Klimawandel macht Hecken in Luzern zu schaffen Tschüss Thuja, hallo wilde Alternativen!

29.09.2021, 10:56 Uhr 4 min Lesezeit 1 Kommentar
Wenn die Thujahecke so aussieht, wird es langsam Zeit, sich über Alternativen Gedanken zu machen.
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Wenn die Thujahecke so aussieht, wird es langsam Zeit, sich über Alternativen Gedanken zu machen. (Bild: mki)

Die exotische Thujahecke ist seit Jahrzehnten eine beliebte Möglichkeit, einen Sichtschutz zu schaffen – der Klimawandel macht ihr aber zunehmend zu schaffen. Nachhaltigkeitsbloggerin Marie-Louise Kieffer erklärt in ihrem Blogpost, wie regionale Alternativen aussehen können und welche Angebote es diesbezüglich in Luzern gibt.

Thujahecken sind seit den 60er-Jahren gross in Mode: einfach zu schneiden, blickdicht, immergrün – aber leider schrecklich langweilig. Der Klimawandel macht diesem exotischen Heckengehölz nun zusehends zu schaffen. Auf meinem Heimweg komme ich jeweils gleich an drei Stellen vorbei, wo die Thujahecken schon halb abgestorben sind. Das sieht deprimierend aus. Eigentlich wäre das der ideale Zeitpunkt für einen Neustart – «Hecke reloaded». Aber was machen wir denn nun mit der halbtoten Thujahecke?

Thuja roden und durch Wildsträucher ersetzen

Grundsätzlich können die abgestorbenen Thujen entfernt und durch einheimische Sträucher ersetzt werden. Die Thuja treibt nicht mehr aus, wenn man sie bodeneben abschneidet, ihre Wurzeln müssen nicht vollständig entfernt werden. Aber damit die neu gepflanzten Sträucher gut wachsen, muss man ein geräumiges Pflanzloch graben können – es braucht also schon etwas Bodenvorbereitung. Eine Hecke mit einheimischen Wildsträuchern ist nicht nur interessant für das menschliche Auge, sie bietet auch der heimischen Tierwelt Futter, Verstecke und Nistmöglichkeiten.

Die Gemeinden Luzern, Ebikon, Emmen, Horw, Meggen, Sempach und Sursee bieten der Bevölkerung kostenlos einheimische Wildsträucher mittels Wildsträucheraktionen an. Abgegeben werden sogenannte wurzelnackte Sträucher ohne Erdballen. Die Pflanzen stammen aus Zentralschweizer Forstbaumschulen, sie sind günstig und leicht zu transportieren. Pflanzzeit ist Spätherbst. Wer selber Pflanzen beschafft, kann auch im frühen Frühling pflanzen.

Wildsträucher – hier ein Pfaffenhütchen – und Weiden-Sichtschutz lassen sich bestens kombinieren.

Abgestorbene Thuja mit Schlingpflanzen begrünen

Diese Möglichkeit ist weniger aufwendig als eine Hecken-Neupflanzung, das Resultat ist aber wilder und «abenteuerlicher» als eine klassische Hecke: Kletterpflanzen neben die abgestorbenen Thujen setzen. Auch Schlingpflanzen brauchen ein grosszügiges Pflanzloch und sind dankbar für einen lockeren Boden. In ein bis zwei Jahren wird die Kletterpflanze das «Thujagerippe» überwachsen haben und erfreut mit frischem Grün und Blütenpracht.

Geeignet sind etwa Hopfen, Efeu, Gemeine oder Alpen-Waldrebe und Wald-Geissblatt. Schlingpflanzen erhält man in Töpfen, sie können ganzjährig gepflanzt werden, solange der Boden nicht gefroren ist. Unbedingt Pflanzen aus regionaler Herkunft verlangen und den korrekten botanischen Namen verwenden – im Handel tauchen leider immer wieder auch exotische Problempflanzen (Neophyten) auf!

Anlage einer «Fresshecke»

Vielleicht ist das Absterben der Thujahecke eine gute Gelegenheit, um mehr Fruchtgehölze in den Garten zu holen? Obstbäume können praktisch in jeder Form kultiviert werden. So werden für eine «grüne Wand» ein paar Pflöcke eingeschlagen und dann waagrechte Drähte gespannt. Anschliessend pflanzt man Spalierbäume der Lieblingssorten. Die jungen Triebe werden nun an die waagrechten Drähte geheftet und bilden einen sommergrünen Sichtschutz, der Obst liefert. Geeignet sind Äpfel, Birnen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsich, Kiwis und weitere.

Auch Himbeeren und Brombeeren ergeben einen prima Sichtschutz im Sommer. Vor der Pflanzung genau abklären, welche Ansprüche die Fruchtgehölze haben, die Sortenvielfalt ist riesig. Unsere eigene Brombeerhecke hat dieses Jahr rund zehn Kilo Beeren geliefert. Die jährliche Pflege (alte Triebe abschneiden, junge Triebe an die Drähte heften) ist in einer halben Stunde erledigt – und unser Keller ist gefüllt mit Köstlichkeiten! Der Kanton Luzern unterstützt übrigens gemeinschaftliche Projekte, in denen sogenannte «Öffentliche Naschgärten» gepflanzt werden.

Essbarer Sichtschutz: Mit den Brombeeren klappt auch die Vitaminversorgung für die ganze Familie.

Weiden-Sichtschutzwand

Wer es gerne rasch blickdicht mag und wenig Geld ausgeben will, kann sich auch selber einen individuellen Sichtschutz flechten. Dieser hält zwar nicht ewig, macht aber etwa zehn Jahre Freude und verändert sein Gesicht mit der Zeit. Dazu besorgt man sich gerade Pflöcke, Armierungseisen oder Haselstecken und schlägt sie in einer Reihe mit etwas Abstand senkrecht in den Boden. Dies bildet das Gerüst für das Flechtwerk. Danach beschafft man sich dünne Weidenruten ohne Blätter. Diese werden nun waagrecht immer abwechselnd vor oder hinter einem Pflock durchgeführt. Die nächste Reihe macht man genau umgekehrt. So erhält man eine Optik, die an einen Korb erinnert. Anfangs sind die Weidenruten noch farbig, rötlich oder gelblich. Mit der Zeit verwittern sie – bei unserem eigenen Weiden-Sichtschutzzaun haben sich sogar schon Flechten angesiedelt – Altern in Schönheit!

Echte Freaks kombinieren die obengenannten Möglichkeiten miteinander – dann wird’s so richtig wild im Quartier!

Hinweis: Die Umweltberatung Luzern berät kostenlos bei Fragen zu Wildsträuchern, Naturgarten, Biodiversität, Naschgärten, Weidenflechtwerk und anderen Umweltthemen.

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1 Kommentare
  1. Rudolf 1, 29.09.2021, 15:59 Uhr

    Und baggert endlich die invasiven Neophyten aus eurem Garten, vor allem den Kirschlorbeer …

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 1 👎 Daumen runter

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