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10 Jahre nach der Fusion Littau-Luzern – wo stehen wir?
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Die Gemeinden Luzern und Littau wurden 2010 fusioniert. (Bild: zvg)

Ohne Massnahmen droht der Verkehrskollaps 10 Jahre nach der Fusion Littau-Luzern – wo stehen wir?

4 min Lesezeit 3 Kommentare 16.01.2020, 11:05 Uhr

Vor zehn Jahren haben sich die grösste und die damals viertgrösste Gemeinde des Kantons Luzern zusammengeschlossen. Versprochen haben sich die Stadtluzerner und Littauer Bevölkerung dadurch räumliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Nutzung von Synergien. Obwohl die Stadt Luzern dabei vieles richtig gemacht hat, besteht nach Meinung unseres Polit-Bloggers Marco Baumann nach wie vor Handlungsbedarf.

Der Stadtteil Littau hat sich seit der Fusion sehr positiv entwickelt. Es können laufend neue Überbauungen realisiert und wichtige Infrastruktur wie Schulhäuser oder das Waldschwimmbad erneuert werden. Solche Projekte wären in der früheren Gemeinde aus finanzieller Sicht wohl nicht möglich gewesen. Doch die Stadt als Ganzes hat von der Fusion profitiert. Sie konnte sich dadurch als Zentrum der Zentralschweiz festigen und ihre Standortattraktivität erhöhen.

Nun muss das Potenzial aber auch für interessante Unternehmensansiedlungen genutzt werden, um so wichtige Arbeitsplätze zu schaffen. Dafür braucht es nach wie vor einen besseren Verkehrsanschluss für alle Verkehrsträger – was auch von den Bewohnern gewünscht wird. Doch Handlungsbedarf besteht auch noch bei der gelebten Demokratie.

Staldenhof ist nach wie vor ein Sorgenkind

Bei den Grundstücken Bodenhof und Staldenhof im Littauer Boden handelt es sich um grössere unbebaute Flächen in der Arbeitszone im Besitz der Stadt Luzern. Diese wurden als strategische Reserve erworben, um das Gebiet bestmöglich zu einem Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Dies wurde bis anhin aber noch nicht erreicht.

Es wäre ein grosser Gewinn für die Stadt und besonders für den Stadtteil Littau, wenn dort eine oder mehrere interessante Neuansiedlungen getätigt werden, die wiederum attraktive Arbeitsplätze schaffen. Da für das Gebiet aber eine Höchstzahl an Fahrten festgelegt wurde, müssen Unternehmen vorweisen können, dass sie nicht erheblichen Mehrverkehr verursachen. Das wiederum ist sehr schwierig umzusetzen, da die ÖV-Anbindung im Littauer Boden zu wünschen übrig lässt.

Zum Autor

Marco Baumann sitzt für die FDP im Grossstadtrat der Stadt Luzern. Der 28-jährige ist Betriebsökonom und arbeitet als Berater öffentliche Verwaltungen & NPO. Er ist Präsident der FDP Radigal sowie der Guggenmusig Gögguschränzer.

Eine Lösung wäre eine S-Bahn-Haltestelle auf Höhe des Entwicklungsgebietes. Die Realisierung von weiteren Haltestellen ist nach Einschätzung von Verkehrsverbund Luzern und SBB aber erst nach der Realisierung des Durchgangsbahnhofs möglich. Damit die ganze Entwicklung im Littauer Boden nun nicht bis Jahr 2040 stillsteht, braucht es dringend neue Lösungen, um die Anbindung zu verbessern. Solche fehlen aber bis anhin.

Verkehrsanbindung bleibt Dauerthema

Die rege Bautätigkeit im Stadtteil Littau ist zu begrüssen, jedoch wächst die Besorgnis bei der Littauer Bevölkerung, dass die Zufahrtsstrassen den Durchgangsverkehr kurz- oder mittelfristig nicht mehr abwickeln können und es zu einem Verkehrskollaps im Stadtteil kommen könnte. Davon betroffen sind neben dem Auto- auch der Bus- und Veloverkehr.

Die wichtigsten Zufahrtsstrassen sind heute zu Stosszeiten mit erheblichem Verkehrsstau belastet, was sich immer wieder auf die Pünktlichkeit der ÖV-Linien auswirkt. Es ist entscheidend, dass in den nächsten Jahren Lösungen gefunden werden, um der Gefahr eines vollständigen Verkehrskollapses entgegenwirken zu können. Die Einführung von Tempo-30-Zonen, wie sie im Stadtteil Littau vermehrt angedacht sind, sind keine Allzwecklösung dafür.

