Die Konsumgesellschaft und Alternativen
Was brauchen wir zum Glücklichsein?

  • Lesezeit: 3 min
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Zum Jahreswechsel machen die meisten Geschäfte Inventur. Das inspirierte mich. Ich stellte mir die Frage: «Was besitze ich eigentlich alles?» Das Ergebnis warf weitere Fragen auf, etwa danach, welche Dinge ich 2015 aktiv genutzt hatte, wieso der Rest nutzlos die Schränke füllte und wo all das «unnütze Zeug» überhaupt herkam…

Leere Schränke wirken auf «unnützes Zeug» wie Magneten. Seit Jahren versuche ich, allen Marketingfallen zu entgehen. Doch offensichtlich nicht erfolgreich genug. Ich habe mich mit meiner Inventur selbst entlarvt. Die vielen Reissverschlüsse, Knöpfe und Bänder, welche ich vor einigen Jahren bei der Geschäftsauflösung eines Stoffladens als Schnäppchen erstanden habe, liegen immer noch ungebraucht in der Schublade. Natürlich war es ein extrem günstiges Angebot, und Reissverschlüsse verderben nicht. Dennoch habe ich den Eindruck, es wäre sinnvoller gewesen, ich hätte für den einen Reissverschluss, den ich wirklich brauchte, etwas mehr bezahlt und dafür die Schublade leer gelassen. Spätestens beim nächsten Umzug werde ich mich über all den unnötigen Ballast nerven.

Preiskampf im Detailhandel

Für leere Schränke und Menschen mit Hang zum Sammeln herrscht aktuell die gefährlichste Zeit des Jahres – die Marketingfallen sind scharf. Diesen Winter nahm der Preiskampf allerdings fast schon absurde Züge an. Dank «Black Friday» und «Pre-Sales» war der Weihnachtsgeschenkekauf 2015 fast schon unverschämt günstig. Und der nachweihnachtliche Ausverkauf glänzt weiterhin mit satten Rabatten. Als Werbespot könnte man die Situation wie folgt zusammenfassen:

«Sind Sie nicht sicher, was Sie schenken sollen? Egal. Kaufen Sie einfach dieses unglaublich günstige Angebot. Wenn Ihnen später etwas Besseres über den Weg läuft: Kaufen Sie das halt auch noch. Viel zu verlieren haben Sie nicht. Es ist ja alles sooo günstig! Wenn Sie später etwas Besseres finden: Freuen Sie sich selbst an den überflüssig gewordenen Einkäufen oder entsorgen Sie das Zeug ungebraucht. Am besten wäre sowieso, Sie kauften gleich zwei, drei, vier Stück!»

Nachhaltigkeit und Preisdruck

Nun ja, ich gebe zu, das war jetzt ein bisschen überzeichnet. Aber ich habe stark den Eindruck, dass es genau darauf hinausläuft. Es ist klar, dass das System jährlich wachsende Umsatzzahlen voraussetzt und der Druck gross ist, diese zu erreichen. Aber vielleicht wäre es doch gut, dieses System mal ein wenig infrage zu stellen. Exzessive Preissenkungen sind nämlich weder wirtschaftlich, sozial noch ökologisch sinnvoll – und somit in keiner Weise nachhaltig. Viele Geschäfte leiden unter dem starken Preisdruck. Es muss bei den Personalkosten gespart und Druck auf die Lieferanten ausgeübt werden, um tiefere Einkaufspreise zu erhalten. Tiefe Einkaufspreise spiegeln sich oftmals in schlechten Arbeitsbedingungen und geringer Umweltverträglichkeit bei der Produktion wider.

Einer der berühmtesten Werbeslogans des vergangenen Jahres lautet: «Du kannst alles haben.» Dabei besagt ein althergebrachtes Sprichwort genau das Gegenteil. Stellen wir uns eine Welt vor, in der jeder alles (materiell gesehen) haben kann, was er will. Wären wir dann alle glücklicher? Welchen Wert hätte dann der einzelne Gegenstand noch?

Mögliche Alternativen

Angenommen, Sie kaufen nicht alles ein, was Sie sich leisten könnten, sondern nur die Dinge, die Sie wirklich brauchen. Am Ende jedes Monats bliebe ein guter Batzen mehr Geld in Ihrem Portemonnaie, als es heute der Fall ist. Manch einer würde sagen, so ein Verhalten schade der Volkswirtschaft. Das stimmt nur bedingt, denn es hat ja niemand gesagt, dass Sie das Geld nicht ausgeben sollen. Für die Volkswirtschaft am besten wäre es, Sie geben Ihr Geld in der Region aus. Sie könnten sich zum Beispiel eine teure Uhr leisten – Möglichkeiten dazu gibt es in Luzern genug. Sinnvoll wäre auch, qualitativ hochwertigere Alltagsprodukte zu kaufen als bis anhin. Am längsten in Erinnerung bleiben allerdings vermehrte Ausflüge: Wie wäre es mit einer spontanen Gondelfahrt auf den Pilatus? Einem Besuch ins Tropenhaus Wolhusen? Oder gefiele Ihnen ein wöchentlicher Kinobesuch ins Bourbaki? Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

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