Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
So lässt sich Schimmel nachhaltig bekämpfen
  • Blog
  • Nachhaltigkeits-Blog
Schimmelpilz in den eigenen vier Wänden ärgert immer wieder (Bild: Pixabay).

Natürliche Methoden statt chemische Keule So lässt sich Schimmel nachhaltig bekämpfen

4 min Lesezeit 10.07.2019, 13:43 Uhr

Ein paar Monate in den eigenen vier Wänden und schon gibt es Ärger in der Waschküche: Schimmel! Was ist da schiefgelaufen, fragt sich unser Blogger und Neueigenheimbesitzer.

Es war unser erstes Projekt, das wir vor dem Einzug ins Einfamilienhaus anpackten. Die Waschküche sollte in freundlichen Farben daherkommen. Also nutzten wir die Zeit vor dem Einzug und kauften im Handel eine passende Farbe.

Doch schon im zweiten Sommer nach dem Einzug kam die Überraschung. In den Ecken der Waschküchenaussenwände bildete sich Schimmel. In den vierzig Jahren zuvor war dies nie ein Problem und jetzt plötzlich ist er da.

Unterstütze Zentralplus

Wo liegt das Problem?

Schimmel brauchen zum Wachsen Nährstoffe und Feuchtigkeit. Klar bringen wir durchs häufige Waschen der Kinderkleider mehr Feuchtigkeit in die Waschküche als früher. Bei der Einschätzung der Situation kann ein Feuchtigkeitsmessgerät helfen. Ist über längere Zeit die Luftfeuchtigkeit hoch, kann dadurch das Schimmelwachstum begünstigt werden. Ein Messgerät kann man kostenlos bei der Umweltberatung Luzern ausleihen.

Regelmässiges Lüften ist gut – ausser bei Hitzewellen

Mit regelmässigem Lüften sollte die Luftfeuchtigkeit aber eigentlich problemlos an die Aussenluft abgegeben werden können – vor allem im Winterhalbjahr, weil dann die kalte Aussenluft wenig Luftfeuchtigkeit in sich trägt. Im Sommer bei Hitzewellen funktioniert das Lüften aber nicht, ganz im Gegenteil. Weil die warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, kommen bei hohen Temperaturen grosse Mengen Feuchtigkeit ins Haus, welche an den kühlen Stellen im Haus (vorwiegend an Wänden im Erdreich) kondensieren.

Die Aussenwände scheinen regelrecht zu schwitzen. Sind Oberflächen über längere Zeit feucht, kann eine solche Situation zu Schimmel führen. Der letztjährige heisse Sommer könnte also seine Spuren hinterlassen haben. Im Sommer also nur nachts lüften. Weitere Tipps gibt es auch auf den Umweltberatungsstellen der Region.

Wie kommen Nährstoffe an die Wand

Zum Gedeihen von Schimmelpilzen braucht es neben Feuchtigkeit auch Nährstoffe. Doch wie sind diese an unsere Waschküchenwand gekommen? Haben wir etwa Mayonnaise statt Farbe an die Wand gestrichen? Natürlich nicht! Schimmelpilze können auch auf Farben wachsen, sofern die falschen verwendet wurden.

Klar ist, dass im Gegensatz zu Dispersionen mineralische Farben auf natürliche Weise ohne problematische Zusatzstoffe schimmelpilzhemmend wirken. Reine Mineralfarben haben ein anorganisches, respektive mineralisches Bindemittel. Es fehlen also organische Nährstoffe, welche den Schimmelbefall begünstigen. Zudem sind mineralische Farben wie Kalkfarben basisch, womit die säureliebenden Schimmelpilze keine Lebensgrundlage vorfinden.

Zusätzlich sind Kalkfarben diffusionsoffen, womit Feuchtigkeit aufgenommen und wieder abgegeben werden kann. Damit können Wände wieder richtig austrocknen, was Schimmelpilze überhaupt nicht schätzen. Dies funktioniert besonders gut, wenn die ganze Wandstruktur entsprechend diffusionsoffen aufgebaut ist.

Auch Dispersionsfarben werden nachhaltiger

Auch im Bereich der Dispersion sind grosse Entwicklungen Richtung umweltschonendere Produkte im Gang. Weil Konservierungsstoffe umweltschädlich sind, wird daran geforscht, Bindemittel ohne Konservierungsstoffe herzustellen.

Vanora, eine Luzerner Firma in Sempach Station, hat als eine der ersten Firmen überhaupt wässerige Bindemittel ohne Konservierungsmittel auf dem Markt gebracht. Farbhersteller entwickeln damit nun Dispersionen ohne Konservierungsmittel, welche in naher Zukunft den Konsumenten zur Verfügung stehen werden.

Antischimmelspray – nein danke

Die Behandlung der befallenen Stellen mit chlorbasierten Wirkstoffen ist für mich keine Option, obschon dies im Fachhandel als gängige Lösung des Problems empfohlen wird. Chlor ist ein hoch reaktives Gas, welches schon im Ersten Weltkrieg als Giftgas eingesetzt wurde. Ausserdem können durch Chlor krebserzeugende Verbindungen entstehen. Da löse ich das Problem doch lieber richtig, statt einen neuen Schadstoff in unser Haus zu bringen.

Schadstoffe effektiv entfernen

Warum wir in der heutigen Zeit lieber Antischimmelfarben mit problematischen und teilweise gesundheitsschädigenden Zusatzstoffen brauchen, statt bewährte, mineralische Farben einsetzen, ist mir ein Rätsel. Als Eigenheimbesitzer beginne ich mir darüber vermehrt Gedanken zu machen. An einer Veranstaltung bekam ich viele Inputs.

Seither will ich bei der Sanierung nicht nur die gestalterische Qualität des Hauses verbessern, sondern nach Möglichkeit vorhandene Schadstoffe entfernen und sicher keine neuen Schadstoffe mehr einbauen. Damit soll unser Haus ein gesundes Hausklima erhalten – für die Gesundheit aller Bewohnenden.

Richtige Beratung

Leider war uns der Zusammenhang zwischen Farbe und Schimmel vorgängig nicht bewusst. Auch wurden wir im normalen Fachhandel nicht darauf hingewiesen. In unserer Region vertreiben zum Beispiel die Firmen Keim in Luzern oder Thymos in Kriens mineralische Farben, womit wir in Zukunft wohl zu deren Kundschaft gehören werden.

Übrigens können Kalkfarben auch auf bestehende Dispersionen aufgetragen werden. Es gibt also durchaus Hoffnung, dass wir das Problem des Schimmels wieder loswerden – ganz natürlich ohne zusätzlichen Schadstoffe – einfach mit der richtigen Beratung und der richtigen Farbe.