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Wie der Garten zum Wohnraum für Tiere wird
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So prächtig kann ein tierfreundlicher Lebensraum aussehen: Allmend Luzern (Bild: zvg)

Beispiel für umweltgerechte Umgebung in Luzern Wie der Garten zum Wohnraum für Tiere wird

4 min Lesezeit 18.03.2020, 10:54 Uhr

Als Landschaftsarchitektin und Ökologin trifft mich manchmal fast der Schlag, wenn ich an einer Kirschlorbeer-Golfrasen-Einöde oder an einem unsäglichen Schotterbeet vorbeispaziere. So etwas als Garten zu bezeichnen ist eigentlich absurd. Dabei ginge es auch anders und umweltgerechter, wie ein Beispiel zeigt.

Igel, Wiesel, Wildbienen und Schmetterlinge haben Mühe mit sterilen Gärten – ähnlich wie wir Menschen ja auch nicht gut in einer völlig leeren Wohnung leben können. Mit einfachen Mitteln, etwas Zeit und Geduld lässt sich eine solche Tristesse aufwerten und in eine Oase für Tiere umgestalten. Dabei helfen ein paar simple Grundsätze: kein Gift, grössere Vielfalt, mehr «Unordnung».

Die Familie Greter aus dem Wesemlin-Quartier hat dies umgesetzt und ihren Garten in eine Kleintieroase verwandelt – und seither haben die Greters erst noch viel weniger Arbeitsaufwand für die Gartenpflege.  

Kein Gifteinsatz

Dass man seinen Garten weder für sich selbst noch für andere Lebewesen mit Gift verseucht, ist für Greters eine Selbstverständlichkeit. Für andere Gartenfans aber nicht: Unkrautvernichter, Moosvertilger, Schneckenkörner – damit können die Hersteller viel Geld verdienen. Dass jedes Gift viele Lebewesen trifft und später im Boden zurückbleibt, überlegt man sich meistens nicht. Bienen und andere Insekten, aber auch Igel und Fledermäuse sind dann oft die Geschädigten.

Dabei gibt es bessere Wege: Unerwünschte Pflanzen kann man von Hand ausreissen – und in manchen Fällen sogar gleich aufessen (wie Löwenzahn und Giersch) oder als Blumenstrauss geniessen. Empfindliche Zierpflanzen, die man immer wieder spritzen muss, ersetzt man besser gleich durch einheimische Gewächse. Schnecken hält man am einfachsten mit einem Schneckenzaun fern. Moos im Rasen ist im Schatten ganz normal, man kann auch hier problemlos einen Liegestuhl aufstellen und den Sommer geniessen.

Die Himmelsleiter, eine einheimische Wildstaude, im Garten der Greters (Bild: Marie-Louise Kieffer)

Greters sehen das Thema entspannt, ihre Wiese beherbergt eine grosse Anzahl einheimischer Kräuter, und sie haben sich gefreut, als sogar das hübsche Zittergras aufgetaucht ist – es wächst nur an sehr mageren Standorten.    

Mehr Vielfalt und Nahrung

Vielfalt freut nicht nur das menschliche Auge, sondern deckt auch gleich den Tisch für viele Tiere: Bienen, Schwebefliegen und Schmetterlinge besuchen gerne Blüten und finden hier Nahrung. Bei Greters gibt es eine blumenreiche Wiese, bienenfreundliche Wildstauden und eine artenreiche Wildhecke. Die Sträucher haben sie von der Stadt Luzern kostenlos erhalten. Diese führt jedes Jahr eine Wildsträucheraktion für ihre Bevölkerung durch. Über das Projekt «Luzern grünt» der Stadt hat die Familie ausserdem Beratung, Saatgut und Wildstauden erhalten.

Die Wildstauden und die Hecke gedeihen prächtig und liefern Nektar, Beeren, Samen und Nüsse für Vögel und Kleintiere. Auch bei der Wahl von Baumaterialien hat Vielfalt Vorteile für die Fauna: Steinplattenbeläge mit Sandfugen, Trockensteinmauern, unbehandeltes Holz, Weidenzäune – hier hat es viele Schlupfwinkel.

Familie Greters Garten ist inzwischen ein richtiges Wildbienenparadies: In den Sandfugen zwischen den Gartenplatten nisten die interessanten Blattschneiderbienen. Die Tierchen schneiden runde Stücke aus Blättern, transportieren sie per «Luftfracht» zu den Fugen und bauen daraus die Brutkammern für ihren Nachwuchs.

Mehr «Unordnung»

Der Asthaufen in Greters Garten ist natürlich keine Unordnung, sondern das Zuhause von Eidechsen und Blindschleichen. Die gleiche Funktion kann auch eine Brennholzbeige, ein Steinhaufen oder ein morscher Wurzelstock übernehmen. Dazu Altgras und verdorrte Pflanzenstengel, die man stehenlässt: Das sind die Kinderstuben von Heuschrecken, Käfern, Wildbienen und anderen Winzlingen.

Idyllischer Platz unter der Hängebuche im Garten der Familie Greter. (Bild: Marie-Louise Kieffer)

Betrachten wir einmal die Entwicklung eines Schmetterlings: Nach der Paarung legt das Weibchen Eier ab, daraus schlüpft eine kleine Raupe, die frisst und sich mehrmals häutet. Schliesslich verpuppt sie sich, oft an einem Pflanzenstengel, wo die Puppe den Winter verbringt. Erst im nächsten Jahr schlüpft daraus der Schmetterling, über den wir uns so freuen.

Wer aber im Garten alle dürren Stengel wegschneidet, räumt ungewollt auch die Puppen weg – kein Wunder, dass dann die Schmetterlinge fehlen. Man kann das Angebot für Tiere auch noch mit Fledermauskästen, Igelhäuschen oder Nistkästen für Vögel ergänzen.

Fazit

Der Frühling kommt – Zeit, um der langweiligen Thuja und dem hässlichen Kirschlorbeer Adieu zu sagen und den Garten schrittweise naturnah zu gestalten. Wer unsicher ist, erhält beim Öko-Forum kostenlose Beratung. Personen aus der Stadt Luzern bekommen sogar noch die passenden Wildsträucher geschenkt sowie weitere Unterstützung. Schöne Beispiele für tierfreundliche Grünflächen findet man in Luzern auf der Allmend oder im Garten des Klosters Wesemlin.

Weitere Anregungen gibt es im Naturlehrgebiet Ettiswil, rund um die Vogelwarte Sempach oder bei der Wildbienenfläche neben dem Surseepark. Im Quartier-Garten Michael in Luzern findet dieses Jahr ein Trockenmauerkurs statt – auch hier entsteht neuer Lebensraum für Kleintiere. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich in Zukunft weniger Schreikrämpfe habe, wenn ich an Gärten vorbeispaziere.

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