Wie kann ich Lebensmittel-Verschwendung verhindern?
Kühlschrankleichen

  • Lesezeit: 4 min
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Gähnende Leere in unserem WG-Kühlschrank. Armer Rahm und armes Joghurt, so einsam ...

Sie sind die unschönen Überbleibsel unseres hastigen Alltagslebens. Lautlos und unbemerkt verderben sie in der hintersten Ecke des Kühlschranks. Sie aus dem Weg zu räumen ist oft ein Grauen, doch …

Schon wieder ist es passiert. Der WG-Kühlschrank ist, bis auf ein paar wenige Kühlschrankleichen, gähnend leer. Traurig schauen mich ein müder, leicht angegrauter Brokkoli, eine angefangene Packung Rahm und ein abgelaufenes Joghurt an. Auf dem Brotbrett schaut es ähnlich aus, vereinsamt liegt ein halbes, steinhartes Weissbrot herum. Bei meiner Grossmutter wäre das wohl nie passiert, denke ich resigniert. Damals waren Lebensmittel noch wertvoll und wurden bis zum letzten Stück braunen Apfels geschätzt.

Grossmutters Albtraum

Anfangs dachte ich noch, es brauche einfach Zeit, bis sich der neue WG-Haushalt etwas eingependelt hat. Drei Menschen, drei flexible und unabhängige Alltagspläne, da ist das wohl normal. So langsam glaube ich aber, dass sich einfach niemand dafür verantwortlich fühlt. Weshalb auch? Der nächste Laden ist gleich um die Ecke, vorausplanen also völlig überflüssig und die paar Batzen für ein frisches Joghurt tun nicht weh. Und mal ehrlich, wieso soll ich das geschmacklose Brot essen, das mein Mitbewohner immer nach Hause bringt? Ein frisches Vollkornbrot wartet ja gleich um die Ecke im Regal. Aber nun ist Schluss damit.

Ja, meine Grossmutter wäre wirklich stinksauer geworden. Mit ihrem Garten ausserhalb von Luzern hat sie mit viel Liebe und Ausdauer einen grossen Haushalt ernährt. Sie wusste genau, wie viel Arbeit es bedeutet, bis der Brokkoli es in die Küche schafft. Also was nun, mit dem müden Gemüse? Einfrieren oder verschenken hätte ich es können, bevor ich übers Wochenende weggefahren bin. Das schlechte Gewissen ist nun zu gross, um den Brokkoli einfach in den Grünabfall zu schmeissen. Der Stiel ist immerhin noch zu retten, der ist ja genauso schmackhaft wie die Röschen. Ab jetzt kaufe ich öfter auf dem Luzerner Wochenmarkt ein, nehme ich mir vor. Wenn ich dem Produzenten in die Augen schauen kann und sehe, wo mein Gemüse herkommt, lasse ich es bestimmt nicht mehr so weit kommen.

Selber denken macht schlau

Der Joghurtdeckel teilt mir nüchtern mit, dass das Joghurt abgelaufen ist. Aber was weiss der schon. Da vertraue ich lieber auf meine eigenen Sinne. Aufmachen, anschauen, beschnuppern und vorsichtig probieren. Alles im grünen Bereich, also munter auslöffeln und weiter zum harten Brot. Meine Zähne will ich mir nicht daran ausbeissen. Das Brot den Vögeln zu verfüttern ist aber keine Option. Es gibt meines Erachtens schon genug Tauben in der Stadt, und die Schwäne am Schweizerhofquai bekommen sowieso viel zu viel Futter. Dabei finden die Tiere in der Natur eigentlich selbst genug und vor allem viel gesünderes Futter. Die Lösung ist simpel: Heute gibt es Fotzelschnitten.

Bleibt noch der Rahm zurück. Meine Sensorik meldet mir: «nicht mehr geniessbar». Also weg damit, auch wenn es wehtut. In tierischen Lebensmitteln steckt noch mehr Aufwand und Energie als im Brokkoli aus Grossmutters Garten, und der Einfluss auf die Umwelt ist entsprechend um einiges grösser. So zum Beispiel kann mit der gleichen Menge Wasser, die für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch nötig ist, mehr als acht Kilogramm Weizen hergestellt werden.

Schluss mit Kühlschrankleichen

Mein Entschluss steht fest. An der nächsten WG-Sitzung werde ich die Kühlschrankleichen zur Sprache bringen. Mit ein bisschen mehr Koordination und Planung beim Einkauf sowie der richtigen Lagerung von Esswaren können wir unseren «food waste» bestimmt stark reduzieren und erst noch einiges an Geld sparen. In der Schweiz geht ein Drittel der hier produzierten Lebensmittel ungenutzt verloren. Im Kanton Luzern alleine sind das 10’000 Tonnen jährlich. Absolut unvorstellbar und auch sehr respektlos, wenn man bedenkt, wie gross der Aufwand für die Herstellung unserer Lebensmittel ist und wie viele Menschen täglich hungern müssen.

Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die der Lebensmittelverschwendung den Kampf ansagen. So nimmt eine Sonderausstellung an der LUGA das Thema auf und gibt viele Tipps, wie man die Verschwendung reduzieren kann. Und das Konzept der Äss-Bar ist simpel aber genial. Die Äss-Bar verkauft Backwaren vom Vortag zu vergünstigten Preisen. Leider gibt es die Äss-Bar bisher noch nicht in Luzern. Dafür gibt es hier den offenen Kühlschrank im Neubad. Der offene Kühlschrank wird gefüllt mit intakten Esswaren aus Verkaufsläden in der Nähe und lädt zum Gratis-Mitnehmen ein. Unser Kühlschrank ist jetzt dafür leer und wird von nun an nur noch mit Köpfchen gefüllt.

Infostand zum Thema Lebensmittelverschwendung

Am Samstag, 5. März 2016, wird zwischen 9 und 12 Uhr am Theaterplatz in Luzern ein Infostand mit praktischen Tipps um Lebensmittelverschwendung im Alltag stehen. Infos dazu finden Sie hier.

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