Optimierungen für Auto- und Velofahrer nötig

Es braucht auch Optimierungen für Autofahrer, wie beispielsweise die Erweiterung der Cheerstrasse, die von der Stadtluzerner Bevölkerung im September 2017 abgesegnet wurde. Die Littauer warten seit 2009 auf die Realisierung und müssen sich weiterhin gedulden. Der Baubeginn ist voraussichtlich erst im März 2021 geplant.

Der Stadtrat tut gut daran, hier endlich vorwärtszumachen. Neben Optimierungen für das Auto braucht es aber auch attraktive ÖV-Verbindungen und sichere Velowege. Seit dem letzten Fahrplanwechsel können die Bewohnenden die vbl-Linie 30 nutzen, die den Bahnhof Littau mit dem Kantonsspital und Ebikon verbindet.

Auch soll die geplante RBus-Linie 3 eine Verbesserung der Erschliessung und eine deutliche Erhöhung der ÖV-Kapazitäten in Richtung Innenstadt Luzern bieten. Das reicht aber nicht aus, um die Erschliessung zu verbessern.

Stimmbeteiligung als Zufriedenheitsindikator?

Die Bevölkerung schätzt die Investitionen, kritisiert aber nach wie vor die Distanz zur Verwaltung und zur Politik. Das zeigt sich auch in der tiefen Stimmbeteiligung. Hier braucht es noch mehr Engagement von Seiten Politik, um die Verbindung in den Stadtteil zu stärken. Bei den letzten städtischen Wahlen lag die Littauer Beteiligung bei mickrigen 18 Prozent, was sich auch in der Vertretung von Littauer Politikerinnen und Politiker in Parlament und Regierung bemerkbar macht.

Mut macht jedoch der Bevölkerungsantrag aus dem Stadtteil Reussbühl, welcher die Beibehaltung des 50-Meter-Schwimmbeckens im Waldschwimmbad Zimmeregg verlangt. Auch wenn ich die Forderung nicht teile, freut mich das politische Engagement der drei Antragstellenden sehr. Ich wünsche mir mehr solche Initiativen aus den Stadtteilen, damit die Stimme Littau auch im Stadthaus gehört wird.

Die nächste Chance, sich in die städtische Politik einzumischen, besteht übrigens am 29. März 2020. Dann wählt die Stadt Luzern ihre Regierung sowie das Parlament neu. Werden Sie aktiv und gehen Sie wählen!

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3 Kommentare
  1. JMüller, 17.01.2020, 16:58 Uhr

    Von Anfang bis Ende nix bis jetzt gebracht. Littau und auch Reussbühl wurden links Liegen gelassen. Miserable Einkaufsmöglichkeiten 1 M-Migros, Minisortiment, keine Verkehrsberuhigung, Umfahrung heute noch nicht gebaut. Dafür wird gebaut, dass man bald den Wald nicht mehr sieht.

  2. Dunning-Kruger, 16.01.2020, 13:06 Uhr

    Die gesamte Fusion war aus Sicht der Initianten sprich Stadt Luzern und dem polit-ideologischen Programm „Starke Stadtregion“ ein einziges, riesiges Debakel. 10 Jahre später wird es gerne aus Erfolg verkauft, obwohl genau EINE einzige Gemeinde einverleibt werden konnte. Alles anderen haben bereits entweder im Vorfeld abgewunken (Meggen, Horw) oder sind während des Prozesses via Plebiszit ausgeschieden (Emmenbrücke, Ebikon usw.). Soweit ich mich erinnern kann, wurde in Kriens nicht mal mehr abgestimmt, da dies reine Zeitverschwendung und eine weitere harte Klatsche ins Gesicht der Ingenieure der „starken Stadtregion“ gewesen wäre. Ausser ein paar hochbezahlte Beratungsunternehmen (Basler & Partner z.B.) hat bei diesem Projekt niemand profitiert. Am allerwenigsten die Littauer und Reussbühler!

    1. vreni, 17.01.2020, 17:01 Uhr

      bravo Richtig Gesagt in Reussbühl für 12 Millionen ein Gemeinde Haus für die Katz, alles musste nun in die Stadt Gezügelt werden, keine Post mer,

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