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Luzerner Verkehrsplanung widerspricht 2000-Watt-Gesellschaft
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Ohne Umdenken beim Verkehr keine Energiewende Luzerner Verkehrsplanung widerspricht 2000-Watt-Gesellschaft

3 min Lesezeit 30.05.2019, 12:00 Uhr

Jörg Häfliger sieht die aktuelle Verkehrsplanung von Bund und Kanton Luzern im Widerspruch zu den Anforderungen einer 2000-Watt-Gesellschaft. Ohne eine neue Verkehrspolitik sei die Energiewende nicht zu bewerkstelligen, schreibt er in seinem Blog.

«Der Kanton verfolgt das langfristige Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft und der Ein-Tonnen-CO2-Gesellschaft», so steht es im neuen Luzerner Energiegesetz. Ähnliche Absichtserklärungen gibt es auch in der Stadt Luzern, vielen anderen Städten der Schweiz und auch auf nationaler Ebene.

Aber noch sind wir von diesem Ziel meilenweit entfernt. Der Energieverbrauch pro Kopf liegt heute etwa drei Mal so hoch wie er in der Zeit nach 2050 sein sollte. Am meisten Energie verbrauchen wir im Verkehr. Dafür benötigen wir heute etwa so viel Energie, wie eine zukünftige 2000-Watt-Gesellschaft insgesamt verbrauchen sollte. Auf dem langen Weg in eine energetisch nachhaltige Gesellschaft müssen wir zwingend den Energiebedarf für unsere Mobilität reduzieren.

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Verkehrsplanung von vorgestern

Diese Einsicht ist aber offensichtlich noch nicht in den Köpfen der Verkehrsplaner angekommen. So rechnet der Bund mit einer Zunahme des Personenverkehrs bis 2040 um 25 Prozent und mit einer Zunahme des Güterverkehrs um 37 Prozent. Die Verkehrsplanung im Kanton Luzern geht davon aus, dass «die jährlich gefahrenen Kilometer um 1,5 Prozent zunehmen werden» – mit dem neckisch anmutenden Zusatz «dies jedoch bei abnehmendem Treibstoffverbrauch pro gefahrenem Kilometer». Logische Folge dieser nicht hinterfragten Prognosen sind Ausbaupläne für Autobahnen in vielen Teilen des Landes oder umstrittene Projekte wie die Spange Nord.

Meine Überzeugung: Mit solchen Verkehrsperspektiven sabotieren wir nicht nur unsere Klimaziele. Wir verunmöglichen damit auch, dass wir dem Fernziel 2000-Watt-Gesellschaft wesentlich näher kommen.

Technologiewunder nicht zu erwarten

Technologische Wunder, die unser Fernziel in greifbare Nähe rücken würden, sind leider nicht in Sicht. Auch die Autos der Zukunft werden viel Platz, viel Material und Energie benötigen. Gemäss dem Bund schneiden «Elektroautos» in Sachen Umweltbelastung nur wenig besser ab als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Hauptgrund: Sie haben einen schweren ökologischen Rucksack, vor allem wegen der Batterien. Und der kleine Vorteil von Elektroautos gilt nur dann, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

Wasserstoff-Autos sind ebenso nicht die Lösung für alle Probleme: Bedingt durch die Technik sind sie schwer und wenig energieeffizient. Sie benötigen gut zweimal so viel elektrische Energie wie batteriebetriebene E-Autos, denn Herstellung von Wasserstoff und Rückverwandlung in Strom sind mit Verlusten verbunden. Wer an technologische Wunder glaubt, baut auf Sand.

Zukunftsfähige Mobilität

Mehr Mobilität als heute – wie das nationale und kantonale Verkehrsstrategien vorsehen – liegt schlicht nicht drin. Ganz im Gegenteil. Die Verkehrsplaner müssen also zwingend ihre Konzepte überarbeiten. In Zukunft darf der motorisierte Individualverkehr nur noch eine deutlich geringere Rolle spielen als heute.

Damit das möglich wird, müssen selbstredend auch wir Verkehrsteilnehmer die eigenen Gewohnheiten hinterfragen und in vielen Fällen ändern. Wer es ernst meint mit Klimaschutz und 2000-Watt-Gesellschaft, kann nicht einfach so weiterfahren wie bisher. Eine zukunftsfähige Mobilität ist eine Mobilität der kurzen Wege. Dabei werden Öffentlicher Verkehr, Langsamverkehr (Fussgänger und Fahrräder) und «smarte Mobilitätslösungen» miteinander verbunden: Lange Strecken sollten mit dem Zug zurückgelegt werden, in der Stadt sollte man zu Fuss, mit dem Velo oder dem ÖV unterwegs sein und «smarte Lösungen» wie Telefon- und Videokonferenzen ermöglichen uns, vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten und einen Grossteil unserer Geschäftsreisen zu ersetzen.

Der Weg dorthin ist lang und bestimmt nicht einfach. Ihn nicht anzutreten, ist aber aus Sicht eines Umweltschützers keine Option.