigsten Mobilitätsflächen pro Person in der ganzen Schweiz. Die Bevölkerung hat ein klar steigendes Mobilitätsbedürfnis, was die Zahlen im Bericht des Kantons Luzern klar aufzeigen, und wer die Stadt Luzern kennt, weiss, dass die Stadt bereits heute an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt ist.

Wie stark ist die lokale Bevölkerung vom neuen Projekt wirklich betroffen? Und wie seriös wurde das Projekt von den Gegnern überhaupt geprüft? Oder geht es gar nur um ideologische Gründe, weshalb das Projekt aus Sicht der Gegner abzulehnen ist?

Weg von ideologischen Grabenkämpfen, zurück zu einer sachlichen Diskussion

Das Ziel des Regierungsrats war es, die verhärteten Fronten aufzubrechen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Gegner auch offen sind für einen Dialog. Aus meiner Sicht wurde die Analyse von den Gegnern nicht seriös gemacht und so erhärtet sich mein Verdacht, dass es sich bei den Gegnern um reine Ideologen handelt.

Also um Personen, die gar nicht um eine Diskussion mit einer Lösung bemüht sind und sich nur mit dem Abbruch des ganzen Projektes zufriedengeben. Eine solche Haltung lehne ich klar ab und wünsche mir für die Zukunft eine sachliche Diskussion zum Thema.

Aktuell haben wir also die Wahl zwischen nichts tun oder uns auf den vorliegenden Kompromiss einzulassen. Entscheiden Sie selber, was in Ihren Augen das Beste für die Luzerner Bevölkerung ist.

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6 Kommentare
  1. trost, 10.11.2019, 11:19 Uhr

    Mobilität „wegzwingen“nervt. machen wir uns doch mal gezielter Sorgen darum sie sauber zu erweitern. Eine Stadt vollgestopft mit Eintagestouristen die täglich mehrere Tausend Kilos Luft verpesten, um von der anderen Seite der Welt hierher zu pilgern. Das ist natürlich ok und nicht zu regulieren. Wir sind langsam ein pseudo Venedig. Lasst uns unser Maultier. Wir sind nicht das echte Problem. Nur die die bald nichts mehr dürfen.

  2. Oliver Baumberger, 08.11.2019, 18:24 Uhr

    Besten Dank für Ihre Analyse Herr Zurkirchen. Ich gehe mit Ihnen einig, dass man sich vor einer Diskussion gründlich informieren sollte. Und doch stehe ich auf der Gegnerseite. Was ich vermisse in der Verkehrsinfrastrukturplanung sind langfristige Gedanken. Und das vor allem von Politikern. Wir buttern Millionen in unseren Strassenverkehr und machen seit Jahren Symptombekämpfung, statt uns mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Unsere Verkehrsprobleme sind nicht zu viele Autos, zu wenig Strassen oder zu viele Menschen. Sondern, wie Sie in Ihrem Bericht selbst schon bemerkten, unser Mobilitätsbedürfnis. Da müssten wir ansetzen. Und wir könnten massiv Geld sparen, wenn es an der Ursache, dem Mobilitätsbedürfnis (notabene ein Luxusproblem) eingesetzt würde.
    Dass Strassenausbau langfristig nichts bringt, solange die Nachfrage grösser als das Angebot ist, zeigen viele Beispiele von Grossstädten rund um den Globus. Wieso lernen wir nicht von diesen Negativ-Beispielen?

  3. Walter Albrecht, 08.11.2019, 14:43 Uhr

    Weniger MIV insgesamt, mehr ÖV, aber zukunftsgerichtet mit Metro: effizient, unfallsicher, bequem. Die Lösung für eine ausgeglichene Erreichbarkeit des Kantonsspitals, des Stadtzentrums und die Lösung für das Carparkproblem. Ausserdem ausbaufähig in die noch nicht gut erschlossene Agglomeration.Wann fällt die Münze, altmodisch gefragt ? Es sollte doch möglich sein, über den Tellerrand zu blicken unabhängig von Partei- oder Interessengebundenheit.

  4. lisa, 08.11.2019, 11:59 Uhr

    In den 60ern hiess es, es gebe eine Autobahn, Wolhusen Bern, eben eine Brücke und dort wo der Zug in den Zimmereg Tunnel einfährt, wäre auch die Autobahn durch. Heute ist ja da die Autogarage. Weiter oben kurios ein Hochhaus, wo man die Balkone vergessen hatte, obwohl Balkon-Fenster dran sind. Es gab dann eine Art franz. Balkone. Und nun es gibt ja noch 2 Tunnels, wo die hinführen sollten – keine Ahnung. Oberhalb der Autobahn, bevor man in den Tunnel Stadt einfährt, da hiess es via Dietschiberg nach Küsnacht, es war da schon eine grosse ungewissen Zukunft

  5. Ruedi, 07.11.2019, 23:55 Uhr

    Bitte aufhören. Mehr Strassen, mehr Verkehr. War immer so, wird immer so sein, weil: Der Mensch ist bequem.
    Die Innenstadt Luzern ist ein Desaster. Nicht wegen dem vielen Verkehr, sondern wegen den vielen Strassen. Die Sanierung Neustadt (Hirschmattstrasse) war eine komplette Fehlaktion. Anstatt mehr Fussgängerzonen (Winkelriedstrasse) und breitere Velowege einzurichten hat man betoniert (vielen Dank dazu im Hochsommer, macht Spass an einem Ort zu wohnen der immer 3bis7 Grad wärmer ist als der Rest der Stadt), es wurden überdimensionierte Parkplätze für SUVs gezeichnet (nun wird gejammert es habe zu wenige Parkplätze, tja selber Schuld wenn alle so einen grossen Karren fahren wollen). Fussgängerzonen hätten die Läden belebt. Papeterie Linsi lebt wohl kaum vom Autoverkehr und den 2 Parkplätzen vor dem Eingang. Für mehr Strassen sind nur: Menschen mit Bezug zum Strassenbaugewerbe und Menschen vom Land die ab und zu in die Stadt fahren wollen. Ah ja, und die nervigen Auto-Poser natürlich.

  6. Kasimir Pfyffer, 07.11.2019, 19:56 Uhr

    Die Argumentation greift zu kurz. Nicht die Opposition gegen die Fluhmühlebrücke ist ideologisch, sondern das vom Astra durchgezwängte Bypass-Projekt. Denn die Astra-Ideologie ist einfach: Luzern soll auf Teufel komm raus «autogerecht» werden. Statt das Problem an der Wurzel, nämlich dem Auto anzugehen – Stichworte Road Pricing, externe Kosten des MIV, Schadstoffbelastung – werden Konzepte aus den 1970er Jahren durchgestiert. Wir brauchen Intelligenz statt Beton. Und das meine ich nicht nur bezogen auf den Strassenbau, sondern explizit auch auf die Politik.