Wir leben, als ob es kein Morgen gäbe
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Unser ökologischer Fussabdruck ist zu gross. (Bild: Chris Martin Bahr, WWF)

Ökologischer Fussabdruck zeigt Luzerner Rückständigkeit Wir leben, als ob es kein Morgen gäbe

4 min Lesezeit 3 Kommentare 12.08.2020, 10:54 Uhr

Wir leben auf zu grossem Fuss. Das versuchen uns der «Overshoot Day» und der ökologische Fussabdruck zu veranschaulichen. Wie der Zentralschweizer Lebensstil dabei im Vergleich mit dem globalen, beziehungsweise mit dem schweizerischen Durchschnitt abschneidet, schreibt Jörg Häfliger in seinem Blogpost.

Am 22. August ist «Earth Overshoot Day». Dann haben wir weltweit so viele natürliche Ressourcen verbraucht wie uns für das ganze Jahr zur Verfügung stünden. Die verbleibenden gut vier Monate dieses Jahres leben wir demnach auf Pump. Anders ausgedrückt: Unser ökologischer Fussabdruck ist zu gross. Der durchschnittliche globale Lebensstil benötigt die Ressourcen von etwa 1,7 Planeten.

Die Methoden zur Berechnung des ökologischen Fussabdrucks und des «Earth Overshoot Day» stammen vom «Global Footprint Network». Mit Zahlen der UNO berechnet diese private Institution seit Mitte der 90er-Jahre, wie gross die Biokapazität auf der Welt ist und wie viel davon wir nutzen. Die statistisch verlässlichen Zahlen reichen dabei rund 50 Jahre zurück.

Die Erkenntnis: Alle Länder zusammen verbrauchen mehr, als die Natur erneuern kann; die Menschheit übernutzt den Planeten klar. Die weltweiten Folgen sind eine steigende C02-Konzentration in der Atmosphäre, Wald- und Artenverlust, Trinkwasserknappheit und Bodenerosion.

Berechnungsgrundlagen

Wie viel Natur wir Menschen brauchen, hängt damit zusammen, was wir essen, wie wir uns kleiden, wie wir wohnen und uns fortbewegen oder auch davon, wie wir unsere Abfallstoffe entsorgen. Die Berechnungen sind sehr aufwendig und natürlich mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

Die Methode ist aber wissenschaftlich gut abgestützt und sie liefert sehr anschauliche Ergebnisse. Dies nicht nur für den gesamten Planeten. Die Berechnungen lassen sich auch für Nationen, Regionen oder Einzelpersonen durchführen.

Schweizer «Overshoot Day» war schon am 8. Mai 2020

Berechnungen für die Schweiz zeigen, dass wir Schweizerinnen und Schweizer fast drei Planeten für unseren Lebensstil benötigen. Für unsere Region existieren meines Wissens keine detaillierten Berechnungen, die Werte dürften aber wohl ähnlich sein, wie für die Schweiz insgesamt.

Langfristig kann diese Übernutzung der natürlichen Ressourcen nicht funktionieren. Wir müssten darum ernsthaft über unseren Lebensstil nachdenken.

Leider passiert das nicht. Wir messen unseren Wohlstand immer noch am Wirtschaftswachstum. Wir tun uns schwer mit dem Klimaschutz. Verkehrsplaner beim Bund und im Kanton Luzern planen nach wie vor mit etwa 20 Prozent mehr Autofahrten bis Mitte der 30er-Jahre und finden dafür «Lösungen», wie den Bypass oder die Reussport-Brücke.

Rückständig in allen Bereichen

Auch die Bereiche Wohnen und Energie sind noch nicht wirklich auf die Anforderungen der Energiewende ausgerichtet. Trotz des relativ fortschrittlichen Luzerner Energiegesetzes sind Solaranlagen selten auf unseren Dächern zu sehen. Und das Tempo bei energetischen Gebäudesanierungen lässt klar zu wünschen übrig.

Auch im Bereich Ernährung und Landwirtschaft ist unser Fussabdruck zu gross. Die Biolandwirtschaft macht nur gerade 8,4 Prozent aller Betriebe aus. Die grosse Mehrheit der Luzerner Landwirte setzt weiterhin auf intensiven Anbau und sehr viele Nutztiere – mit den zugehörigen Emissionen von Methan, Ammoniak usw.

Die Vielzahl von Stallerweiterungen in den vergangenen Jahren spricht Bände. Die Mittellandseen werden so wahrscheinlich noch Jahrzehnte auf Belüftung angewiesen sein. Das sollte uns allen zu denken geben!

Was können wir tun?

Wer mehr tun will, als sich nur über «die da oben» zu ärgern, hat viele Möglichkeiten.

Der ökologische Fussabdruck lässt sich auch auf individueller Ebene bestimmen. Dafür gibt es im Internet geeignete Tests, die sich in ein paar Minuten ausführen lassen. Sie beantworten Fragen nach den eigenen Lebens- und Konsumgewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum.

Das Resultat erhält man sofort in Form einer Zahl, die angibt, wie gross die biologisch produktive Fläche ist, die man für seinen Lebensstil benötigt. Und wie viele Erden entsprechend nötig wären, wenn alle Menschen so leben wollten.

Damit aber nicht genug: Die Auswertung zeigt auch auf, in welchen Teilbereichen der Fussabdruck besonders gross ist und was man tun kann, um das zu ändern.

Wie gross ist Ihr persönlicher Fussabdruck? Wann ist Ihr persönlicher «Overshoot Day»? Ab welchem Datum leben Sie selber auf Pump? Die Antworten darauf sind ziemlich rasch zu ermitteln und sie können der Anfang von wichtigen Veränderungen in Richtung Nachhaltigkeit sein.

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3 Kommentare
  1. Andreas Peter, 12.08.2020, 14:16 Uhr

    Der wesentlichste Faktor in dieser Rechnung, ist die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten.
    Bei der Anzahl der Geburten müsste man ansetzen und da sind wir Europäer vorbildlich.
    Merkwürdigerweise wird dieser zentralste Punkt von den Weltenrettern immer ausgeblendet.
    Es ist für Links halt dienlicher, uns Schuldgefühle einzureden.

    1. Traugott77, 13.08.2020, 10:05 Uhr

      Falsch Herr Peter, nicht die Anzahl der Menschen macht die Ausbeutung aus sondern die Lebensweise.
      Die Erde veträgt sehr wohl 15 Milliarden Menschen die wie Bangladeschis Leben, aber nicht so viele die wie die Schweizer leben.
      Wenn alle wie wir leben würden sind 3 Milliarden schon zuviel.

    2. Andreas Peter, 13.08.2020, 11:55 Uhr

      Nein, es ist nicht falsch, Herr Traugott.
      Warum soll die Erde 15 Milliarden ertragen müssen? Wozu ist das gut?
      Und dann? Hört bei 15 Milliarden das Wachstum auf?
      Warum nicht weniger Geburten anzielen, damit alle gut leben können?
      Denken Sie nochmal nach.
      Die Bevölkerungsexplosion ist der Schlüsselfaktor bei fast allen Problemen.
      Von Migration bis Umwelt, von Hunger bis Dichtestress.

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