Im Vierwaldstättersee baden und den Korallen schaden
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Sonnenschutzcremes belasten die Oberflächengewässer und gefährden nicht nur Fische und Enten. (Bild: zvg)

Wie sich Sonnencremes auf unsere Gewässer auswirken Im Vierwaldstättersee baden und den Korallen schaden

5 min Lesezeit 21.07.2021, 11:02 Uhr

Es ist mittlerweile bekannt, dass Sonnenschutzcremes Korallenriffe zerstören können. Hawaii verbietet seit diesem Jahr sogar den Einsatz gewisser Sonnenschutzcremes. Da stellt sich die Frage: Leidet auch unsere heimische Umwelt unter dem Gebrauch von Sonnencremes oder hat unser Verhalten hier Auswirkungen auf die Korallen in den Weltmeeren?

Bei schönem Wetter lässt sich an den Badeorten des Vierwaldstättersees oft eine ölig-schimmernde Wasseroberfläche beobachten. Was sind das für Substanzen und welche Auswirkung haben sie auf unsere Umwelt? Die Annahme liegt nahe, dass, wenn Sonnencremes auf die Korallen einen Einfluss haben, sie auch auf unser Ökosystem negativ wirken könnten.

Um herauszufinden, welche Inhaltsstoffe bedenklich sind, kontaktierte ich Alexandra Kroll vom Schweizerischen Ökotoxzentrum. Kompetent und hilfsbereit stand sie für Rede und Antwort zur Verfügung. Ausserdem stellte sie mir zahlreiche wissenschaftliche Unterlagen zur Verfügung, welche sich am Beispiel Rotsee der Thematik annäherten und die ich im Folgenden für die zentralplus-Leserinnen aufbereitete.

Leider musste Kroll darauf aufmerksam machen, dass es zurzeit keine offiziellen Bewertungen des Risikos von Sonnenschutzcremes für Oberflächengewässer (Seen, Flüsse, Bäche) gebe. Dennoch kann errechnet werden, ob vorläufig abgeschätzte Grenzwerte eingehalten würden oder nicht.

Berechneter Zustand am Beispiel Rotsee

Da es kaum Daten zu den hiesigen Gewässern gibt, hat Alexandra Kroll eine Berechnung der drei Inhaltsstoffe Oxybenzon, Octocrylen und 4-Methylbenzylidencampher vorgenommen. Oxybenzon und Octocrylen sind die Stoffe, welche sich nachweislich negativ auf die Korallenriffe auswirken.

Als Berechnungsgrundlage diente das Wasservolumen des Rotsees von 4,3 Millionen Kubikmeter Wasser und die jährliche Anzahl Badegäste, welche uns Herr Patrick Widmer, Betreiber der Rotsee-Badi gab: Rund 40’000 Badi-Besuche in der Badesaison von Mai bis September.

Folgende Annahmen wurden für die Berechnung beigezogen:

  1. Alle Badegäste sind vollständig eingecremt und begeben sich einmal für 20 Minuten ins Wasser
  2. Die Substanzen sind nach rechtlichen Vorgaben maximal in den Cremes konzentriert
  3. Die Substanzen werden nach einem Tag im Wasser vollständig abgebaut (Diese Annahme ist falsch, da die Substanzen mehrere Wochen im Gewässer verbleiben können, würde aber eine aufwendigere Berechnung erfordern und weitere Annahmen)
  4. Es kommt zu einer vollständigen Durchmischung des Sees (Diese Annahme ist eine Vereinfachung, da es in den Sommer- und Wintermonaten je nach Seeparametern zu einer Schichtung kommt, die von Bade- und Fährbetrieb beeinflusst wird)

Unter Berücksichtigung vorhergehender Annahmen würde der Grenzwert im Rotsee nach europäischer Norm von Octocrylen mehr als das Doppelte betragen. Leider bauen sich die genannten Stoffe nicht während eines Tages ab, sondern über mehrere Wochen. Das bedeutet, dass die Konzentration noch höher ausfallen würde und auch die anderen Stoffe die Grenzwerte überschreiten könnten. Zudem ist es möglich, dass die Substanzen tatsächlich ins Meer gelangen und dort Korallen schädigen.

Patrick Widmer ist aber überzeugt: «Unsere Gäste sind sensibilisiert und wissen den Wert des Naturschutzgebiets zu würdigen. Wir beobachten, dass wenig Sonnencreme zum Einsatz kommt.»

