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Was Luzern gegen Stadttauben unternimmt

Katz-und-Maus-Spiel mit Taubenfütterin in Luzern

Kaum zu sehen, aber hier hat eine Person ganz kleine Körnchen grossflächig ausgestreut. (Bild: mki)

Man trifft sie in ganz Luzern an: die Stadttauben. Weshalb man sie auf keinen Fall füttern sollte, warum dies eine ertappte Fütterin dennoch tut und wie die Stadt Luzern gegen eine Überpopulation vorgeht, schreibt Nachhaltigkeitsbloggerin Marie-Louise Kieffer im Blogpost.

Ich spaziere jeweils vom Bahnhof dem See entlang bis zum Bourbaki, wenn ich arbeiten gehe – ein wirklich prächtiges Stück Arbeitsweg! Meist richte ich den Blick denn auch auf See und Berge. Ab und zu stolpere ich aber auch fast über auffällige Ansammlungen von Futter pickenden Tauben. Beim Näherkommen fliegen die meisten davon und ich sehe eine grössere Fläche, die mit sehr kleinen Hirse-Körnern bestreut ist.

Ich staune – wer tut denn so etwas? Das ist doch Foodwaste! Ich gehe weiter und stosse nach einigen Metern schon auf die nächste mit Körnern bestreute Fläche. Insgesamt an fünf Stellen hat jemand Hirse ausgestreut. Aber warum bloss?

Katz-und-Maus-Spiel am See

An einem anderen Tag sehe ich eine Person, die einen Sack bei sich hat und rasch sehr unauffällig mehrere Handvoll Körner ausstreut. Dann bewegt sie sich schnell weiter und streut an der nächsten Stelle Futter aus. Jetzt ist meine Neugier geweckt, ich eile ihr hinterher und spreche die Person an. Sie erklärt mir, dass die Stadttauben ohne ihre Fütterung zu wenig Nahrung hätten, dass es sich hier nicht um wilde Tiere, sondern um Haustiere handle und dass der Mensch Verantwortung gegenüber diesen Kreaturen habe. Ich erzähle der Person vom Stadttaubenprojekt Luzern und lade sie zu einem Besuch im Taubenschlag ein, ernte aber nur komplettes Unverständnis.

Als ich die gleiche Person wieder einmal bei ihrer Tätigkeit sehe, gehe ich erneut auf sie zu – die Person hat aber Lunte gerochen und entwischt mit dem Bus. Die Person kennt mich wohl nun und wird mir möglichst ausweichen. Ich werde aber auch das nächste Mal versuchen, sie in den Taubenschlag einzuladen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Kilogramm Lebensmittel auf diese Weise auf den Boden gestreut werden.

Stadttauben – wo liegt das Problem?

Stadttauben sind faszinierende Tiere, sie sind die Nachkommen von verwilderten Haustauben – und diese stammen von der wilden Felsentaube ab. Stadttauben gelten als Wildtiere. Sie können zu Konflikten führen, wenn sie in allzu grossen Populationen auftreten. Wir erhalten manchmal Anfragen, weil Leute wegen Verschmutzung durch Taubenkot ihre Balkone kaum mehr benutzen können. Auch die Beschädigung von historischer Bausubstanz ist gut dokumentiert.

Taubenkot kann ein hygienisches Problem sein. Auch den Tauben selber geht es nicht gut, wenn die Population sehr gross ist. Die wenigen Brutplätze sind überfüllt, was Parasiten und Krankheiten fördert. In der Stadt hat es wenig natürliche Feinde wie etwa Greifvögel, sodass hier kranke und geschwächte Tauben unnatürlich lang überleben und leiden.

Warum es nicht sinnvoll ist, Tauben zu füttern

Die Grösse der Population und der Bruterfolg werden direkt gesteuert durch das Futterangebot. Dieses ist in der Stadt riesig – weggeworfene Lebensmittel an viel besuchten Orten und Littering sind ein grosses Problem. Menschliche Nahrung ist nicht unbedingt gesund für Tauben, weshalb man weder Lebensmittel wegwerfen noch die Tauben füttern sollte. Hartes Brot ist ebenfalls keine gute Nahrung für Tauben – aber eine tolle Grundlage für leckere Mahlzeiten für Menschen – bei uns zu Hause gehört das regelmässig auf den Menuplan.

Die Tauben in der Stadt finden also mehr als genug Futter. Weggeworfene Lebensmittel müssen mit grossem Aufwand vom städtischen Personal wieder weggeräumt werden – eine teure, nie endende Sisyphusarbeit. Oft sehe ich am See Touristengruppen, die ihr halbes Mittagessen an die Vögel verfüttern – hier hilft manchmal das Aufstellen von Plakaten mit der Botschaft «Nicht füttern».

Tauben gelten als Wildtiere

Ist denn Füttern verboten? Stadttauben gelten rechtlich als Wildtiere und deren Fütterung bedarf einer Bewilligung. Diese wird aber nur erteilt, wenn kein öffentliches Interesse entgegensteht – bei den Tauben wird keine Bewilligung erteilt. Dies dient dem Schutz von Tier und Mensch – und soll helfen, systematische, regelmässige Fütterungen zu vermeiden. Die Stadt Luzern setzt aber nicht auf Konfrontation, sondern auf Aufklärung und auf ein Projekt, das sowohl den Tauben als auch der Bevölkerung zugutekommt.

Mit solchen Schildern will die Stadt Luzern gegen das Füttern von Tauben vorgehen – mit Erfolg. (Bild: cbu)

Stadttaubenprojekt Luzern

Das Ziel des Luzerner Projekts sind kleinere und gesunde Stadttaubenpopulationen. Aus diesem Grund hat die Stadt zwei Taubenschläge eingerichtet, im Rathaus und im ehemaligen Zeughaus. Hier können die Tauben frei ein- und ausfliegen und in Ruhe und unter sauberen Bedingungen brüten. Weil die Tiere ihren Kot vor allem an ihren Aufenthaltsplätzen hinterlassen, kann dieser im Schlag leicht entfernt werden – und landet dann nicht auf Gebäuden in der Umgebung. Dies sind pro Jahr unglaubliche 300 Kilogramm!

Den Taubenschlag im Rathaus kann man auf Anmeldung mit einer Gruppe besuchen, für Stadtluzernerinnen ist dies kostenlos. Es gibt einen Taubenwart, der bei Problemen mit verletzten Tauben, Verschmutzungen an Gebäuden und Taubenabwehr beraten und helfen kann. In den über zehn Jahren, in denen das Projekt nun läuft, hat sich der Taubenbestand in Luzern deutlich verringert und stabilisiert. Auch sind die Tauben besser genährt und gesünder. Die Taubenschläge werden von den Vögeln rege genutzt. 

Ich bin immer gerührt, wenn ich durch die grosse Sichtscheibe im Schlag junge Tauben im Nest sehe, die von den Eltern gewärmt und gefüttert werden. In der Umweltberatung haben wir regelmässig Anfragen zu Tauben, ich bin jetzt schon richtig in die Thematik reingewachsen und darf schon bald meine erste Führung leiten.

Taubenschlag in Luzern. (Bild: zentralplus) (Bild: )

Bei Fragen oder Problemen mit Tauben berät die Umweltberatung Luzern kostenlos.

Verwendete Quellen
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Ob in der Wirtschaft & Energie, Natur & Tiere in der Stadt, Abfalltrennung & Recycling, bewussteres Essen, faire Mode, Accessoires & Möbel – das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt heute Jung und Alt.
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