Familiengärten: Von Restflächen zu wichtigen Naturorten
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Reiche Ernte im Familiengarten. (Bild: cim)

Gemüse anbauen mit Mehrwert in Luzern Familiengärten: Von Restflächen zu wichtigen Naturorten

3 min Lesezeit 1 Kommentar 16.12.2020, 10:56 Uhr

Selber Gemüse anzubauen, hat an Anziehungskraft gewonnen. Das steigende Bewusstsein für eine gesündere Ernährung bestätigt diesen Trend. Auch die Coronazeit scheint eine Rolle zu spielen. Aktuell sind in Luzern alle 890 Parzellen vermietet.

Als Kind waren mir Schrebergärten fremd. In meinem familiären Umfeld gab es niemanden mit einem solchen Garten. Umso spannender fand ich es jeweils, wenn ich per Zufall an einer solchen Anlage vorbeikam. Die bunte Vielfalt gefällt mir noch heute.

Damals in den 1970er Jahren hatten Familiengärten den Ruf, dass vor allem Menschen aus anderen Ländern solche Parzellen nutzten. Das hat sich aber im Laufe der Jahre gewandelt; erst recht mit dem Aufkommen von «urban gardening». Heute ist es eine vielfältige Gemeinschaft, die auf diesen Anlagen anzutreffen ist.

Gärten in Luzern

Familiengärten haben eine lange Tradition. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Die ältesten, noch bestehenden Gärten in Luzern, wie Allmend, Friedentalried, Areal Lido und Steinhof, stammen aus den 1940er Jahren. Sie sind demzufolge gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden. Der Gemüseanbau wurde zu jener Zeit gar behördlich gefördert.

Die Stadt stellt heute der Stadtbevölkerung 15 Gartenareale mit rund 890 Parzellen zur Verfügung. Nach Angabe der Stadtgärtnerei Luzern sind zurzeit alle Parzellen vergeben und es gibt Wartelisten.

Areale auf Restflächen

Die Areale stehen im Allgemeinen immer wieder unter Druck. Oft werden diese Flächen geopfert, wenn Bauland benötigt wird. Aktuell ist das Beispiel bei der Haltestelle Allmend/Messe. Wegen des Neubaus mussten einige Parzellen aufgehoben werden. Ein Teil wird nun aber glücklicherweise wiederhergestellt.

Wieder hergestellte Parzellen bei der Haltestelle Allmend/Messe. (Bild: cim)

In der Vergangenheit wurden Gartenareale auf Restflächen zur Verfügung gestellt, deren Boden alles andere als gesund war. So passierte es im Friedentalried. Im Untergrund schlummerte die bis in die 1940er Jahre betriebene Kehrrichtdeponie Ried. Das Areal wurde vor wenigen Jahren saniert und zu einem Landschaftspark umgestaltet.

Dazu gehören auch rund 100 Familiengartenparzellen und ein Gemeinschaftsgarten. Durch die Sanierung sind gegen 60 Parzellen verloren gegangen.

In Luzern ist man jedoch bestrebt, die Familiengartenareale in die Freiraumplanung einzubeziehen. So wird auf dem Stadtportal erwähnt, dass diese Areale als grüne Freiräume in der Stadt sehr wertvoll seien. Neben der Naturerfahrung bieten sie einen Begegnungsort und fördern die Integration verschiedener sozialen Schichten.

Es kann nicht jeder tun und lassen was er will

In der Familiengartenverordnung der Stadt Luzern wird genau festgelegt, was erlaubt ist. Darin wird unter anderem festgehalten, dass die Familiengärten umweltschonend und naturnah genutzt werden müssen. Konkret heisst das, dass die Bewirtschaftung nach biologischen Grundsätzen zu erfolgen hat.

Dies lässt vermuten, dass früher mit dem Einsatz von Kunstdünger und Unkrautvertilgungsmitteln etwas übertrieben wurde. Sie sind gemäss der Verordnung verboten. Die Einhaltung wird von der Stadtgärtnerei nicht mit direkten Kontrollen überprüft. Es wird aber bei der jährlichen Begehung angesprochen. Grundsätzlich obliegt es den Arealvorständen, auf die Vorgaben aufmerksam zu machen.

Es kann auch nicht nach Lust und Laune ein Gartenhaus auf die Parzelle gestellt werden. Es gibt dafür eine Wegleitung, was konkret erlaubt ist. Und es braucht eine Baubewilligung, die vom Verein oder von der Stadtgärtnerei erteilt werden muss. Die Parzellenfläche darf auch nicht übermässig versiegelt werden. Mindestens 80 Prozent der Fläche muss wasserdurchlässig bleiben.

Es scheinen strenge Vorgaben. Doch sie sind sinnvoll. Dadurch leisten diese Areale einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und bieten einen Ort mit hohem Erholungswert.

Schmucke Gartenhäuser im Friedental Ried. (Bild: cim)

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1 Kommentare
  1. M.Schmidig, 16.12.2020, 13:31 Uhr

    Die wieder hergestellten Parzellen befinden beim Bahnhof Mattenhof und nicht bei der Haltestelle Allmend. Sie wurden vorübergehend zweckentfremdet für den Bau des neuen Bahnhofes.

    Das ist genau dort, wo in den nächsten Jahren ein Riesenhochhaus hingebaut wird- ob dann die Garten-Flächen überhaupt noch nutzbar sind wegen des Schattenwurfes?

    Familiengärten sind etwas sehr Sinnvolles- man ist an der frischen Luft, baut das eigene Gemüse an, plaudert mit den Nachbarn, ruht sich aus, und geht am Abend zufrieden nach Hause.

    Die Nachfrage ist offensichtlich da, wenn alle Parzellen vermietet sind.
    Weshalb werden dann auf dem Areal Grabenhof die 173 Parzellen in den nächsten Jahren aufgehoben, um einen Freizeitpark zu schaffen?

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