Unfruchtbare Fische durch Sonnencremes

Die meistverbreiteten sogenannten «chemischen Sonnenschutzcremes» erzeugen durch einen chemischen Prozess den gewünschten Sonnenschutz. Beliebt sind diese Cremes, da sie uns nicht weiss einfärben und sie sich gut auftragen lassen. Als hormonaktive Stoffe werden Substanzen bezeichnet, welche bereits in geringsten Mengen eine Störung des Hormonsystems erzeugen können und damit die Gesundheit von Lebewesen schädigen. Sei dies bei Fischen, Krebsen oder Menschen. Die Auswirkung bezeichnet man als endokrin störend. Die Folge davon kann zum Beispiel Unfruchtbarkeit sein.

Nanopartikel wirken krebserregend, besonders bei Kindern. Sogenannte «mineralische Sonnenschutzcremes» basieren meistens auf den Substanzen Zinkoxyd (ZnO) oder Titandioxyd (TiO2). Diese Stoffe reflektieren die Sonnenstrahlen und wirken dadurch als Sonnenschutz. In Sonnenschutzcremes werden diese Mineralien zum Teil in Nanogrösse verwendet. Dies hat den Vorteil, dass auch diese Cremes unsere Haut weniger weiss färben. Leider ist davon auszugehen, dass die Nanopartikel über geschädigte Haut in den Körper gelangen können und durch Langlebigkeit (Persistenz) im Körper zu Mutationen und womöglich Tumoren/Krebs führen. Besonders Kinder sollen anfällig sein.

Sonnencremesubstanzen können zu allem anderen toxisch und bioakkumulativ sein. Bioakkumulativ bedeutet, dass sie sich in der Nahrungskette anreichern und zu uns Menschen zurückkehren können. Wir belasten uns also mit dem Chemiecocktail in unserem Selbstfang des frischen Eglis selbst.

Wie kann ich mich vor der Sonne schützen, ohne die Natur zu vergiften?

Nach dem Austausch mit Alexandra Kroll ist mir klar: Viele Hersteller greifen zur Produktion der Sonnenschutzcremes auf hormonaktive Stoffe oder Nanopartikel zurück, und gerade diese sind zu vermeiden, da sie für uns und unsere Natur potenziell gefährlich sind. Deshalb diese Tipps:

  • Trage Sonnenschutzkleidung: Wenn du Deine Haut mit UPF-zertifizierter Kleidung bedeckst, wird die Menge an Sonnenschutz, die du tragen müssen, erheblich reduziert.
  • Vermeide die Inhaltsstoffe gemäss untenstehender Liste.
  • Wähle «mineralische» Sonnenschutzmittel ohne Nanopartikel. Achte bei der Auswahl eines Sonnenschutzmittels auf Mineralbasis darauf, dass es als «non-nano» gekennzeichnet ist.
  • Greife auf «parabenfreie» Produkte zurück. Parabene haben eine antimikrobielle und fungizide Wirkung.
  • Achte auf die Verwendung von veganen Produkten, denn nicht-vegane Artikel werden mit Tierversuchen entwickelt.
  • Verwende Lotionen statt Sprays: Bei Sprays landet ein Grossteil des Sonnenschutzmittels oft auf dem Sand statt auf der Haut. Der Sand wird ins Gewässer gespült und gelangt so in die Oberflächengewässer.
  • Achte auf eine gute Wasserbeständigkeit: Ein Sonnenschutz, der länger hält, wenn du im Wasser bist, wird weniger abgewaschen. Um die Wasserbeständigkeit deines Sonnenschutzmittels zu maximieren, befolge immer die Anwendungshinweise bezüglich der Wartezeit, bevor du ins Wasser springst.

Liste der zu vermeidenden Chemikalien in Sonnenschutzmitteln*

  • benzophenone-1: Bislang keine Einträge vorhanden. Verdacht auf schädliche Wirkung.
  • benzophenone-8: Bislang keine Einträge vorhanden. Verdacht auf schädliche Wirkung.
  • octyl-dimethyl – para-aminobenzoic acid (OD-PABA): Bislang keine Einträge vorhanden. Verdacht auf schädliche Wirkung.
  • 4-methylbenzylidene camphor: Endokrin störend bewertet (ED-Liste).
  • oxybenzone (= Benzophenone 3): Endokrin störend bewertet (ED-Liste).
  • octinoxate: Persistent, bioakkumulativ und toxisch (PBT-Liste). Endokrin störend (ED-Liste).
  • octocrylene: Persistent, bioakkumulativ und toxisch (PBT-Liste). Endokrin störend (ED-Liste).
  • 3-benzylidene camphor: Endokrin störend, besonders besorgniserregende Substanz (SVHC).
  • nano-titanium dioxide (TiO2): Persistent, Verdacht auch besonders kanzerogene Wirkung.
  • nano-zinc oxide (ZnO): Persistent, Verdacht auch besonders kanzerogene Wirkung.

*nach der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)

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