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Klima auf dem Teller, aber ohne Dogmen
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Bäuerin Laura Marty-Iten (Bild: zvg )

Wie man sich mit Ernährung für die Umwelt einsetzen kann Klima auf dem Teller, aber ohne Dogmen

5 min Lesezeit 01.05.2019, 14:01 Uhr

Für Klimaschutz sein, aber dennoch Fleisch essen? Ein Veganer, eine Bio-Bäuerin und eine Food-Save-Aktivistin erzählen, wie sie sich mit ihrer Ernährung für die Umwelt einsetzen, ohne extremistisch zu sein.

Die Ernährung trägt in der Schweiz rund 20 Prozent zu den Treibhausemissionen bei. Nahrungsmittel zu produzieren und transportieren, erzeugt hohe CO2-Emissionen. Insbesondere Fleisch, Milch, Käse und weitere tierische Produkte schneiden schlecht ab in den Ökobilanzen.

Gleichzeitig werden viele Nahrungsmittel täglich von Detailhändlern, Gastrobetrieben und Konsumenten weggeworfen. Es sind grosse Dimensionen: zu krumm, zu klein, zu hässlich. Beispielsweise werden von 100 geernteten Kartoffeln nur 34 tatsächlich gegessen. 66 Kartoffeln werden aussortiert, obwohl sie geniessbar wären.

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Es ist allerdings gar nicht so einfach, im Alltag dann wirklich alle diese Aspekte zu beachten. Und viele Ansätze erscheinen extrem oder schwierig umsetzbar. Vor kurzem stiess ich auf den Begriff «Klimatarier» und versuchte herauszufinden, ob ich mich klimafreundlich ernähre oder nicht (externer Link). Resultat: Es geht so. Da ist noch viel Luft nach oben.

Daher wollte ich mich von Menschen inspirieren zu lassen, welche schon einige Schritte weiter sind – und mir vielleicht auch ein paar einfache Tricks abschauen.

Unkompliziert vegan

Nico Che ist 25 Jahre alt und wohnt in Luzern. Vor drei Jahren erhielt er die Diagnose für frühzeitiges Rheuma. Nico Che entschied sich, auf alle tierischen Produkte zu verzichten. Vor allem da in rotem Fleisch rheumafördernde Enzyme enthalten sind. Als Kind ass er sehr viel Fleisch. Angewöhnte Muster musste er sich somit abtrainieren. «Am Anfang meiner Essensumstellung konnte ich etwa um drei Uhr morgens nach dem Ausgang einem Döner mit Joghurtsauce nicht widerstehen.»

Er merkte schnell: Wenn ich mich nur von Spaghetti und Tomatensause ernähre, kommt das nicht gut. Es braucht viel Gemüse, Linsen, Kichererbsen, Tofu und zusätzlich nimmt er Vitamin-B12-Tabletten und macht einmal pro Jahr einen Bluttest beim Hausarzt. Bis jetzt waren die Werte sehr gut.

Treiber der Umstellung auf eine vegane Ernährung war für ihn die Gesundheit. Nico Che: «Dass Fleisch, Milch und Eier 43 Prozent der gesamten Umweltbelastung im Konsumbereich verursachen, bestätigt meine Entscheidung.» Und immer mehr beschäftigen ihn Fragen wie «Was unterscheidet Hund und Schwein?» oder «Warum wird ein Kind, welches eine Katze tötet zum Psychologen geschickt, aber bei erwachsenen Menschen das Jagen als Sport bezeichnet?»

Er wohnt in einer WG mit zwei «Fleischtigern». Das Zusammenleben ist trotzdem kein Problem. Während sie sich Eier und Speck gönnen, geniesst er Scrambled Tofu mit Pilzen und Bratkartoffeln. Eine Umstellung auf vegane Ernährung brauche viel Zeit. In einer Gesellschaft, deren Ernährung sehr auf tierische Produkte ausgerichtet ist, könnten kleine Schritte schon Grosses bewirken, etwa einmal pro Woche vegan essen und weniger tierische Produkte einkaufen.

Was haben Nahrungsmittel im Abfall zu suchen?

Mimi wurde bei einem Besuch im Luzerner Neubad darauf hingewiesen, dass in einem Kühlschrank Lebensmittel abgeholt werden können, die sonst im Abfall landen würden. Von diesem Angebot habe sie gerne Gebrauch gemacht und war zuerst erstaunt, dass die Lebensmittel immer in so einwandfreiem Zustand waren.

Irgendwann ging sie dann auch mal mit auf die Sammeltour. Das war ein einschneidendes Erlebnis: Bei einem Detailhändler im Hinterhof sei ein Container voller Bananen gestanden, die noch tipptopp waren (siehe auch die zentralplus-Reportage). Und weitere Container mit Gemüse, das noch geniessbar war. Von diesem Tag an liess dieses Thema Mimi nicht mehr los.

Sie sammelt nun regelmässig Gemüse und Brot bei Detailhändlern und Bäckereien ein und bringt es zum Kühlschrank. Mit diesen Betrieben hat die Food-Save-Gruppe die Abmachung, dass sie die Lebensmittel legal abholen können. Mittlerweile konnte sie auch ihr Umfeld davon überzeugen, dass es sich davon keine Magenverstimmungen holt und die Lebensmittel in einwandfreiem Zustand sind. Dies wird auch vom Lebensmittelinspektor regelmässig kontrolliert.

Mimi achtet nun noch viel genauer darauf, dass sie selber nichts wegwirft. Ihre Tipps tönen einfach: nur so viel einkaufen, wie man wirklich braucht und Produkte nicht nur nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum beurteilen, sondern auch mit den Sinnen: Man sehe oder rieche es, wenn etwas nicht mehr gut ist. Die allermeisten Lebensmittel sind weit über das Haltbarkeitsdatum noch sehr gut. Und: Kochüberschüsse mit ins Büro nehmen und mit anderen teilen oder kreativ wiederverwerten am nächsten Tag.

Wie Bio-Kühe aus Oberägeri Grasland in Nahrung umwandeln

Laura Marty-Iten bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Landwirtschaftsbetrieb auf knapp 1’000 Metern über Meer in Oberägeri. Der Betrieb besteht ausschliesslich aus Wiesen- und Weidefläche. Ackerbau oder Gemüsebau sind nicht möglich. Eine Mutterkuhherde von etwa 30 Tieren weidet auf diesen Flächen, also Kälber mit ihren Müttern.

«Unsere Tiere erhalten ausschliesslich Futter vom eigenen Betrieb, also Gras, Heu und Grassilage.» Das betont Laura, denn in der ganzen Diskussion um Fleischproduktion und Klima werde oft nicht unterschieden, ob es sich um Tiere handelt, welche intensiv mit Mais oder Soja gefüttert wurden oder eben um reine Graslandhaltung.

Die Kühe von Laura Marty-Iten bekommen nur Futter aus dem eigenen Betrieb.

(Bild: zvg)

Bei dieser Produktion werden keine Flächen genutzt, die auch sonst für die Produktion von menschlicher Nahrung gebraucht werden könnten. In der Schweiz machen diese Flächen 71 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. «Es stellt sich also die Frage, produzieren wir auf diesen Flächen Nahrung? Wenn ja, dann ist das nur mit der Haltung von Wiederkäuern (Kühen, Schafen, Ziegen) möglich», gibt sie  zu bedenken.

Bewusster Fleischkonsum

Laura Marty-Iten schätzt an ihrer Arbeit den engen Kontakt zu den Tieren und der Natur und sieht in der extensiven Tierhaltung eine Möglichkeit, auch hügelige Flächen ressourcenschonend und umweltfreundlich zu nutzen. Sie befürwortet einen gemässigten, bewussten und nachhaltigen Fleisch- und Milchkonsum. Dafür empfiehlt sie, das Fleisch direkt beim Bauern in der Nähe zu kaufen, beispielsweise über die Bio-Plattform «Knospehof». In einem Mischpaket habe der Konsument dann auch die Möglichkeit, alles vom Tier zu essen und nicht nur das Steak oder das Filet.

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